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Promi-Zugang |08.09.2021|16:20

Ex-Profi Bastians bei RWE: Mission Aufstieg

Felix Bastians bei RWE: "Die Aufgabe reizt mich und ich kann mich damit voll identifizieren."[Foto: Rot-Weiss Essen/Collage FUSSBALL.DE]

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Der Traditionsverein Rot-Weiss Essen hat mit Felix Bastians einen prominenten Zugang für die laufenden Saison in der Regionalliga West unter Vertrag genommen. Der 33 Jahre alte Abwehrspieler war Kapitän beim VfL Bochum, spielte auch schon in England, der Schweiz, China und Belgien. Im Interview spricht Bastians über Fußball im Ruhrgebiet, Auslandserfahrungen und persönliche Ziele.

FUSSBALL.DE: Wie gespannt sind Sie auf Ihre Premiere im RWE-Trikot am Freitag gegen den VfB Homberg, Herr Bastians?

Felix Bastians: Ich habe bereits ein Testspiel für RWE im Stadion absolviert und als Zuschauer die Stimmung an der Hafenstraße miterleben dürfen. Ich freue mich darauf, diese Kulisse jetzt auch als Spieler zu genießen.

Macht es aus Ihrer Sicht einen großen Unterschied, sich auf ein Bundesliga- oder ein Regionalligaspiel vorzubereiten?

"Wenn Rot-Weiss Essen mit seiner gesamten Wucht von etwas anderem reden würde als dem Aufstieg, wäre es wenig glaubhaft"

Bastians: Dazu kann ich bislang wenig sagen. Da fehlen mir noch die Erfahrungen. Aber was die Rahmenbedingungen und die Zuschauerzahlen angeht, so befinden wir uns bei Rot-Weiss Essen bereits in Bundesliga-ähnlichen Regionen.

Sie wurden unter anderem auch beim Drittligisten MSV Duisburg als möglicher Zugang gehandelt. Warum haben Sie sich dennoch für Rot-Weiss Essen entschieden?

Bastians: Ich lebe mit meiner Familie und Kindern in meiner Geburtsstadt Bochum und hatte immer schon damit geliebäugelt, diesen Schritt zu gehen. Die neue Aufgabe ist nicht nur für mich als Sportler, sondern auch für die Familie perfekt. Der Verein Rot-Weiss Essen will aus der Regionalliga herauskommen und ich will dabei helfen, diese ambitionierten Ziele zu verwirklichen. Die Aufgabe reizt mich und ich kann mich damit voll identifizieren.

Was macht den Fußball im Ruhrgebiet für Sie aus?

Bastians: Nirgendwo wird der Fußball so geliebt und gelebt wie hier bei uns im "Pott". Ich habe während meiner Karriere schon in vielen Ländern gespielt. Wenn die Leute sehen, dass du auf dem Platz alles raushaust, wirst du überall akzeptiert. Im Ruhrgebiet gilt das aber noch ein bisschen mehr. Ich habe es bei meinem Heimatverein VfL Bochum erlebt, welche Kraft man freisetzen kann, wenn man sich mit dem Verein, den Fans und der gesamten Region identifiziert.

Sie waren schon für die SG Wattenscheid 09, Borussia Dortmund und dreimal für den VfL Bochum am Ball. Hat in dieser Liste RWE irgendwie noch gefehlt?

Bastians: Sozusagen. (lacht) Für Wattenscheid 09 und Borussia Dortmund war ich in der Jugend, für den VfL im Nachwuchs und später im Profibereich aktiv. Was das Letztere betrifft, bin ich sehr zuversichtlich, dass es auch mit RWE klappen kann.

Kamen Ihnen die klar formulierten und hochgesteckten Ziele an der Hafenstraße bei Ihrer Unterschrift entgegen?

Bastians: Jeder Sportler sollte so ehrgeizig wie möglich sein. Wenn Rot-Weiss Essen mit seiner gesamten Wucht von etwas anderem reden würde als dem Aufstieg, wäre es wenig glaubhaft. Deshalb sind die Ziele nur logisch und auch nachvollziehbar. Wir gehen aber mit Respekt und Demut gegenüber den anderen Gegnern an diese Aufgabe heran.

In Deutschland haben Sie während Ihrer Laufbahn insgesamt 208 Erst- und Zweitligaspiele für den SC Freiburg, Hertha BSC und den VfL Bochum absolviert. Wie wollen Sie sich einbringen, damit für RWE und Sie eine Win-Win-Situation entsteht?

Bastians: Alles entscheidend wird sein, dass ich meine bestmögliche Leistung auf den Platz bringe. Darauf kommt es an. Natürlich bin ich für die jungen Spieler auch als Ansprechpartner für Gespräche offen. Letztendlich möchte ich aber erst einmal durch Leistung überzeugen. Wenn man neu irgendwo hinkommt, muss man sich immer erst beweisen. Ich habe den persönlichen Ehrgeiz, mich bei RWE ins Team zu arbeiten und der Mannschaft auf dem Platz zu helfen.

