Der SV Hemelingen, aktueller Meister der Bremen-Liga und Verbandspokalsieger in der Hansestadt, trifft am Samstag, 16. August (ab 15.30 Uhr, live bei Sky), im ersten DFB-Pokal-Spiel der Vereinsgeschichte auf den Bundesligisten VfL Wolfsburg. Auch für Linksverteidiger Salem Nouwame (22) wird dann ein Traum wahr, denn die Partie findet im großen Bremer Weserstadion statt.
"Als kleiner Junge habe ich mir immer gewünscht, eines Tages dort aufzulaufen", sagt Nouwame, der im Bremer Stadtteil Hemelingen geboren wurde, im Gespräch mit FUSSBALL.DE. Als er nach seinen fußballerischen Anfängen beim SV Hemelingen und beim benachbarten ATSV Sebaldsbrück von der U 15 bis zur U 17 selbst das Werder-Trikot trug, wurde das Ziel realer.
Danach trennten sich jedoch die Wege. Über die Stationen bei der U 19 des 1. FC Magdeburg und bei Eintracht Braunschweig II kehrte Nouwame jeweils zu seinem Heimatverein nach Hemelingen zurück - und träumt jetzt von einer Pokalsensation.
Rasenplatz in Verden vier Meter zu kurz
Dass Salem Nouwame und seine Teamkollegen überhaupt die Chance haben, die "Wölfe" im großen Stadion am berühmten Bremer Osterdeich zu empfangen, war noch vor wenigen Wochen nicht absehbar. Dass die eigene Spielstätte in Hemelingen die Anforderungen für einen Auftritt im DFB-Pokal nicht erfüllen kann, war schnell klar. Zunächst hatten sich die Verantwortlichen jedoch für einen Umzug in das Stadion am Berliner Ring in Verden an der Aller entschieden.
Kurios: Bei der Abnahme durch eine Stadionkommission des DFB wurde festgestellt, dass der Rasenplatz in Verden nur 96 Meter lang ist und damit das Mindestmaß für ein Pflichtspiel im DFB-Pokal (100 Meter) nicht erreicht. Überlegungen, den Platz durch Rollrasen zu verlängern, wurde schließlich verworfen. "Um die Vorgaben erfüllen zu können, wären beim Stadion in Verden umfangreiche bauliche und organisatorische Maßnahmen erforderlich gewesen, was in der Kürze der Zeit ein zu großes Risiko dargestellt hätte", hieß es in einer Mitteilung des SV Hemelingen.
"Wir sind sehr dankbar und freuen uns alle riesig auf das Pokalspiel. Wir werden alles geben, um uns bestmöglich zu präsentieren"
Dass schließlich Gespräche mit der Bremer Weser-Stadion GmbH und dem SV Werder zu der Lösung führten, in der Spielstätte des Bundesligisten antreten zu dürfen, stieß bei den SVH-Kickern auf große Gegenliebe. "Wir sind sehr dankbar und freuen uns alle riesig auf das Pokalspiel. Wir werden alles geben, um uns bestmöglich zu präsentieren", kündigt Salem Nouwame an.
Traum vom Profifußball nicht abgehakt
Mit seiner eigenen Zeit beim SV Werder verbindet er "viele schöne Erinnerungen", auch wenn es letztlich nicht zum Sprung in den Lizenzkader gereicht hat. Einige seiner damaligen Teamkollegen mischen dagegen auf höchster Ebene mit, allen voran Nationalspieler Nick Woltemade vom DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart, aber auch der aktuelle Werder-Profi Keke Topp sowie Eren Dinkci (SC Freiburg), der ebenfalls aus Hemelingen stammt, oder Davis Asante vom SSV Jahn Regensburg.
"Natürlich verfolge ich den Weg der Jungs und drücken ihnen die Daumen, dass es so weitergeht", betont Nouwame, der beruflich in Teilzeit bei einer Autovermietung arbeitet, den Traum vom Profifußball aber auch selbst noch nicht abgehakt hat. "Mit 22 Jahren bin ich in einem Alter, in dem noch viel möglich ist, wenn ich weiter an mir arbeite", sagt er. "Mein Ziel ist es, mit dem SV Hemelingen so erfolgreich wie möglich zu sein, im besten Fall in die Regionalliga Nord aufzusteigen und erneut den Landespokal zu gewinnen. Gute Leistungen sind die beste Empfehlung." Zum Beispiel oder gerade auch im DFB-Pokal.
"Für Überraschungsmomente sorgen"
Nouwame weiß, dass das Team des Brüdergespanns mit Feyhat und Günter Tuncel als "krasser Außenseiter" in das Duell mit dem VfL Wolfsburg geht. Dennoch stellt er klar: "Wir gehen ganz sicher nicht in die Partie, um möglichst knapp zu verlieren. Bei allem Respekt vor einem Erstligisten muss es unser Anspruch sein, das Spiel gewinnen und in die nächste Runde einziehen zu wollen."
Sein Rezept: "Wenn wir eine Chance haben wollen, dann müssen wir mutig sein und an uns glauben. Wenn dann der VfL nicht seinen besten Tag erwischt, dann können wir vielleicht für einige Überraschungsmomente sorgen."
Autor/-in: Ralf Debat/MSPW