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Blitzkarriere |10.10.2016|15:45

Turbo-Schiri Sven Pacher: 1.000 Spiele mit 32

In jungen Jahren schon ziemlich erfahren: Schiedsrichter Sven Pacher. [Foto: Fotos privat; Collage FUSSBALL.DE]

Schwarzwald-Derby vor 1.500 Zuschauern: Besser hätte der Rahmen für den Unparteiischen Sven Pacher nicht sein können. Die Partie in der Verbandsliga Südbaden zwischen den Nachbarn FC Bad Dürrheim und FC 08 Villingen war wie gemacht für sein Jubiläumsspiel. „Es war toll. Es herrschte eine super Atmosphäre“, sagte der 32 Jahre alte Schiedsrichter nach dem 1.000 Spiel unter seiner Leitung. Er hatte gespürt, dass er noch mehr als sonst im Fokus stand. „Bei der Platzbegehung oder beim Warmlaufen wurde schon mehr auf dich geguckt.“ Dass es überhaupt so weit kam, hat er dem Zufall und einer Sondergenehmigung zu verdanken, mit der er bereits im Alter von zwölf Jahren Spiele pfeifen durfte.

Die Erwartungen, die Pacher an sein Jubiläumsspiel hatte, wurden erfüllt: „Das war das Highlight schlechthin in meiner Schiedsrichterlaufbahn. Da kommt nichts dran.“ Ganz überraschend kam das nicht. Pacher hatte im Vorfeld den Wunsch geäußert, die Begegnung pfeifen zu dürfen. „Die beiden Teams spielten zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder gegeneinander“, wusste der 32-jährige um die Brisanz. Die Nachricht, er sei für das Derby am Tag der Deutschen Einheit eingeteilt, sorgte bei ihm dann natürlich für Freude. Vor den 90 Minuten spürte Pacher auch eine gewisse „Nervosität“. Doch: „Mit dem Anpfiff bin ich in den Tunnel reingegangen.“

"Ich finde es ganz wichtig, dass jeder Schiedsrichter seinen eigenen Stil aufbauen muss. Du kannst niemanden kopieren"

Dass er von seinem 1.000 Spiel überhaupt erfuhr, war übrigens mehr dem Zufall geschuldet. Diese Tatsache wurde ihm erst bei der "Danke Schiri"-Aktion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Hannover bewusst. Im Interview mit dem Südkurier verriet er: „Wir mussten mitteilen, wie viele Spiele wir gepfiffen haben. Sonst hätte ich dieses Jubiläum sicherlich verpennt.“

Im Schwarzwald-Derby hieß es für ihn mal wieder: Leistung abrufen. Das, meint Pacher, sei ihm auch gelungen. „Ich denke, alle können zufrieden sein“, sagte er nach dem 1:1-Unentschieden . Grundsätzlich machten es ihm die Mannschaften auch weitestgehend leicht. „Die ersten 45 Minuten waren recht einfach und fair. Die zweite Hälfte ist es etwas ruppiger geworden – nichts Derbyuntypisches.“ Auch nach dem Spiel blieb es friedlich und freudvoll. Von der Schiedsrichtervereinigung Schwarzwald erhielt der zweifache Vater einen Blumenstrauß und einen Essensgutschein. Die Gastgeber aus Bad Dürrheim überreichten ihm Eintrittskarten für den Wellnessbereich und eine Flasche Rotwein.

Es muss nicht das letzte besondere Spiel für Pacher bleiben. Ein weiteres Jubiläum ist sogar wahrscheinlich – vorausgesetzt die Gesundheit macht mit. „Ich möchte 50 Jahre Vollschiedsrichter sein“, sagt Pacher, der regelmäßig in Verbands- und Landesliga eingesetzt wird und auch schon einmal in der Oberliga assistiert hat. Das heißt: Er möchte sein Hobby noch 30 weitere Jahre lang ausüben.

Denn schon seit seinem zwölften Lebensalter pfeift er Spiele. Die Begeisterung wurde bei einem Freundschaftsspiel zwischen den Alten Herren vom FV Donaueschingen und der Schiedsrichtergruppe Donaueschingen entfacht, bei dem er ungeplant als Assistent eingesetzt wurde. Da das Pfeifen offiziell erst ab 14 Jahren erlaubt ist, bekam Pacher sogar eine Sondergenehmigung, um sofort Spiele leiten zu können. Dafür ist er seinem Förderer Walter Bednarek, der ihn auch heute noch begleitet, sehr dankbar.

Die Schattenseiten des Hobbys hat der 32-jährige nur ganz selten erlebt. So ist es schon einmal vorgekommen, dass er „als Assistent mit Bier beschmissen wurde“. Prinzipiell aber hat der Unparteiische bisher nur wenig negative Erlebnisse über sich ergehen lassen müssen. „Ich hatte noch keinen einzigen Spielabbruch.“ Ein Grund dafür dürften seine Darbietungen sein. „In allen 1.000 Spielen habe ich eine gute oder befriedigende Leistung gebracht“, sagt er selbstbewusst.

Garantiert sind ihm die Sympathien auch durch seine Art. „Man muss kleinere Brötchen backen und authentisch sein“, sagt Pacher. Deshalb hält er auch nichts von einer Orientierung an den Unparteiischen aus der Bundesliga. „Ich finde es ganz wichtig, dass jeder Schiedsrichter seinen eigenen Stil aufbauen muss. Du kannst niemanden kopieren.“ Außerdem müsse der Leiter eines Fußballspiels auf die Spielercharaktere achten, um entscheiden zu können: „Wann kann ich härter werden? Wann kann ich lockerer werden?“

Einen konkreten Zukunftsplan hat er nicht. Er will sich lieber überraschen lassen, wie weit es für ihn noch gehen kann. „Ich schaue von Saison zu Saison, möchte positive Leistungen abrufen und positive Beobachtungen erhalten.“ Ein Jubiläum im Eiltempo hat er immerhin schon einmal feiern können.

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