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3. Liga auf der Intensivstation? Überhaupt nicht!

30.11.2012, 13:20 Uhr | DFB.de

Armand Drevina  und Timo Staffeldt (Quelle: imago\osnapix)

Duell der Sorgenkinder: Aachens Armand Drevina (li.) gegen Timo Staffeldt vom VfL Osnabrück (Quelle: osnapix/imago)

Brennpunkt 3. Liga: Der Fall Alemannia Aachen und die finanziellen Probleme beim VfL Osnabrück werfen einen Schatten auf die höchste Spielklasse des DFB. Dem gegenüber stehen ein neuer Zuschauerrekord und die höchste TV-Präsenz der viereinhalbjährigen Ligageschichte.

Im Interview mit DFB.de nimmt der zuständige DFB-Direktor Ulf Schott Stellung zu den Problemen und Vorzügen der 3. Liga. Er äußert sich über das Streitthema TV-Gelder und die Fallhöhe zwischen 2. Bundesliga und 3. Liga. Und er erklärt, inwiefern jetzt der DFB gefragt ist und warum sich viele Vereine umstellen müssen.

DFB.de: Herr Schott, liegt die 3. Liga tatsächlich auf der Intensivstation, wie einige Kritiker es behaupten?
Ulf Schott: Nein, überhaupt nicht. Die Liga ist sportlich hochattraktiv, die Zuschauerzahlen sind so hoch wie nie. In der laufenden Saison sind bisher fast 1,2 Millionen Fans in die Stadien geströmt. Der Schnitt liegt bei über 6200 Besuchern pro Spiel, vier Klubs haben über 10.000 Zuschauer im Schnitt. Auch die Zahl der Liveübertragungen im Fernsehen oder per Stream auf den Internetseiten der dritten Programme nimmt in der 3. Liga immer weiter zu. Das alles sind Zahlen und Fakten, die in der Diskussion gerne vergessen werden.

Trotzdem herrscht immer wieder Unzufriedenheit über die finanzielle Ausstattung der Liga.
Auch wenn wir es schon mehrfach kommuniziert haben: Festzuhalten ist, dass unsere Liga im europäischen Vergleich aller 3. Ligen klar führend ist, was TV-Präsenz, TV-Erlöse und die Infrastruktur betrifft. Neun Drittligisten verfügen über ein Leistungszentrum, und es werden noch weitere hinzukommen. In Deutschland ist die 3. Liga die drittumsatzstärkste Profiliga aller Sportarten – vor den Bundesligen im Handball, Basketball und Eishockey. Mir werden auch zu schnell die Vereine außer Acht gelassen, die in der 3. Liga absolut gesund wirtschaften.

Also ist alles gut und die Aufregung grundlos?
Nein. Wir wissen um die Problematiken. Ein ganz wichtiger Aspekt ist die Fallhöhe von der 2. in die 3. Liga. Sportlich passt die Verzahnung zwischen den beiden Ligen, da ist der Abstand nicht groß, das haben die vergangenen Jahre gezeigt. Wirtschaftlich sieht es anders aus. Da ist die Lücke von knapp sechs Millionen Euro an Fernsehgeld pro Zweitligist zu 700.000 Euro pro Drittligist gravierender. Klar ist: Vereine und Verband müssen gemeinsam an Verbesserungen arbeiten. Eines möchte ich in diesem Zusammenhang aber betonen: Die 3. Liga ist mit den vertraglich längerfristig festgelegten 12,8 Millionen Euro an TV-Einnahmen absolut planbar. Und bei aller Kritik ist zu bedenken, dass wir geringere Erlöse erzielen würden, wenn wir die 3. Liga alleine vermarkten würden statt im Gesamtvertrag. Die Liga wird damit auch ein Stück weit subventioniert, so wie die 2. Bundesliga beim TV-Vertrag von der 1. Bundesliga mitsubventioniert wird.

Nehmen wir mal an, die TV-Gelder für die Drittligisten würden sich verdoppeln. Würde das die größten Probleme lösen?
Schlecht wäre das natürlich nicht (lacht). Aber ich bin nicht überzeugt, dass sich damit strukturell nachhaltige Verbesserungen einstellen würden. Die Befürchtung ist groß, dass dieses Geld direkt weiter in die Spielergehälter fließt. Und um es klarzumachen: Wir werden die Lücke zur 2. Liga nie komplett schließen können.

