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Schaaf: "Herausragende Pokalmomente"

22.03.2010, 12:56 Uhr

Werders Coach Thomas Schaaf kennt sich im DFB-Pokal bestens aus. (Foto: imago)Werders Coach Thomas Schaaf kennt sich im DFB-Pokal bestens aus. (Foto: imago)Erst das 4:4 in der Europa League gegen Valencia, dann das 3:2 in der Bundesliga gegen den VfL Bochum und nun das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Augsburg am Dienstag (ab 20.15 Uhr im FUSSBALL.DE Live-Ticker) – Thomas Schaaf ist in diesen Tagen ein vielbeschäftigter Mann. In diesem Interview verrät er, warum der Terminstress für ihn eine größere Herausforderung ist als für seine Spieler und welche Erinnerungen er an den DFB-Pokal hat.


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Herr Schaaf, im Rückblick auf das Spiel gegen Bochum, was überwiegt bei Ihnen: die Freude über Sieg oder die Enttäuschung über die Leistung in der ersten Halbzeit?

Thomas Schaaf: Ich betrachte immer die Gesamtsituation. Meine Mannschaft hat derzeit eine hohe Belastung, sie hat erst am Donnerstag eine sehr intensive Partie gegen Valencia bestritten und hatte bis zum Spiel gegen Bochum nur wenig Zeit zum Regenerieren.

Daher haben Sie ja auf sechs Positionen Änderungen vorgenommen und Spielern aus der zweiten Reihe eine Chance gegeben. Nicht alle haben diese genutzt. Enttäuscht Sie es persönlich, wenn Sie Chancen gewähren und diese nicht ergriffen werden?

Schaaf: Jeder Spieler in meinem Kader hat seine Berechtigung und muss sich immer wieder behaupten, auch im internen Konkurrenzkampf. Am Samstag war es so, dass einige Dinge nicht so funktionierten, wie ich mir das vorgestellt hatte. Insofern musste ich in der Pause reagieren. Zum Glück hat die Mannschaft in der zweiten Halbzeit gezeigt, dass sie sich steigern kann, und sie hat das Spiel letztlich verdient gewonnen.

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Nach dem 4:4 gegen Valencia haben alle von einem rauschenden Fußballfest geschwärmt. Wie geht es Ihnen: Scheiden Sie lieber nach einem 4:4 aus als nach einem 0:1?

Schaaf: Ich scheide gar nicht gerne aus. Ich möchte immer weiterkommen, möchte erfolgreich sein und jede Partie gewinnen. Wenn man ausscheidet, ist es erst mal wurscht, wie. Für die Zuschauer ist ein 4:4 natürlich unterhaltsam, aber es hilft nichts, wenn dieses Resultat nicht zum Weiterkommen reicht.

Am Dienstag geht es für Ihre Mannschaft im DFB-Pokalsemifinale gegen Augsburg. Für Sie persönlich ist es das 13. Halbfinale. Wie kaum ein anderer Fußballer in Deutschland haben Sie das Pokalgeschehen geprägt, den Wettbewerb als Spieler zweimal und als Trainer dreimal gewonnen. Welches sind die bleibenden Erinnerungen?

Schaaf: Das sind so viele. Wenn man wie ich als Spieler und Trainer gleich mehrfach im Finale dabei war, verbindet man mit diesem Wettbewerb natürlich eine ganze Menge. Ich habe viele herausragende Momente erlebt. Darunter auch traurige, beispielsweise in meinem ersten DFB-Pokalfinale, als wir beim 1:4 gegen Dortmund kaum eine Chance hatten. Erst im dritten Anlauf hat es dann geklappt, als wir 4:3 nach Elfmeterschießen gegen Köln gewonnen haben.

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Und als Trainer?

Schaaf: 1999 wird immer besonders sein. Ich hatte die Mannschaft erst wenige Wochen zuvor von Felix Magath übernommen, wir spielten in der Bundesliga gegen den Abstieg und waren im Finale gegen Bayern krasser Außenseiter. Ein einmaliges Erlebnis, wir schafften es ins Elfmeterschießen und hatten dann das Glück und Frank Rost auf unserer Seite. 2004 war ähnlich toll: Mit dem Pokal haben wir das Double perfekt gemacht und eine fantastische Saison gekrönt.

Mannschaften können Pokalmannschaften sein, Bremen zum Beispiel gilt als solche. Geht Vergleichbares auch bei einem Trainer, sind Sie ein Pokaltrainer?

Schaaf: Das weiß ich nicht, darüber habe ich mir auch noch nie Gedanken gemacht.

Aber nicht zuletzt Sie haben Werder zu einer Pokalmannschaft gemacht.

Schaaf: Es ist eben so, dass wir auch schon vor Jahren, als der DFB-Pokal vielleicht noch nicht so eine Wichtigkeit hatte und - auch medial - noch nicht so ernst genommen wurde, erkannt haben, welches Potenzial dieser Wettbewerb hat. Wir haben schon immer gesagt, dass der Pokal etwas Besonderes ist, ein ganz toller Wettbewerb, um den es zu kämpfen lohnt.

