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Sergio Peter: "Bürstadt soll eine Zwischenstation sein"

06.02.2013, 15:37 Uhr | FUSSBALL.DE

Sergio Peter im April 2006 während seiner glanzvollen Zeit bei den Blackburn Rovers im Ligaspiel gegen Birmingham. (Quelle: imago/BPI)

Sergio Peter im April 2006 während seiner glanzvollen Zeit bei den Blackburn Rovers im Ligaspiel gegen Birmingham. (Quelle: imago/BPI)

Von Jochen Breideband

Einmal ins fußballerische Schlaraffenland und wieder zurück in die Anonymität. Sergio Peter ging mit 15 Jahren zu den Blackburn Rovers nach England. 17-mal hat der gebürtige Mannheimer in der Premier League gespielt. Heute ist er 26 und kickt in der 7. Liga für den VfR Bürstadt.

Im FUSSBALL.de-Interview erzählt Peter seine Geschichte. Er spricht über das abrupte Ende einer hoffnungsvollen Karriere, über Angstzustände, einen Neustart und Erinnerungen an das Old Trafford und Cristiano Ronaldo.

FUSSBALL.DE: Herr Peter, die Frage liegt nahe: Wie verschlägt es einen ehemaligen Spieler aus der englischen Premier League mit 26 Jahren in die Gruppenliga Darmstadt?
Sergio Peter: Ich war lange aus dem Geschäft. Nach meinem Aus bei Sparta Prag war ich krank. Ich hatte Angstzustände, war nicht mehr bereit, etwas zu machen. Natürlich hört es sich komisch an, dass ich jetzt für den VfR Bürstadt in der Gruppenliga spiele, aber das muss ich ausblenden. Ich war zwei, drei Jahre fast komplett weg vom Fenster, da ist es schwer, wieder Fuß zu fassen. Ein alter Freund hat den Kontakt nach Bürstadt hergestellt, ich will es nochmal probieren. Der Vertrag läuft bis Sommer. Bürstadt soll eine Zwischenstation sein, ich möchte wieder nach oben.

Also war Prag der entscheidende Karriereknick?
Ja. Wobei es eigentlich ein guter Transfer war. Ich war nicht Stammspieler in Blackburn, dazu kam der Trainerwechsel von Mark Hughes – mit dem ich mich sehr gut verstanden habe – zu Paul Ince. Sparta Prag war jedes Jahr international vertreten, es sollte mein Sprungbrett sein. Der Trainer wollte mich als Joker für die Champions League. Doch der Schuss ging nach hinten los.

Was ist schief gelaufen?
Wir waren im Trainingslager in Hongkong. Die Verantwortlichen meinten, bei mir müssten noch fünf Kilo runter, obwohl 75 Kilo immer mein Kampfgewicht in England war. Nach zwei Wochen hatte ich dann zehn Kilo verloren, ich war kaputt und am Ende. Auf dem Rückflug hatte ich einen schweren Kollaps. Ich war auf dem Weg von London nach Frankfurt, während die Mannschaft schon nach Prag weitergeflogen war. Ich bekam von einer Sekunde auf die andere keine Luft mehr und bin zusammengebrochen. Ich hatte Todesangst. Zwei Wochen lag ich im Krankenhaus.

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Wie ging es weiter?
Ich bekam Angstzustände, habe mich zu Hause eingeschlossen und mich nicht mehr vor die Tür getraut. Ich musste ständig meine Familie um mich herum haben, weil ich Angst hatte, dass ich wieder zusammenbrechen kann. Ich war bei Ärzten, Psychologen, habe jede Menge Tests gemacht. Körperlich war ich wieder gesund, aber im Kopf völlig fertig. Der Verein hat mir nicht geglaubt und mir die Kündigung geschickt. Das hat mich noch weiter runter gerissen. Ich wollte keinen Fußball mehr spielen.

Wie geht es Ihnen heute?
Im Kopf bin ich wieder klar. Seit knapp zwei Jahren geht es mir richtig gut. Während meiner Saison beim Oberligisten SpVgg Neckarelz 2010/2011 hatte ich noch leichte Probleme. Ich hatte Übergewicht, habe mir schwer getan.

Welche Hoffnungen verbinden Sie mit Ihrem Einstieg in der 7. Liga?
Ich möchte nochmal angreifen. Die Kilos müssen runter, ich muss mir Kondition und Spielpraxis holen. Ich trainiere jeden Tag zweimal, arbeite seit drei Wochen privat mit einem Personal Trainer an der Fitness und der Ernährung. Das zeigt schon Wirkung. Erst kürzlich habe ich mein erstes Spiel seit Jahren über volle 90 Minuten bestritten – ein sehr schönes Gefühl. Ich habe den Wunsch, irgendwann doch noch in der Bundesliga zu spielen.

Ist es dafür nach vier Jahren ohne professionellen Fußball nicht zu spät?
Eigentlich ja, aber den Wunsch darf ich trotzdem haben. Ich weiß, dass ich bei absolut Null anfange und extremes Glück brauche. Ich will mir allerdings nicht vorwerfen, nicht nochmal alles probiert zu haben.

Sie sind mit 15 nach England gegangen. Wie stehen Sie heute zu diesem Schritt?
Es war die absolut richtige Entscheidung. Ich habe nur einen Fehler gemacht, und das war im Januar 2009 der Wechsel nach Prag. Ich hätte damals in England bleiben sollen. Als ich nach Blackburn kam, das war Wahnsinn. Die Plätze, die Betreuung, das Internat – einfach unschlagbar. Als ich später Profi wurde, kamen noch die überragenden Stadien und Fans hinzu.

Was sind Ihre schönsten Erinnerungen?
Ich habe mein erstes Spiel bei den Profis im FA-Cup gegen die Queens Park Rangers gemacht. Wir gewannen 3:0, ich bereitete alle drei Tore vor und wurde zum "Man of the Match" gekürt. Mein erstes Punktspiel war in Newcastle gegen Alan Shearer, eine Legende. Auch im Old Trafford aufzulaufen war etwas ganz Besonderes. Beim Heimspiel gegen ManUnited habe ich Cristiano Ronaldo mit Ball abgegrätscht. Von den Zuschauern gab es Applaus, aber ich habe ihn leicht verletzt, worüber er verärgert war.

Klingt da Wehmut mit?
Natürlich. Ich hätte gerne eine Karriere wie ein Marco Reus oder ein Mario Götze gemacht.

Wie gehen Ihre Mitspieler in Bürstadt mit Ihnen und Ihrer bewegten Vergangenheit um?
Die Jungs unterstützen mich sehr. Ich bin auch nichts Besseres als sie. Von der Vergangenheit erzähle ich nur, wenn ich gefragt werde. Und sie fragen mich immer wieder mal. Wenn ich dann antworte, bin ich ein bisschen traurig, weil diese Zeit vorbei ist und ich erst 26 bin.

Quelle: FUSSBALL.DE

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