03.12.2009, 17:11 Uhr
Der Torjäger der Nordkoreaner: Jong. (Foto: imago)Das kommunistische Nordkorea hat seinen festen Platz in der Fußball-Geschichte. Bei der WM 1966 sorgte das Team für eine der größten Sensationen im Fußball überhaupt. Mit einem denkwürdigen 1:0-Sieg warf Nordkorea Italien aus dem Turnier und zog selbst ins Viertelfinale ein.
Dort verschenkten die Asiaten eine 3:0-Führung gegen Portugal und verpassten durch ein 3:5 (vier Tore Eusebio) das greifbare Halbfinale. Bei ihrer zweiten WM-Teilnahme 2010, ebenfalls eine große Überraschung, treten die Nordkoreaner also in große Fußstapfen.
Das Los wollte es, dass die beiden verhassten Bruderstaaten Nord- und Südkorea eine gemeinsam Qualifikation für die WM in Südafrika spielen. Beide Verbände kamen erfolgreich daraus hervor. Nordkorea holte immerhin drei Unentschieden gegen den großen Favoriten aus dem Süden und hielt sich ansonsten gegen Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate weitgehend schadlos. Mit einem 0:0 in Riad gegen die Saudis sicherte der Außenseiter den zweiten Platz in der Gruppe und damit die direkte Qualifikation. Die große Stärke des Teams ist sicherlich die Defensive.
Der Star
Te-see Jong ist ein Wanderer zwischen den Welten, manche nennen ihn einen Abtrünnigen. Er wurde 1984 im japanischen Nagoya geboren und besaß als Kind koreanischer Auswanderer ursprünglich die südkoreanische Staatsbürgerschaft. Nach seiner Erziehung in einer der so genannten Chongryon-Schulen mit stark nordkoreanischem Einfluss - und einer live im Stadion erlebten Niederlage gegen Japan, so geht die Legende - entschied er sich gegen das Land seiner Eltern, gegen Japan und für Nordkorea. Bei der Ostasienmeisterschaft 2008 hatte er mit zwei Treffern in drei Spielen einen ersten großen Auftritt. Jong spielt seit 2006 in der J-League bei Kawasaki Frontale und beweist mit über 40 Pflichtspieltreffern dort regelmäßig seine Torjägerqualitäten. Er kann auch unter Druck den Ball behaupten und nimmt nach den Spielen im Gegensatz zu vielen staatlich geimpften Teamkollegen kein Blatt vor den Mund.
Der Trainer
Nordkoreas Trainer Kim. (Foto: imago)Bescheiden ist er nicht: „Wir wollen die großartige Leistung unserer Vorfahren wiederholen“, hat Trainer Jon-Hung Kim wenige Monate vor Beginn der WM bei einen Trainingslager in Europa als Ziel ausgegeben. Nach der einzigen Niederlage im Bruder-Duell mit Südkorea hatte Kim seinen großen Auftritt, als er behauptete, drei seiner Spieler seien vor der Partie vergiftet worden.
Die Aussichten
Fußball hat in Nordkorea inzwischen staatstragende Bedeutung. Wie die DDR früher in olympischen Sportarten, versucht das Regime, über den seine Athleten Respekt zu erlangen. So hatten die U-17- und U-19-Mannschaften in den vergangenen Jahren einige Erfolge. Sie wurden insgesamt drei Mal Asienmeister und kamen bei der Junioren-WM zwei Mal bis ins Viertelfinale. Einige dieser Akteure werden sicher auch in Südafrika auflaufen und für eine gewisse sportliche Qualität bürgen. Aufgrund der Isolation des Landes spielen aber nur ganz wenige Profis in ernstzunehmenden Ligen im Ausland. Das Wunder von 1966 wird sich daher nicht wiederholen. Schon ein Remis in der Gruppenphase wäre eine Überraschung.
Nordkorea im Überblick:
| |
Spitzname | Chollima (das Tausend-Meilen-Pferd) |
Trainer | Jong-Hun Kim |
Kapitän | Jong-Yo Hong |
Größter Erfolg | WM-Viertefinale 1996 |
FIFA-Weltranglistenplatz | 84 |
Bisherige WM-Teilnahmen | 1 |
Bilanz gegen Deutschland | - |
Quelle: t-online.de
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