09.06.2011, 12:38 Uhr | mspw
Unverhofft kommt oft! Das werden sich die Fans und Verantwortlichen des zukünftigen Drittligisten SV Darmstadt 98 gedacht haben. Denn bei einer Umfrage vor der Saison hatte kein einziger Trainer in der Regionalliga Süd den ehemaligen Bundesligisten in Sachen Aufstieg auf dem Zettel. Doch im Laufe der Saison blühten die Lilien auf und mauserten sich zu einer absoluten Spitzenmannschaft, die am Ende verdient aufstieg.
Im Saisonendspurt fing Darmstadt den lange Zeit souveränen Spitzenreiter Hessen Kassel durch neun Siege in Folge noch ab. "Der Aufstieg ist für die Zukunft des Vereins enorm wichtig und ein großer Schritt für die Fußballstadt Darmstadt", sagte SVD-Geschäftsführer Michael Weilguny. Der "Knackpunkt" der Saison war für den 34-Jährigen der 28. Spieltag, als die Lilien das Hessen-Derby gegen den damaligen Spitzenreiter aus Kassel nach einem 0:2-Rückstand noch 3:2 gewannen. "Das war unsere Initialzündung", erinnerte sich Weilguny.
Bei seinem Amtsantritt im Jahre 2008 hatte Weilguny von der aktuellen Entwicklung des Traditionsvereins nicht einmal zu träumen gewagt. Wegen finanzieller Schwierigkeiten stand der Verein aus Südhessen vor dem Aus. Der Vereinsvorstand stellte den Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Nicht zuletzt dank zahlreichen Aktionen und Spenden gelang es den treuen Fans des Traditionsvereins, das Insolvenzverfahren ein Jahr später abzuwenden. "Wir haben unseren Anhängern enorm viel zu verdanken. Wir standen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand", erinnerte sich Weilguny nur ungern zurück.
Auch als der jetzige Aufstiegstrainer Kosta Runjaic den SV Darmstadt 98 im März des vergangenen Jahres übernommen hatte, schwebten die Lilien in akuter Abstiegsgefahr. Doch der frühere Co-Trainer des Drittligisten VfR Aalen führte die 98er noch zum Klassenverbleib. Nach der Zitter-Saison 2009/2010 wurde ein Drei-Jahres-Plan vorgestellt. Innerhalb von drei Spielzeiten sollte der Verein in die 3. Liga aufsteigen, was den Lilien jedoch schon im ersten Jahr gelang.
Nach einer fulminanten Aufholjagd durften die Darmstädter nach dem 4:0-Heimsieg gegen den FC Memmingen am 34. Spieltag vor 17.000 Zuschauern im Stadion am Böllenfalltor ausgelassen jubeln. "Die Atmosphäre im Stadion hat gezeigt, dass der SV Darmstadt 98 immer noch ein großer Name ist. Alle im Verein und im Umfeld sind stolz auf die Leistungen in dieser Saison", freute sich Weilguny.
Großen Anteil am Aufstieg hat Trainer Runjaic, der auch den Posten des sportlichen Leiters bekleidet. "Seine Verpflichtung war ein absoluter Glücksgriff für den Verein. Kosta Runjaic hat es geschafft, mit eher geringen finanziellen Mitteln eine gute Mannschaft zusammenzustellen und aus jedem Spieler das Maximum heraus zu holen", lobte SV 98-Präsident Hans Kessler. Bereits im März verlängerte Darmstadt den auslaufenden Vertrag von Trainer Runjaic, von den Fans als "König der Lilien" gefeiert, unabhängig von der Liga bis 2012.
Nach dem Klassenverbleib 2010 hatte Runjaic zu Saisonbeginn eine neue Mannschaft geformt, aber auch an einigen Akteuren festgehalten. Offizielles Saisonziel war ein Platz im gesicherten Tabellen-Mittelfeld. "Spieler wie Oliver Heil oder Uwe Hesse haben sich im Laufe der Saison äußerst positiv entwickelt, gehören zu den Leistungsträgern", sagte Geschäftsführer Weilguny. Heil beendete die Spielzeit mit zwölf Treffern als bester Torschütze der 98er und wurde nicht zuletzt wegen seiner drei Treffer beim Saisonfinale gegen Memmingen (4:0) zum Aufstiegshelden. Erstmals seit dem Abstieg aus der ehemaligen Regionalliga Süd in der Saison 2006/2007 gehören die Lilien in der kommenden Saison wieder der dritthöchsten deutschen Spielklasse an.
Während die Spieler die erfolgreiche Saison auf der spanischen Insel Mallorca feierten, arbeiteten Trainer Runjaic und die Vereinsführung bereits intensiv am Kader für die neue Spielzeit. "Durch zusätzliche Einnahmen wird sich der Gesamtetat von 2,1 Millionen auf zirka 3,0 Millionen Euro erhöhen. Wir sind deshalb zuversichtlich, einen Großteil unseres erfolgreichen Kaders halten zu können", sagte Präsident Kessler.
Mit Andreas Gaebler (SV Wilhelmshaven), Julian Ratei (TSV 1860 München II), Preston Zimmerman (FSV Mainz 05 II), Matthias Heckenberger (1. FC Nürnberg II) und Torjäger Rudi Hübner (Wormatia Worms), der bereits von 2007 bis 2009 für Darmstadt am Ball war und in der abgelaufenen Saison 17 Treffer für Worms erzielt hatte, stehen bereits fünf Neuzugänge fest. "Das Aufgebot soll außerdem noch durch den einen oder anderen Spieler verstärkt werden, der schon Erfahrungen in der 3. Liga gesammelt hat", so Kessler. Immerhin müssen die Lilien auch die Abgänge der Stammspieler Sven Sökler (zum 1. FC Saarbrücken) und Boris Kolb verkraften. Haluk Türkeri (MSV Duisburg II) steht ebenfalls nicht mehr zur Verfügung.
Auch hinter den Kulissen arbeiten die Verantwortlichen intensiv an der Drittliga-Tauglichkeit. "Der Aufwand in der 3. Liga ist deutlich höher als in der Regionalliga", sagte Weilguny. So muss die Flutlichtanlage im altehrwürdigen Stadion am Böllenfalltor von 400 auf 800 Lux erhöht werden, im Gästebereich ist der Einbau von zusätzlichen Sitzplätzen wünschenswert. "Wir arbeiten auf Hochtouren, um die Rahmenbedingungen zu schaffen." In der 3. Liga rechnet Darmstadt mit einem Zuschauerschnitt von etwa 4.000 Besuchern.
Sportlich wollen die Hessen in der 3. Liga aber erst einmal "kleine Brötchen" backen. "Der Aufstieg ist eine vielleicht einmalige Chance für den Verein. Daher gilt es, im nächsten Jahr möglichst schnell den Klassenverbleib zu schaffen und sich in der 3. Liga etablieren. Danach gehen wir Schritt für Schritt. Die Zukunft des SV Darmstadt 98 muss im Profi-Fußball liegen", machte Weilguny klar.
Ab dem 20. Juni werden sich die Lilien auf die neue Herausforderung in der 3. Liga vorbereiten. Vorerst ohne einen neuen Drei-Jahres-Plan.
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Quelle: FUSSBALL.DE
Fans sollen über weiteres Vorgehen entscheiden.
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