27.04.2011, 11:06 Uhr | mspw
Manuel Stiefler (li.) und Markus Fuchs freuen sich über einen Treffer des 1. FC Saarbrücken. (Foto: imago)
Die 3. Liga erlebt ihr blau-schwarzes Wunder. Mit sechs Siegen in Serie stürmte der 1. FC Saarbrücken, vor wenigen Wochen noch mitten im Abstiegskampf, regelrecht an der Konkurrenz vorbei und erreichte mit dem aktuellen siebten Rang seine bisher beste Platzierung in dieser Saison. Damit brachte der Neuling, der am Freitag ab 19 Uhr bei der SpVgg Unterhaching gastiert, den Klassenverbleib bereits drei Runden vor dem Saisonende auch rechnerisch unter Dach und Fach. "Damit konnten wir nicht rechnen. Mitte März hatten wir gerade einmal drei Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Dass es schon frühzeitig mit dem Klassenverbleib klappt, ist umso schöner“, sagte FCS-Trainer Jürgen Luginger im Gespräch mit dfb.de.
Besonders beeindruckend: In der Rückrundentabelle belegt der 1. FC Saarbrücken mit jetzt 29 Punkten aus 16 Partien den zweiten Platz, noch vor dem Aufstiegsaspiranten Rot-Weiß Erfurt und dem künftigen Zweitligisten FC Hansa Rostock (je 27). Nur der souveräne Spitzenreiter Eintracht Braunschweig (36) war in dieser Zeit noch besser als der 1. FCS.
Der Auslöser für diesen eindrucksvollen Lauf liegt dabei schon lange zurück. Im ersten Punktspiel nach der Winterpause kassierte das Gründungsmitglied der Bundesliga Ende Januar gegen den FC Carl Zeiss Jena eine 1:3-Heimniederlage. Dabei hatte der 1. FCS den thüringischen Traditionsverein im Hinspiel noch sensationell hoch 7:0 abgefertigt. "Das Jena-Spiel war wie ein Weckruf. In dieser Partie haben meine Jungs gemerkt, dass es für uns sehr schwer wird, wenn nicht alle ihre beste Leistung abrufen“, sagte Luginger. Weitere Schlüsselerlebnisse waren für den 43-jährigen Saarbrücker Trainer die kurz darauf folgenden Heimspiele gegen die Aufstiegsanwärter Dynamo Dresden (3:2) und Kickers Offenbach (2:0). "Die beiden Heimsiege haben den Jungs zusätzliches Selbstvertrauen gegeben“, meinte Luginger.
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Allein das Vertrauen in die eigene Stärke führte die Saarländer freilich nicht in die Erfolgsspur. "Das war harte Arbeit, harte Arbeit und nochmals harte Arbeit“, verdeutlicht Luginger sein Erfolgsrezept. "Die Mannschaft hat sich insgesamt sehr gut entwickelt. In der Hinrunde waren wir in vielen Partien auch nicht schlechter als unsere Gegner, haben aber oft unsere Chancen nicht genutzt und in entscheidenden Phasen dann noch ein Gegentor bekommen. Nun sind wir cleverer, treten stets als Einheit auf und bewahren - auch wenn das Spiel länger auf der Kippe steht - die Ruhe“, sagte der ehemalige Profi, der gegen Ende seiner aktiven Laufbahn auch für den 1. FC Saarbrücken am Ball war.
Auch nach der bereits gesicherten erneuten Teilnahme an der dritthöchsten Spielklasse in der kommenden Saison lässt Luginger im Training jedoch nicht locker. "Wir wollen auch die letzten Partien erfolgreich bestreiten und nach Möglichkeit unseren jetzigen Tabellenplatz bis zum Ende behalten. Rang sieben in der Abschlusstabelle wäre eine sehr starke Leistung“, sagte Luginger, der auch mit einem anderen einstelligen Tabellenplatz gut leben könnte.
Bilanz So lief die Hinrunde der 3. Liga
Mit einem weiteren Dreier“ bei der SpVgg Unterhaching könnten sich die Saarländer übrigens neben dem höchsten Drittliga-Sieg überhaupt (7:0 in Jena) gleich noch eine weitere Bestmarke sichern. Denn sieben Siege hintereinander schaffte seit der Premieren-Saison 2008/2009 noch kein anderer Klub in der 3. Liga. "Das wäre wohl ein Rekord für die Ewigkeit“, sagte Luginger, der aber vor den Gastgebern warnt. "Das wird eine ganz schwere Aufgabe. Unterhaching hat sich gut entwickelt und sich als Mannschaft gefunden“, so der Saarbrücker Trainer, der sich nun parallel zur Trainingsarbeit auch auf die Planungen für die kommende Saison konzentrieren kann.
Auf ein konkretes Ziel für die zweite Spielzeit in der 3. Liga will sich der 43-Jährige dabei aber noch nicht festlegen: "Wir müssen wieder mit einem vergleichbaren Etat auskommen. Große Sprünge sind da nicht drin. Es wäre vermessen, sich nach dieser Saison große Ziele zu setzen. Den Verein in der Liga zu etablieren und im Mittelfeld zu platzieren, wäre realistisch.“ Luginger muss nach dieser Saison gleich mehrere Abgänge verkraften. Neben Velimir Grgic, Nabil Dafi, Jonathan Zydko und Christoph Buchner, mit denen nicht mehr geplant wird, werden mit Manuel Zeitz (zum 1. FC Nürnberg) und Marcus Mann (SV Wehen Wiesbaden) auch zwei Stammspieler den Verein verlassen.
Mit Nico Zimmermann steht außerdem noch ein dritter Leistungsträger vor dem Absprung. "An ihm sollen Eintracht Braunschweig und der FSV Frankfurt Interesse haben. Wenn er die Gelegenheit bekommt, in der 2. Bundesliga zu spielen, dann wird es schwer für uns, ihn zu halten“, sagte Luginger.
Eine gute Gelegenheit, die Vereinskasse aufzubessern, hat Saarbrücken in dieser Saison noch. Denn der FCS ist durch Siege über Titelverteidiger SV 07 Elversberg (4:2) und den SC Friedrichsthal (2:0) ins Finale des Saarlandpokals eingezogen. Damit hat der 1. FCS nach den vergangenen acht Pflichtspielen jedenfalls als Sieger den Platz verlassen. Im Pokal-Endspiel geht es am 11. Mai gegen den Oberligisten SV Mettlach. "Wir werden alles daran setzen, um in die Hauptrunde einzuziehen. Wir dürfen den Gegner keinesfalls unterschätzen. Schließlich kann in einem Spiel viel passieren. Der Einzug in die Hauptrunde des DFB-Pokals wäre eine Super-Sache für den Verein, sowohl in finanzieller als auch sportlicher Hinsicht“, sagte Luginger.
Quelle: FUSSBALL.DE
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