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Valencia kämpft ums Überleben

19.11.2012, 22:13 Uhr | FUSSBALL.DE

Andres Guardado im Duell mit Bayerns Martinez. (Quelle: imago)

Andres Guardado im Duell mit Bayerns Martinez. (Quelle: imago)

Kolumne von Jonny Giovanni

Das ist ja wieder typisch: Da steht Valencia vor seiner bislang größten Partie der Saison, und die Zeitungen schreiben trotzdem erstmal von Madrid und Barcelona, danach von Madrid und Barcelona und schließlich noch von Madrid und Barcelona. Nein, es ist wahrlich nicht einfach, die Nummer Drei im spanischen Fußball zu sein.

In keiner Liga der Welt ist der Abgrund zwischen der Elite und dem Rest so tief wie in der Primera División. Sportlich, kommerziell, medial. 25, 21, zuletzt sogar 30 Punkte betrug der tabellarische Höflichkeitsabstand, den Valencia in den vergangenen drei Saisons zu den beiden Schwergewichten einhielt – dennoch reichte es jeweils zu Rang drei im Abschlussklassement. Diesen Platz belegt der Klub auch in der Umsatzrangliste der spanischen Vereine – gleichwohl kam er zuletzt mit 116 Millionen Euro gerade mal auf rund ein Viertel der Finanzbewegung der beiden Giganten. Und so interessiert eben auch ein Spiel gegen das große Bayern München nicht halb so viel wie der ebenfalls dienstägliche Auftritt von Barça bei Spartak Moskau.

Valencia ist "Best of the Rest"

Natürlich hat Valencia mal versucht, an diesen Verhältnissen etwas zu ändern. Zwischenzeitlich hatte es dabei sogar beachtlichen Erfolg. Zwischen 2000 und 2004 gewann der Verein zwei Meisterschaften, einmal den UEFA-Cup und erreichte zweimal das Champions-League-Finale. Doch das Anspruchsdenken erzeugte letztlich viel Druck und vor allem: hohe Ausgaben. Als der Erfolg ausblieb, wurden Kosten und Gehälter dadurch nicht kleiner, die Schulden ebenso wenig, und seit die spanische Immobilienkrise auch noch den geplanten Umzug in ein neues Stadion durchkreuzte, kämpft der Klub nun Jahr für Jahr ums Überleben.

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Er machte das bislang erstaunlich gut. Trotz der Verkäufe von Stars wie David Villa, David Silva, Juan Mata oder zuletzt Jordi Alba behaupteten die Valencianos ihre Position als "Best of the Rest". Weil sich in Vereinsführung und auf den Tribünen aber noch nicht alle neu orientiert haben, schimmert immer noch mal der alte Größenwahn durch – in Gestalt erheblicher Realitätsverkennung. So wurde der Architekt der dritten Plätze, Trainer Unai Emery, durch permanente Kritik vergrault und Ende voriger Saison mit einem kühlen Adiós verabschiedet. Er trainiert jetzt in Russland beim Barça-Gegner.

Pellegrino hat DNA des Klubs im Blut

Statt seiner ist inzwischen Mauricio Pellegrino an der Seitenlinie zu Gange. Es ist das erste Cheftrainer-Engagement des Argentiniers, der allerdings zwei wichtige Vorzüge mit ins Amt brachte. Er war billig und er hat ein gutes Standing bei der ewig maulenden Anhängerschaft. Immerhin verteidigte Pellegrino während der seligen Zeiten Anfang des Jahrtausends für Valencia und folgte danach dem damaligen Trainerheros Rafael Benítez nach Liverpool, wo er für ihn später auch als Assistent arbeitete. Pellegrino trägt also, wie es so schön heißt, die DNA des Klubs in seinem Blut.

In der bittersüßesten Stunde des Vereins war er sogar der Hauptdarsteller. Mai 2001, Valencia hatte, noch unter Trainer Héctor Cúper, zum zweiten Mal in Folge das Champions-League-Finale erreicht. Nachdem sich die historische Bühne im Jahr zuvor noch als eine Nummer zu groß erwiesen hatte – 0:3 gegen Real Madrid –, sah es diesmal gar nicht schlecht aus für die defensiv eingestellten Valencianos. Ein zähes Endspiel ging in die Verlängerung, schließlich ins Elfmeterschießen, wo die Dinge ebenfalls lange Pari standen. Als siebter Schütze für Valencia lief Pellegrino an. Er musste treffen, um sein Team im Spiel zu halten. Doch sein halbhoch nach links geschossener Schuss erwies sich als untauglich, weil der Torwart sich nicht hatte verladen lassen. Der Torwart, na klar, hieß Oliver Kahn. Und der Sieger dadurch FC Bayern München.

"Das war mir die größte Lehre meines Lebens"

Schon als sich beide Teams beim Gruppenhinspiel im September erstmals wieder trafen, wurde Pellegrino also auch mit seinen Dämonen konfrontiert. Ja, die Erinnerung an die tiefe Enttäuschung komme schon wieder hoch, sagte er damals, und dass er sich noch Jahre später vorwarf, nicht ausreichend Elfmeterschießen geübt zu haben: "Das war mir die größte Lehre meines Lebens. Man darf nie etwas unterschätzen."

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Ob Valencia dem silbernen Henkeltopf jemals wieder so nah sein wird? Schwierig, bei rund 350 Millionen Euro Schulden. Die aktuelle Mannschaft ist ein ordentlich begabtes, aber selten außergewöhnliches Ensemble, angeführt vom treffsicheren Kapitän und Mittelstürmer Roberto Soldado, einem geborenen Valencianer. Die zweite Galionsfigur heißt David Albelda, debütierte bereits 1998 für Valencia und stellte just am Wochenende mit dem 178. Ligasieg im Trikot der Schwarz-Weißen einen neuen Klubrekord. Auch der defensive Mittelfeldmann war 2001 gegen die Bayern dabei – er spielte ab Beginn der zweiten Halbzeit, schoss allerdings keinen Elfmeter.

Schlagzeilen für eine Nacht

Und Pellegrino? Bislang läuft es eher so lala, in der Liga wurde erst ein Spiel mehr gewonnen als verloren, und mit Platz drei dürfte es diese Saison allein schon deshalb nichts werden, weil das aktuell zweitplatzierte Atlético Madrid überraschend penetrant das Niveau von Barça und Real hält. In der Champions League allerdings hat Valencia nach dem blassen 1:2 zu Beginn in München mit drei klaren Siegen überzeugt. Sollte es jetzt zuhause noch mit der Revanche für 2001 klappen, könnte die ewige Nummer Drei mal wieder richtig Schlagzeilen machen. Wenn auch nur für eine Nacht.

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Quelle: FUSSBALL.DE

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