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Magazin | 13.06.2026 | 08:00

Leipzig-Trainer Jonas Stephan: Zwei-gegen-Eins bei Pfeil Broistedt

"Ein intensives Programm über insgesamt 75 Minuten": RB-Trainer Jonas Stephan bei Pfeil Broistedt.[Foto: privat]

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Auf der Anlage des FC Pfeil Broistedt ist richtig viel los, als der Verein aus Lengede in Niedersachsen am 30. Mai zum Tag des Mädchenfußballs einlädt. Bei sommerlich-warmen Temperaturen dürfen erst die Jüngsten im Alter von sechs bis 16 Jahren ihr Geschick bei einer Fußball-Olympiade zeigen. Danach sind die Oberliga-Frauen aus Broistedt bei einer besonderen Demo gefragt - und zwar unter Anleitung eines Bundesliga-Trainers.

Jonas Stephan ist mal wieder in der Heimat. Der Chefcoach der Bundesliga-Frauen von RB Leipzig kommt aus Oberg bei Peine, hat in der Jugend beim TSV Fortuna Oberg und beim VfB Peine gespielt, weitere Stationen waren dann der VfV 06 Hildesheim und der TSV Hohenhameln. Schon als A-Junior begann er seine Trainerlaufbahn, zunächst in der Jugend des VfB Peine und später unter anderem bei Eintracht Braunschweig.

Der Lebensmittelpunkt des jungen Familienvaters ist nach wie vor Peine, von seiner Arbeitsstelle in Sachsen pendelt er regelmäßig nach Hause. Auf dem Sportplatz in Broistedt zeigt er nun den Kickerinnen des FC Pfeil, wie sie im Spiel Zwei-gegen-Eins die möglichst besten Entscheidungen treffen. Was der 34-Jährige anschließend rund 40 Trainerinnen und Trainern aus dem NFV-Kreis Peine und darüber hinaus im Rahmen einer C-Lizenz-Fortbildung mit auf den Weg geben konnte und wie er auf dem Zettel bei RB Leipzig landete, verrät er im FUSSBALL.DE-Interview.

"Es war ein intensives Programm über insgesamt 75 Minuten mit mehreren Spielformen - das haben die Spielerinnen richtig gut umgesetzt"

FUSSBALL.DE: Herr Stephan, wie kam es zu Ihrem Engagement beim Tag des Mädchenfußballs in Broistedt?

Jonas Stephan: Mein Vater hat mich angesprochen, ob ich für diese Fortbildungsveranstaltung, eine Kombination aus Theorie und Praxis, zur Verfügung stehen würde. Er ist im Jugendausschuss des Fußballkreises Peine tätig und war einer der Mitorganisatoren beim Tag des Mädchenfußballs in Broistedt. Und da ich eh mindestens einmal die Woche in der Heimat bin und jetzt Pause in Leipzig ist, hat sich das angeboten. Ich habe das sehr gerne gemacht und habe bei der Gelegenheit auch einige Mitspieler von früher getroffen, die jetzt Trainer im Bereich Mädchen- und Frauenfußball sind.

Was haben Sie den Kumpels von früher beibringen können?

Stephan: Ich habe einen Einblick in meine Arbeitsweise bei RB Leipzig gegeben und vorgestellt, wie wir dort den Frauen- und Mädchenfußball weiterentwickeln möchten. Dazu gehört zum Beispiel, attraktiven Fußball anzubieten und Mut auf dem Platz zu zeigen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Spiel Zwei-gegen-Eins, für mich eine der wichtigsten Situationen auf dem Platz. Es geht darum, dabei die richtigen Entscheidungen zu treffen: dribble ich, schieße ich aufs Tor oder wie bringe ich meine Mitspielerin in eine gute Position?

Wie haben die Oberliga-Kickerinnen des FC Pfeil Broistedt Ihre Anweisungen auf dem Feld umgesetzt?

Stephan: Sehr gut! Sie waren super engagiert, obwohl es an dem Tag heiß war. Es war ein intensives Programm über insgesamt 75 Minuten mit mehreren Spielformen, bei denen ebenfalls das Spiel Zwei-gegen-Eins im Vordergrund stand. Das haben die Spielerinnen richtig gut umgesetzt, es hat Spaß gemacht.

Und, dürfen Sie wiederkommen?

Stephan: Das haben wir noch nicht besprochen, aber der Tag des Mädchenfußball findet jedes Jahr im NFV-Kreis Peine statt. Das ist eine sehr gut organisierte Veranstaltung. Und wenn dann ein Anruf kommt, und ich Zeit habe, würde ich das gerne wieder machen. Die Mädels haben gefragt, ob wir mit RB für ein Testspiel vorbeikommen würden. Aber das konnte ich nicht zusagen, weil Leipzig und Broistedt geografisch doch ein wenig auseinanderliegen und so ein Testspiel in eine Gesamtplanung auch gut eingetaktet werden muss.

Wie kamen Sie überhaupt zum Frauenfußball? In Leipzig sind Sie ja seit 2024, und RB ist Ihre erste Station in dem Bereich…

Stephan: Als ich vor zwei Jahren die U 19 von Eintracht Braunschweig trainiert habe und dort auch die sportliche Leitung für den Juniorenbereich innehatte, habe ich einen Anruf von Viola Odebrecht erhalten, die für die sportliche Leitung im Frauen- und Mädchenfußball bei RB Leipzig verantwortlich ist. Vorher hatte ich keine Berührungspunkte zum Frauen- und Mädchenfußball, von daher war es sicherlich eine mutige Entscheidung von RB, mich in diese Position zu bringen. Mein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2028, unser Ziel in Leipzig ist es, in der Bundesliga höhere Tabellenregionen zu erreichen und im besten Fall perspektivisch international zu spielen.

In Broistedt ging es um die Fortentwicklung des Frauen- und Mädchenfußballs im Amateurbereich. Auf welchem Stand sehen Sie diesen?

Stephan: Grundsätzlich ist die Entwicklung positiv, vor allem nach großen Turnieren wie Welt- und Europameisterschaften erleben die Vereine einen Schub bei den Anmeldungen. Leider ist es dann aber so, dass etliche Mädchen nach einer Zeit wieder mit dem Fußball aufhören. Dafür gibt es mehrere Faktoren, zum Beispiel weil es in der näheren Umgebung in den unteren Altersklassen nur Teams mit Jungs gibt und die Eltern vielleicht nicht bereit sind, fürs Training weitere Wege zu fahren. Das Ziel muss eine nachhaltige Struktur sein, in der Mädchen möglichst viele Stunden am Ball verbringen können, damit sie nicht die Lust am Spiel verlieren. Vor ein paar Wochen habe ich in Leipzig unserer U 13 beim Training zugeschaut, das war schön mitanzusehen, mit welcher Begeisterung die Mädchen bei der Sache waren.

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