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Der Offenbacher Kult um den OFC-Traktor

21.02.2013, 16:00 Uhr | FUSSBALL.DE

Offenbachs "Traktorenfront" um Fahrer Hans-Jörn Freiheit (li.) mit ihrem Kultmobil. (Quelle: Privat)

Offenbachs "Traktorenfront" um Fahrer Hans-Jörn Freiheit (li.) mit ihrem Kultmobil. (Quelle: Privat)

Von Jochen Breideband

Er holt nicht die Resi ab, sondern Fußballfans. Er ist knallrot, aber kein Gummiboot. Und er ist Kult, ähnlich wie die beiden Songs von Wolfgang Fiereck und Wencke Myhre. Der OFC-Traktor gehört bei Kickers Offenbach zum festen Erscheinungsbild. Seit Jahrzehnten macht sich die kleine Fangruppe "Traktorenfront" zu den Heimspielen in Offenbach mit ihrem Gefährt auf den Weg zum Stadion. Die Kickers unterstützen. Das Feeling Bieberer Berg leben, erleben und gestalten. So wird es auch am Dienstag sein, wenn der OFC im Viertelfinale des DFB-Pokals den VfL Wolfsburg empfängt. "Sofern der Traktor anspringt", relativiert Hans-Jörn Freiheit mit einem Lächeln.

Die Traktorenfront und das Feeling Bieberer Berg

Freiheit ist der Fahrer des OFC-Traktors. Ein gemütlicher, sehr freundlicher Mann mit Bart und langen Haaren, 68 Jahre alt, pensionierter Chemie-Lehrer. Einer, mit dem man gern sein Stöffche in der urigen Apfelwein-Kneipe um die Ecke genießt. Einer, der den Fußball und die Kickers liebt und zahlreiche Anekdoten rund um den OFC zu erzählen hat. Von der Zeit als Student, als er noch mit einem Käfer zu den Spielen fuhr, vom magischen 3:2 im Derby gegen Eintracht Frankfurt, als Erwin Kostedde alle drei Offenbacher Tore erzielte oder von seinem verstorbenen Traktorenfreund Heinz Fröhlich, der vor einem Auswärtsspiel in Burghausen beim Bestellen eines Tees gefragt wurde: "Sir Winston oder Earl Grey?" Und antwortete: "Nein, nein, ich bin der Heinz."

Die Inspiration: Einzug ins Finale um die Deutsche Meisterschaft

Zu behaupten, Freiheit sei schon sein Leben lang OFC-Fan, wäre nicht ganz richtig. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf nahe Wetzlar, war der junge Hans-Jörn 15 Jahre alt, als er mit seinem Bruder den Entschluss fasste, Anhänger eines großen Vereins zu werden. Es war 1959, es war eine Zeit, als sich der Fußball für die Menschen in erster Linie auf dem Sportplatz im Heimatort und noch nicht im Fernsehen abspielte. Seine Informationen holte man sich in der Zeitung und im Radio.

Auf dieser Basis nahmen sich die Brüder die Freiheit, ihre Sympathien dem TSV 1860 München zu schenken. Es dauerte allerdings nicht lange, bis die Freiheits mehr und mehr auf den Klub aus der hessischen Nachbarschaft aufmerksam wurden. Zum Fan-Erweckungserlebnis wurde das Spiel des OFC gegen Tasmania Berlin in der Qualifikationsrunde zur Deutschen Meisterschaft. Die Offenbacher konnten mit einem Sieg vorzeitig ins Endspiel einziehen. Vier Minuten vor dem Abpfiff lagen sie 0:2 zurück, drehten die Partie in einer verrückten Schlussphase und gewannen 3:2. Die dramatische 3:5-Niederlage nach Verlängerung im Finale von Berlin gegen Eintracht Frankfurt änderte nichts, sie bestätigte es nur: Das Fußballherz von Hans-Jörn Freiheit war vergeben.

"Es gibt keinen vernünftigen Grund, keinen Traktor zu haben"

Zum Traktor kam Freiheit erst in den 90er Jahren. Er lernte die Traktorenfront kennen, man hatte Spaß, verstand sich. Freiheit wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Am Steuer des Traktors sitzt er, seit private Probleme zu einer Zäsur innerhalb der Gruppe führten. Der damalige Besitzer des Traktors trat aus, ein neues Gefährt musste her – und ein neuer Fahrer.

Heute umfasst Offenbachs Traktorenfront noch vier Personen. Sympathisanten, die sich immer wieder mit aufs OFC-Mobil schwingen, gibt es weiterhin genug. Freiheit mag die Einstellung der Gruppe, ihre reine Lust am Fußball und am Verein, das aktive Einstehen für Gewaltfreiheit und Toleranz. Und er mag den Traktor. "Es gibt keinen vernünftigen Grund, keinen zu haben", sagt er.

Ein Traktor als Zeitzeuge und Friedensstifter

Das rote Vehikel, Baujahr 1955, ist erst vergangene Woche wieder durch den TÜV gekommen. Viel erlebt hat der Traktor in all der Zeit. Aufstiege. Abstiege. Das neue Stadion. Den Rummel, als die Traktorenfront 1997 auf eigene Faust und völlig inoffiziell in der Offenbacher Innenstadt den Erwin-Kostedde-Platz einweihte. Die Fahrt nach Fulda mit Zwischenstation in Flieden, wo die Traktorenfront den Hessenligisten Buchonia zu einem 2:2-Unentschieden nach 0:2-Rückstand brüllte. Natürlich viele heiße Pokalduelle wie der Triumph gegen Borussia Dortmund nach Elfmeterschießen im Oktober 2010 oder die Überraschungen gegen die Bundesligisten SpVgg Greuther Fürth (2:0) und Fortuna Düsseldorf (2:0) in der laufenden Saison.

Einmal spielte der OFC-Traktor sogar Friedensstifter. Bei einer Partie gegen die Eintracht Amateure standen sich die rivalisierenden Fans aus Frankfurt und Offenbach streitlustig gegenüber, bereit handgreiflich zu werden, als der Traktor durch ihre Mitte fuhr. Alle waren so perplex, dass sich die akute Feindseligkeit wieder legte. Am Dienstag gegen Wolfsburg hat der OFC-Traktor seinen nächsten großen Auftritt.

Quelle: FUSSBALL.DE

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