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Studie: Netzer dribbelte öfter als Özil

19.11.2010, 12:37 Uhr | FUSSBALL.DE

Mesut Özil behauptet sich gegen Spaniens Xabi Alonso (li.) und Xavi Hernandez. (Foto: imago)

Mesut Özil behauptet sich gegen Spaniens Xabi Alonso (li.) und Xavi Hernandez. (Foto: imago)

Bei der WM in Südafrika hat Mesut Özil die Fußball-Welt mit seinen Dribblings verzaubert. Doch ausgerechnet der für seine langen Pässe bekannte Günter Netzer ging früher mitunter öfter ins Eins-gegen-eins als der Star von Real Madrid. Das ist nur eines der zum Teil verblüffenden Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Zeitschrift "11Freunde". Sie beschäftigt sich mit der Frage, was den modernen Fußball von dem aus der guten alten Zeit unterscheidet.

Ein Experten-Team der Deutschen Sporthochschule in Köln hat dafür historische EM- und WM-Spiele untersucht und die gesammelten Daten mit Statistiken von Partien aus der heutigen Zeit verglichen. Danach ging Netzer beim EM-Viertelfinal-Hinspiel 1972 im Wembleystadion fast 50 Prozent öfter ins Dribbling als Özil bei seinem fantastischen Auftritt gegen England bei der WM 2010.

Höheres Tempo als früher

Auch über das Spieltempo gibt die Untersuchung Aufschluss. Während sich die durchschnittliche Geschwindigkeit des Balles im Jahrhundertspiel zwischen Deutschland und Italien 1970 in Grenzen hielt (1,77 Meter pro Sekunde), war die Partie zwischen der DFB-Elf und Australien in Südafrika mehr als doppelt so flott (3,63 Meter pro Sekunde). Zu schnell für überforderte Australier. Auch insgesamt ist das Spieltempo heute höher als früher. Das stützt Rudi Völlers These bei seinem legendären Wutausbruch nach dem Länderspiel auf Island. "Was hat denn der Günter früher für einen Scheiß gespielt? Standfußball war das doch", hatte der damalige DFB-Trainer in Richtung TV-Experte Netzer geschimpft.

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Weniger Torabschlüsse - mehr Flügelspiel

Dagegen haben die Aktionen in den Strafräumen deutlich abgenommen (nur noch 43 stattfrüher 56 pro Partie). Im besagten Jahrhundertspiel zählten die Experten satte 57 Torschüsse. Im WM-Halbfinale Spanien gegen Deutschland waren es nur 20. Die durchschnittliche Anzahl von Torschüssen sank von 20,3 auf 12,3. Die Zuschauer, die beim Stadionbesuch auf ein Spektakel hoffen, sollten also beim nächstem Mal ganz genau mitzählen, wie oft die Profis draufhalten.

Forciert wird heutzutage das Flügelspiel. Bis zum deutschen WM-Sieg 1990 wurden noch 65 Prozent der Angriffe durch die Mitte vorgetragen, im modernen Fußball sind es nur noch 57 Prozent. Ein Wert, der die große Bedeutung von Außenverteidigern und Flügelstürmern unterstreicht.

Weniger Fouls

Auch das Spiel gegen den Ball hat sich gewandelt. Die moderne Verteidigung ist immer mehr auf Ballgewinn ausgerichtet, nicht auf das bloße Unterbinden des gegnerischen Angriffs. Trotz aller Athletik ist der Fußball in den Jahren deutlich fairer geworden. Während ein Spieler früher durchschnittlich 1,71 Mal im Spiel gefoult wurde, so passiert das heute nur noch 0,88 Mal. Bundestrainer Joachim Löw fordert schon seit Jahren, in der Schulung der Verteidiger das Hauptaugenmerk auf die faire Eroberung des Balles zu legen.

Früher war also nicht alles besser, aber vieles anders...

Quelle: FUSSBALL.DE

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