Nach Ihrer Zeit als Kapitän beim VfL Bochum sind Sie zunächst für zwei Jahre nach China gewechselt, danach waren Sie in Belgien für Waasland-Beveren am Ball. Was war Ihre Motivation, um diesen Weg zu gehen?

Bastians: Ganz nüchtern betrachtet: Der chinesische Verein Tianjin Jinmen Tiger konnte die Ablöseforderung des VfL Bochum damals stemmen. Der Wechsel war für mich auch finanziell lukrativ. Das Gesamtpaket hatte gestimmt. Jede Auslandserfahrung bringt einen Spieler nicht nur beruflich, sondern auch persönlich in der Entwicklung einen Schritt nach vorne. Es war eine große Umstellung nicht nur für mich, sondern auch für die gesamte Familie. Ich bin jetzt auch froh, endlich wieder zu Hause angekommen zu sein.

War das Engagement in China für Sie so etwas wie ein Kulturschock?

Bastians: Es ist vieles anders. Wenn man in ein fremdes Land kommt, dann sollte man probieren, sich anzupassen. Man muss auf die Leute zugehen und offen für Neues sein.

Bereits in jungen Jahren zog es Sie nach England, wo Sie erst im Nachwuchsbereich von Nottingham Forest und später für verschiedene Vereine gespielt haben. Wo liegen die wesentlichen Unterschiede bei der Ausbildung junger Talente, die an den Profibereich herangeführt werden sollen?

Bastians: 2004 bin ich als damals 16-Jähriger nach England gegangen. Die Erfahrungen, die ich dort gesammelt hatte, sind längst überholt. Damals waren die Engländer deutlich weiter. Während ich bei Borussia Dortmund noch auf Asche trainiert hatte, standen uns in England sechs oder sieben Rasenplätze für die Jugend zur Verfügung. Mittlerweile haben wir in Deutschland durch die Nachwuchsleistungszentren aufgeholt, teilweise sogar überholt. Es waren auf jeden Fall sehr lehrreiche Jahre, die mich geprägt haben.

Als weitere Station kam noch die Schweiz hinzu. Was waren Ihre wichtigsten Erfahrungen im Ausland?

Bastians: Wenn man in jungen Jahren das gewohnte Umfeld verlässt und auf sich allein gestellt ist, dann lernt man schnell. So wie es gelaufen ist, hat es mir nicht geschadet. (lacht)

Sie haben von der U 18 bis zur U 21 sämtliche DFB-Teams durchlaufen. Was hat vielleicht gefehlt, um es auch zum A-Nationalspieler zu bringen?

Bastians: Leider hat sich dieser Traum für mich nicht erfüllt, obwohl ich Stammspieler in der U 21-Nationalmannschaft war. Mein damaliger Konkurrent war Marcel Schmelzer, der eine sehr gute Serie mit Borussia Dortmund gespielt und für den man sich letztlich auch in der A-Nationalmannschaft entschieden hatte. Diese Entscheidung habe ich respektiert und das Beste daraus gemacht. Das ist für mich aber heute kein Thema mehr.

Mit Ihren 33 Jahren sind Sie nicht der einzige routinierte Ex-Profi im RWE-Kader. Wir wertvoll könnte Erfahrung im Aufstiegsrennen werden?

Bastians: Ich würde mich freuen, wenn ich helfen kann. In der vergangenen Saison hatte RWE mit 90 Punkten eine sensationelle Runde gespielt. Es wird immer Phasen im Fußball geben, in denen es nicht ideal läuft. In solchen Fällen tut Erfahrung einer Mannschaft sicherlich gut.

Wie sehr haben Sie sich schon mit der Liga auseinandergesetzt? Welche Vereine sind die größten Konkurrenten?

Bastians: Wenn man aus Bochum kommt, ist die Regionalliga West immer ein Thema. Ich sehe den SC Preußen Münster , den Wuppertaler SV und Fortuna Köln als ärgste Konkurrenten, die ihre Ambitionen formuliert haben und sich in der Rolle des Verfolgers ganz wohl fühlen.

Sie haben zunächst für ein Jahr bei Rot-Weiss Essen unterschrieben, allerdings mit der Option auf eine weitere Spielzeit. Wie sehr haben Sie sich bereits mit der Zeit nach der Fußballerkarriere beschäftigt und wo sehen Sie sich in den nächsten fünf Jahren?

Bastians: Meine volle Konzentration liegt auf Rot-Weiss Essen. Ich habe klare Vorstellungen, wie es nach meiner Karriere weitergeht, aber das behalte ich noch für mich. Zuerst gilt es, die anspruchsvolle Aufgabe bei RWE anzugehen.

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