Andere Vereine haben das nicht erkannt?

Schaaf: Wenn man sich die Ergebnisse von früher anschaut, ist das zumindest zu vermuten. Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, das ist schon klar. Aber mit der richtigen Einstellung würden diese seltener greifen. Dann würden die kleinen Vereine seltener Überraschungen gegen die Großen schaffen. Bei uns in Bremen hat bestimmt auch geholfen, dass nicht nur ich, sondern auch Klaus Allofs eine erfolgreiche Pokalvergangenheit als Spieler hatte. Das hilft natürlich zu verdeutlichen, wie toll es ist, ein Endspiel zu erreichen und die Begeisterung für den Pokal weiterzugeben. Auch wenn die Spieler in diesen Tagen natürlich einer sehr intensiven Belastung ausgesetzt sind. Nach der Europa League stand für uns die Bundesliga an, und jetzt haben wir schon den Pokal vor der Brust - drei Spiele in fünf Tagen sind außergewöhnlich.

Ihr Spieler Marko Marin hat kürzlich gesagt, dass ihm die Belastung mit den vielen Spielen nicht stört, im Gegenteil - Fußballer spielen lieber, als zu trainieren. Geht es Ihnen nicht ähnlich?

Schaaf: Nein, für mich stellt sich die Aufgabe ja auch komplett anders dar. Die Spieler müssen für 90 Minute ihre Leistung bringen, aber sie haben viel weniger mit dem Drumherum, der Vorbereitung und der Planung zu tun. Als Trainer hat man in Englischen Wochen ein großes Pensum, aber nur wenige Möglichkeiten in der Trainingsgestaltung. Man muss das Training anpassen, muss sich überlegen, wo man Schwerpunkte setzen kann.

Ihre Mannschaft hat in den vergangenen zwei Spielen sechs Gegentore kassiert. Lässt sich im Training überhaupt gezielt arbeiten, wenn man - wie Werder aktuell - alle drei Tage ein Spiel zu absolvieren hat?

Schaaf: Ja, sicher kann man das. Natürlich nicht in dem Sinne, das man grundlegende Dinge verändert oder ganz neue Abläufe einstudiert. Aber man kann Gespräche führen, die Dinge verbal vorantreiben, Fehler aufzeigen und Lösungen anbieten.

Also sind Sie derzeit mehr als Psychologe und Theorievermittler gefragt?

Schaaf: Man darf es damit aber auch nicht übertreiben. Die Spieler sind körperlich beansprucht, aber nicht nur. Die vielen Spiele in so kurzem Zeitraum stellen auch mental eine Belastung dar. Die geistige Arbeit, die ich in solchen Phasen von meinen Spielern fordere, muss auch realisierbar sein. Wenn ein Spieler müde ist, ist er eben auch im Kopf müde. Es kann deswegen mitunter auch das richtige Mittel sein, einen Spieler komplett in Ruhe zu lassen.

Auf die Stärken von Augsburg werden Sie Ihre Mannschaft dennoch aufmerksam machen?

Schaaf: Klar.

Wie schätzen Sie die Mannschaft von Trainer Jos Luhukay denn ein?

Schaaf: Sie spielen bisher eine überragende Saison, haben schon 54 Tore erzielt. In Augsburg wurde eine interessante Mannschaft zusammengestellt, Spieler wie Rafael, Ndjeng und Traore harmonieren, wie das gesamte Team, sehr gut. Und über Michael Thurk muss man nicht reden.

Mit 21 Toren hat er Augsburg fast im Alleingang auf Platz zwei der 2. Bundesliga geschossen.

Schaaf: Eben nicht. Thurk hat gezeigt, wie wertvoll er ist - und dass er die jungen Spieler führen kann. Aber der Erfolg von Augsburg ist keine One-Man-Show. Hier wurde mit hoher Kompetenz ein funktionierendes Team zusammengestellt.

Im Pokal hat Ihre Mannschaft noch alle Chancen. Wie es ist denn um Werders Ambitionen in der Bundesliga bestellt: Schielen Sie noch nach oben und in Richtung Champions League?

Schaaf: So weit denke ich gar nicht. Wir wissen, dass wir noch entscheidende und interessante Spiele vor uns haben. Wir werden uns auf jede Partie vorbereiten, ganz individuell, ganz konzentriert, und wir werden versuchen, möglichst jedes Spiel erfolgreich zu bestreiten. Jetzt haben wir das Pokalspiel, am Samstag Nürnberg und dann werden wir weitersehen. Wir treffen noch auf Dortmund, Hamburg und Schalke - es ist noch vieles möglich. Und dann werden wir sehen, was nach 34 Spieltagen für uns herausgekommen ist.

 

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