20.12.2011, 08:11 Uhr | mlm
Lukas Podolski und Stale Solbakken verstehen sich gut. (Quelle: imago)
Bleibt er oder geht er? Die Diskussion um die Zukunft von Lukas Podolski hat sich schon längst in eine Groteske verwandelt, in etwas völlig Überzeichnetes, etwas Lächerliches. Mittlerweile dürfte jeder Bundesliga-Trainer und jeder Experte zu diesem Thema befragt worden sein, weil die Frage schon lange nicht mehr nur den 1. FC Köln, sondern die ganze Stadt in Atem hält. Köln ist gefangen ist seiner eigenen Schizophrenie. Denn für beiden Optionen, die Kölns Ausnahmefußballer hat - für das Bleiben wie für das Gehen - gibt es gute und vor allem rational nachvollziehbare Gründe.
Kölns Trainer Stale Solbakken beginnt Pressekonferenzen mitunter bereits ungefragt mit einem "Es gab heute noch keine neuen Anfragen anderer Vereine wegen Lukas". Der Norweger hat längst verstanden, dass es um das Geißbockheim keine wichtigere Frage mehr gibt. Aber er ist sich auch bewusst: "Lukas weiß selbst noch nicht zu 100 Prozent, was in den nächsten Monaten passiert."
Dabei ist es auf den ersten Blick so einfach: Podolski muss Köln verlassen - aus drei Gründen.
Erstens: die Finanzen. Mit 26 Jahren ist er in der Form seines Lebens. Nie war er besser. Nie konnte er in Vertragsverhandlungen mehr Geld verlangen. Nie war Podolskis Marktwert so hoch wie heute. Nie war Köln so klamm wie heute. Rein wirtschaftlich gesehen kann, ja darf der FC gar nicht erst versuchen, Podolski zu halten. Kurzum: Podolski unterschreibt einen hochdotierten Vertrag bei einem internationalen Top-Verein. Und Köln baut mit einer Ablösesumme von ca. 20 Millionen Euro den Großteil seiner Schulden ab - wenngleich aufgrund privater Beteiligungen nicht die volle Ablöse in die Kasse des FC wandern wird.
Zweitens: die sportlichen Ambitionen. Podolski will auf die internationale Bühne. Das wurde ihm in Köln von den einstigen Lichtgestalten (Overath, Daum) versprochen. Die Realität ist eine andere. Will der Stürmer international spielen und noch mehr Titel holen als in seiner Zeit beim FC Bayern, ist sein Abschied sicher. Auch, wenn er sich bewusst sein muss, dass er dann nur noch ein Star unter vielen sein wird und nicht mehr der gefeierte Solist wie im RheinEnergieStadion.
Drittens: der Kölner Neuaufbau. Es klingt verrückt, aber ein Abschied Podolskis bietet dem FC große Chancen. Finanziell saniert wäre der FC in der Lage, das auf stärkerer Nachwuchsförderung basierende Konzept unter Sportdirektor Volker Finke durchzusetzen. Finke hat längst betont, dass Transfers nur noch punktuell getätigt werden sollen, das Gros an Profispielern zukünftig aus den eigenen Reihen kommen soll. Das Ziel: ein homogeneres Team. Mit Podolski als Star, der über allen steht, allerdings kaum vorstellbar.
Doch der FC mit Finke und Solbakken in der sportlichen Führung hat alles andere im Sinn, als sich ein Team ohne den großen Star Podolski vorzustellen. Und das aus guten Gründen.
Erstens: die Finanzen. Der FC ist für wirtschaftsstarke Unternehmen so attraktiv wie noch nie. Bestehende Sponsoren intensivieren ihre Engagements, private Geldgeber unterstützen den Klub. So kann Köln Podolski auch im Falle einer Vertragsverlängerung ein mehr als stattliches Gehalt (aktuell ca. 2,5 Mio. Euro) zahlen. Sorgen um seine Zukunft wird sich der verheiratete Familienvater also nicht machen müssen.
Zweitens: die sportlichen Ambitionen: Wäre der FC kein Chaosverein, könnte man einfach mal nur das Sportliche betrachten. Und das besagt: Im Kalenderjahr 2011 haben die Geißböcke 50 Punkte in 34 Spielen geholt. 29 Punkte in der letztjährigen Rückrunde und 21 Punkte in der aktuellen Hinrunde bedeuten einen mehr als soliden Platz im Mittelfeld. Und der Trend zeigt nach einem schwierigen Saisonstart unter Neu-Trainer Solbakken (fünf Spiele, vier Punkte) wieder nach oben. Kann der FC seine Entwicklung in der Rückrunde bestätigen, wäre erstmals seit Jahren eine echte Perspektive sichtbar. Auch für Podolski.
Drittens: der Kölner Neuaufbau. Manager Finke spricht gerne von einem "Spielerstau", der beim FC herrscht. Noch immer badet er die Transferfehler der letzten Jahre aus, muss Altlasten verkaufen, um Platz für neue Spieler zu schaffen. Doch langsam nimmt der Kader Formen an. Michael Rensing, Pedro Geromel, Sascha Riether, Slawomir Peszko, Lukas Podolski und Milivoje Novakovic sind das Grundgerüst, um das junge und talentierte Spieler aufgebaut und gezielt sofortige Stammspieler hinzugekauft werden sollen. Ein Gerüst, das verheißungsvoll klingt. Vor allem dank der Offensive um Podolski.
Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung werden in der Rückrunde beginnen. Finke will sie gerne bis zum Sommer zu Ende bringen, wohl wissend, dass Podolski sich bei der EM 2012 noch mehr ins Rampenlicht spielen und noch begehrter machen kann. Der Spieler hat hingegen - verständlicherweise - keine Eile. Er lässt lieber Tore sprechen. Was dem Trainer jedoch sehr recht ist. "Wir arbeiten jeden Tag daran, ihm zu zeigen, warum wir mit ihm verlängern wollen."
Quelle: FUSSBALL.DE
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