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Was bitte reimt sich auf Henstedt-Ulzburg?

10.04.2013, 18:01 Uhr | FUSSBALL.DE

Peter Plogmann (li.) und Christian Wiesing produzieren Vereinshymnen für Amateurklubs.

Peter Plogmann (li.) und Christian Wiesing produzieren Vereinshymnen für Amateurklubs.

Das Interview führte Jan Vogel

"Wir träumen jede Nacht von Dir, du, unser schöner Verein" - ob Henstedt-Ulzburg oder Buntekuh Lübeck: "Wir fahren meilenweit für dich, jeder will nur bei dir sein!" Fußballsongs bilden ein eigenes musikalisches Genre und sie sind allgegenwärtig. Warum ist das so? Und was macht einen guten Fußballsong aus? FUSSBALL.DE hat den Musiker Peter Plogmann gefragt. Zusammen mit seinem Kollegen Christian Wiesing komponiert und textet er Vereinshymnen - nicht für die großen Player der Fußballszene, sondern für Amateurvereine von der Kreisklasse bis zur Oberliga.

FUSSBALL.DE: Herr Plogmann, hat Ihnen schon mal ein Vereinsname richtig Kopfzerbrechen bereitet?
Im Laufe der Zeit entwickelt man ein Gespür dafür, welche Wörter man einsetzen kann und wie man etwas reimt. Aber gerade die Spielvereinigungs-Vereine mit langen Namen machen schon Schwierigkeiten, zum Beispiel bei SC Eintracht Miersdorf-Zeuthen, SG Stetten/Kleingartach oder SG Ulmet/Niederalben.

Wie lösen Sie das Problem?
In Absprache mit dem Verein verwenden wir dann immer das gebräuchliche Kürzel. Zungenbrechern gehen wir bei der Komposition natürlich aus dem Weg - es soll sich ja rund und schön anhören. Deswegen gibt es eigentlich keine Textpassagen, die schwierig im Reim klingen oder sich dann eigenartig anhören.

Wirklich nicht?
Nun ja, bei ganz besonderen Textwünschen, die wirklich nicht zu texten sind, haben wir einen Trick. Wir komponieren dann in die Hymne eine Art "Livepart" ein. Die Musik geht ein wenig zurück, Stadionjubel kommt auf und der Text wird in Stadionatmosphäre gesprochen - das kommt immer gut.

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Sie haben früher in einer Hobbyband gespielt, hatten einen Vertrag bei einem Musikverlag. Waren Sie nebenbei auch aktiver Fußballspieler?
Wir sind selbst Fußballer gewesen bei unserem Heimatverein, der TuS Nahne aus Osnabrück. Als man dann erfuhr, dass wir aktive Musiker sind, wurden wir gefragt: "Mensch, schreibt für uns doch mal eine eigene Hymne!" Das war anlässlich des Vereins-Jubiläums. Tja - und die ist eingeschlagen wie eine Rakete. Die Leute waren begeistert. Schließlich bekamen das auch die Nachbarvereine mit und wir hatten immer mehr Anfragen. Seitdem machen wir nichts anderes mehr.

Die Vereine müssen sich mit ihrer Hymne identifizieren. Was gehört zu einem eigenen Fußballsong dazu?
Textlich und gesanglich sind wir ganz frei, aber wir bekommen einige Stichpunkte und Eckdaten von den Vereinen. Da braucht man natürlich immer die Vereinsfarben, der Spielort, das Gründungsdatum, die Erzrivalen, wichtige Persönlichkeiten – das sind die Stichpunkte, die fast immer rein müssen und sollen. Klar, "ewige Treue haben wir dir geschworen" oder "seit 120 Jahren eine Macht"- solche Sachen ziehen immer.

Und jeder Klub bekommt seine eigene Melodie?
Komplette Eigenkompositionen hinsichtlich der Melodie gibt es auch, aber das ist preislich natürlich höher angesiedelt. Für das Basisprodukt greifen wir auf einen Pool von gut 60 Melodien zurück. Wir achten darauf, dass es im weiteren Umkreis auch individuell bleibt. Wir und die Vereine wollen schließlich nicht, dass der Nachbarverein plötzlich mit der gleichen Hymne aufläuft.

Was ist Ihr persönlicher Lieblings-Fußballsong?
Ich bin kein Bayern-Fan, aber "Stern des Südens" ist eine sehr gute Hymne. Borussia Dortmund hat unzählige gute Hymnen, da kenne ich schon mittlerweile nicht mehr alle. Ich bin aber gebürtiger Osnabrücker, und habe schon früher aus voller Kehle "Wir sind alle ein Stück VfL Osnabrück" gesungen. Das ist wirklich ein Super-Ding!

Woran liegt es, dass Sie mit diesem Projekt so erfolgreich sind?
Diese Idee hätte auch vor 20 oder 30 Jahren genauso funktioniert. Natürlich hat aber die Digitalisierung auch die Komposition eines solchen Liedes vereinfacht. Wir merken deshalb auch oft, dass Vereine bereits eine Hymne haben. Die wurde dann zum Beispiel von einem Aktiven aus der 1., 2. oder 3. oder sogar der Jugend-Mannschaft produziert, der zuhause ein bisschen Hiphop macht und auf dem Computer ein Programm hat, mit dem er relativ einfach eine Hymne gebastelt hat. Klar, wenn das aus der eigenen Feder kommt, ist das schön. Aber wenn die Vereine dann unsere Hymne hören, ist das schon etwas anderes.

Dazu kommt die Kommerzialisierung und Medialisierung des Fußballs in den letzten 20 Jahren.
Allerdings. Ich denke, die Entwicklung hängt auch mit dem Boom der Bundesliga zusammen. Dort hat jedes Team eine Hymne, die Leute rennen in die Stadien und singen dort mit. Deshalb wollen auch Amateurklubs eine eigene Hymne haben. Selbst die kleinen Vereine sind mittlerweile sehr darauf bedacht, sich online gut zu positionieren.

Inwiefern?
Als wir anfingen, hatte über die Hälfte der Vereine keine Website. Das hat sich grundlegend geändert. Die Amateurklubs werden moderner. Sie haben eigene Fanshops mit Wimpeln, Mützen, Uhren und Schals - und da kommt dann auch die Hymne dazu. Es geht es auch um eine Schärfung des Markenprofils.

Profi-Vereine sind ja eher nicht Ihr Markt. Und was wäre, wenn Sie eine Anfrage von "Ihrem" VfL Osnabrück bekämen?
(lacht) Nein, das würden wir schon machen. Genauer gesagt: Das würden wir sogar umsonst machen.



Peter Plogmann hat eine kaufmännische Ausbildung, sein Kompagnon Christian Wiesing ist Diplom-Toningenieur. Beide spielten früher in einer semiprofessionellen Hobbyband. www.vereinshymnen.de ist mittlerweile ihr Haupttagesgeschäft, nebenbei machen sie Musik für die Werbung und vertonen Kinderhörbücher.

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)