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Warum Löw an Adler bald nicht mehr vorbei kommt

10.10.2012, 11:19 Uhr | FUSSBALL.DE

René Adler hat dem Hamburger SV schon einige Punkte gerettet. (Quelle: imago)

René Adler hat dem Hamburger SV schon einige Punkte gerettet. (Quelle: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Er ist blond, umgänglich und talentiert. Die Fans lieben ihn, die Experten feiern ihn,  die Kollegen schätzen ihn: Er ist auserkoren, eine Epoche im Tor der deutschen Nationalmannschaft zu prägen. Bei seinen Auftritten im DFB-Dress hatte er von Beginn an kein Nervenflattern, er strahlt außergewöhnliche Gelassenheit aus. Internationale Beobachter zählen ihn zu den besten Torstehern seiner Generation.

Bundestrainer Joachim Löw verspricht ihm den Stammplatz bei der kommenden Weltmeisterschaft. Wir schreiben das Jahr 2010, und unser Torwart heißt René Adler.

Erst Aufstieg, dann Absturz

Wenige Geschichten zeigen so deutlich den schicksalhaften Einfluss von Zufällen auf die kurze Karriere von Fußballprofis wie die des Hamburger Bundesliga-Torwarts. Als ihm Löw im März, drei Monate vor Beginn des Weltturniers in Südafrika, die Nummer eins aushändigt, ist das die Krönung eines so rapiden wie scheinbar unaufhaltsamen Aufstiegs. Ein Bundesliga-Spiel als Vertreter des gesperrten Hans-Jörg Butt reichte ihm 2007, um sich in Leverkusen unverzichtbar zu machen und den renommierten Stammkeeper zu verdrängen. Ein Länderspiel als Vertreter des verletzten Robert Enke reichte ihm 2008, um das Dortmunder Westfalenstadion zu Ovationen hinzureißen. Adler, der alles mitbringt, was ein Torwart braucht, hat alles, was er sich wünschen könnte. Dann verletzt er sich im Mai 2010 im Rippenbereich.

Neuer und Leno ziehen vorbei

Adler muss die WM absagen und verliert alles. Plötzlich steht Manuel Neuer im deutschen Tor, plötzlich wird er zum DFB-Torwart der nächsten Dekade ausgerufen. Während der neue Darling im Sommer 2011 zu den Bayern wechselt und von deren mächtiger Maschinerie immer weiter hochgejazzt wird, muss sich Adler einer komplizierten Patellasehnen-Operation unterziehen und hat bald nicht mal mehr Fürsprecher in seinem Stammklub: Bayer Leverkusen vertraut sich dem ursprünglichen Notnagel Bernd Leno an und setzt Eigengewächs Adler auf die Straße. Wenn irgendwer noch über ihn berichtet, sind das traurige Geschichten voller Mitleid.

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Tolle Saison von Adler

Dass dann ausgerechnet der HSV, der sonst in den letzten Jahren aber auch rein gar nichts richtig gemacht hat, zum Steigbügelhalter der kaum noch erhofften Renaissance wird, gehört zu den Ironien, die so verschlungene Lebenswege eben haben. Sieben Bundesliga-Spiele haben Adler gereicht, um wieder in aller Munde zu sein. Von den zehn Punkten, die der HSV bislang sammelte, gehen mindestens die Hälfte auf sein Konto. Der "kicker" führt ihn mit einem geradezu irrealen Notenschnitt von 1,79.

Geht das so weiter, wird Löw bald ein Problem auf unerwartetem Terrain bekommen. Er wird dann Adler nicht mehr so einfach vernachlässigen können wie jetzt für die Länderspiele gegen Irland und Schweden, schon gar nicht mit der standardisierten Begründung, er sei von seinen jetzigen drei Torhütern überzeugt, weshalb es  "keinen Grund gibt, etwas zu verändern". Denn bei aller Liebe: Ron-Robert Zieler und Marc-André ter Stegen haben ganz zweifelsohne prächtigere Namen als Adler, sein Format haben sie (bislang) noch nicht. Wenn Neuer formschwach oder verletzt bei der WM 2014 aufschlägt – wem will man den Kasten dann eher anvertrauen?

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Hinter Neuer in Lauerstellung

Geht das so weiter, dann gibt es allerdings auch keinen Grund, warum sich Adler automatisch mit der Nummer Zwei begnügen sollte. Er war schließlich mal vor Neuer, und das hatte auch seine Gründe. Dem damaligen Leverkusener ging von Anfang an das "Kahneske" ab, das den damaligen Schalker an seinen Glanztagen auszeichnete. Aber er spielte ungleich stabiler und souveräner. Hanebüchene Patzer wie von Neuer etwa in der Strafraumbeherrschung, hatte man von ihm nie gesehen.

Neuer, natürlich, ist mit den Jahren verlässlicher geworden. Nach einem folgeschweren Fehler in seinen 33 Länderspielen sucht man vergeblich. Allerdings hat der Münchner dem DFB auch noch kein großes Spiel wirklich gewonnen. Bei Adler ist das trotz seiner erst zehn Einsätze durchaus anders: Sowohl 2008 bei seinem Debüt als auch 2009 beim Rückspiel in Moskau zeigte er Galavorstellungen gegen die damals enorm starken Russen – was Deutschland überhaupt erst zur WM nach Südafrika brachte.

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Chance für Adler?

Es gäbe also mehr Gründe als nur die historische Gerechtigkeit, Adler eine echte Chance auf den Platz zu geben, den er damals unter so unglücklichen Umständen räumen musste. Den Schlüssel dazu hält Löw – er muss diese Chance erteilen. So vernünftig es diesmal war, nach sieben Spielen nicht gleich überzureagieren, so wenig spräche dagegen, Adler bei anhaltend starken Leistungen spätestens Anfang nächsten Jahres wider zu nominieren – und die Besetzung der Torwartposition als gleichermaßen offen zu deklarieren wie die Stammplätze auf dem Feld. Wer vermag jetzt schon zu sagen, ob Adler oder Neuer im Juni 2014 einen Tick stärker ist als der jeweils andere?

Zuletzt ist Jürgen Klinsmann mit dieser Strategie vor der WM 2006 nicht schlecht gefahren, als er sich kurz vor Turnierbeginn für Jens Lehmann und gegen Oliver Kahn entschied. Ob Löw sich ähnliches trauen würde? Anders als sein ehemaliger Chef ist er eher nicht der Typ, der sich mit der mächtigen Bayern-Fraktion anlegen würde, die unter ihm mit bis zu acht Spielern in der Anfangself steht. Ehrlicherweise gibt es für Adler daher wohl nur eine Chance, zurückzubekommen, was einst seins zu sein schien – die Umkehr der Schicksale von 2010. Wer weiß schon, was bis Brasilien alles noch passieren wird.


Quelle: FUSSBALL.DE

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