Nach dem Fall Aachen kommt wieder die Frage auf: Muss der DFB beim Zulassungsverfahren noch genauer hinschauen?
Das Zulassungsverfahren der 3. Liga orientiert sich an der Lizenzierung der Lizenzvereine – natürlich mit anderen Planzahlen. Zum 31. Oktober führen wir eine Auflagenüberprüfung durch. Zwischen Saisonstart und Auflagenüberprüfung gibt es darüber hinaus ein Finanzgespräch mit jedem Verein. Allerdings sind wir natürlich darauf angewiesen, dass unsere Vorgaben auch tatsächlich umgesetzt werden. 

Inwieweit müssen sich die Vereine bei der Diskussion in die Eigenverantwortung nehmen?
Gerade Klubs, die in die 3. Liga absteigen, müssen sich umstellen. Wir müssen das als DFB einfordern, um auch die anderen Vereine zu schützen, auch wenn ich absolut Verständnis für die schwierige Situation der Absteiger habe. Wir haben in Deutschland 87 Vereine, die mal in der 1. oder 2. Bundesliga gespielt haben und dies jetzt nicht mehr tun. 17 davon spielen in der 3. Liga, 24 in der Regionalliga. Das sind allesamt Vereine, die nachgewiesen haben, dass sie die Fähigkeit für die Lizenzligen haben. Entsprechend groß ist die Anzahl der Vereine, die sich mindestens für einen Zweitligisten halten – und die Zahl wird immer größer.

Daraus folgt?
Das Selbstverständnis, Drittligist sein zu wollen, ist nicht vorhanden. Jeder sieht die 3. Liga als Durchgangsstation zur 2. Bundesliga. Daraus resultiert in den betreffenden Vereinen eine Unzufriedenheit mit der Situation und der Hang, ins Risiko zu gehen. Mein Wunsch ist, dass wir da gemeinsam eine Bewusstseinsänderung hinkriegen.

Welche positiven Beispiele fallen Ihnen ein?
Jahn Regensburg hat in der vergangenen Saison gezeigt, wie man mit geringerem Aufwand zurechtkommt und Erfolg hat. Die SpVgg Unterhaching zeigt es in dieser Saison mit einem bescheidenen Etat. Darüber hinaus gibt es einige Vereine, die sich in der 3. Liga wirtschaftlich sehr positiv entwickelt haben, Einnahmen steigern konnten, Verbindlichkeiten reduziert haben und sogar in der Lage waren, aus eigenen Mitteln die Infrastruktur auszubauen. Es gibt Vereine, die in der 3. Liga waren und sich wieder sehr vernünftig nach oben entwickelt haben. Ich denke da in erster Linie an Fortuna Düsseldorf oder Eintracht Braunschweig.

Was kann der DFB tun, was muss der DFB tun?
Die 3. Liga ist ein akutes Thema, an dem wir mit Hochdruck arbeiten. Wir müssen die Liga so attraktiv wie möglich gestalten, die Marke 3. Liga weiter schärfen. Wir wollen die Beratung der Vereine ausbauen, um noch näher dran zu sein und Hilfestellungen geben zu können. Wir wissen, dass wir mit den Vereinen gefragt sind bei der Herausforderung, die Fallhöhe von der 2. in die 3. Liga zu verringern. Das ist wichtig, um die Balance in der gesamten Pyramide des deutschen Fußballs zu wahren.

Welche Bedeutung hat da die 3. Liga?
Wir brauchen diesen Unterbau für die Bundesligen. 50 Prozent der aktuellen Bundesligaspieler haben mit 15 noch in einem Verein unterhalb der Bundesligen gespielt. Wir benötigen also eine große Zahl an guten Ausbildungsstätten – und die gibt es nur, wenn man über solide, leistungsstarke Vereine mit entsprechender Infrastruktur und regionaler Anziehungskraft verfügt. Jugendliche, die sich später entwickeln, würden sonst komplett durchs Rost fallen. Dabei ist gerade die Durchlässigkeit in der Nachwuchsförderung unser großer Vorteil gegenüber anderen Nationalverbänden. Allerdings wollen wir die Vereine nicht nur als Talentschmieden sehen, sie sind insgesamt wichtige Bestandteile des deutschen Fußballs mit ihrer Tradition, ihrer Arbeit, ihren Fans. Diese Wertschätzung ist uns sehr wichtig.

Quelle: DFB.de

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