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Hachinger Sportpark statt Camp Nou

24.10.2012, 14:55 Uhr | DFB.de

Manuel Fischer erzielt seine Tore jetzt für den Drittligisten SpVgg Unterhaching.  (Quelle: imago)

Manuel Fischer erzielt seine Tore jetzt für den Drittligisten SpVgg Unterhaching. (Quelle: imago)

Den 12. Dezember 2007 wird Manuel Fischer nie vergessen. Es war ein Mittwoch, knapp zwei Wochen noch bis Weihnachten, das Wetter war in Ordnung, recht mild für die Jahreszeit. Aber das alles waren nur Randerscheinungen. Für Fischer hat dieses Datum eine immense Bedeutung. Der Stürmer war zu jenem Zeitpunkt 18 Jahre alt und stand beim VfB Stuttgart unter Vertrag. An diesem Tag hat er sein erstes Pflichtspiel für die Profis absolviert - nicht gegen irgendeinen Gegner, nicht in irgendeinem Wettbewerb, nicht in irgendeinem Stadion. Es war gegen den FC Barcelona, in der Champions League, im Estadio Nou Camp.

"Es kann wohl keinen schöneren Ort geben, um sein Debüt im Profibereich zu feiern", sagt Fischer: "Das war wirklich ein unbeschreibliches Gefühl und ist nach wie vor eine schöne Erinnerung, auch wenn wir damals das Spiel verloren haben." 1:3 lautete der Endstand. Der Angreifer war in der 72. Minute für Ciprian Marica in die Begegnung gekommen: "Vorher die Hymne, schon das hat bei mir Gänsehaut ausgelöst, gerade weil es ja meine Premiere war", erzählt Fischer.

Tor beim Bundesligadebüt

Vergangenheit. Am Samstag spielt Manuel Fischer mit der SpVgg Unterhaching bei den Stuttgarter Kickers. Mit einem Sieg könnten die Hachinger auf einen Aufstiegsplatz klettern. 3. Liga statt Champions League: Was ist da passiert?

Schließlich hatte das Talent auch in der Bundesliga einen tollen Start hingelegt. Ein Tor im ersten Spiel, die Vorschusslorbeeren waren riesig. Zwei Jahre zuvor war Fischer bereits mit Gerd Müller verglichen worden. Internationale Topklubs klopften an, Manchester United gehörte zu den Interessenten. Sogar für eine Weltauswahl war Fischer mal nominiert. Aber kann ein Jugendlicher damit richtig umgehen? "Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber zu jenem Zeitpunkt nie wirklich Gedanken gemacht, sondern einfach nur versucht, in jedem Spiel mein Bestes zu geben", sagt Fischer heute: "Mich haben solche Vergleiche nicht interessiert, stattdessen war für mich viel wichtiger, meine eigenen Ziele zu erreichen."

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Mehrere Verletzungen verhindern den Durchbruch

Trotz toller Ansätze geriet Fischer auf seinem Weg in die Sackgasse. Eine Verletzung folgte der nächsten. Der Durchbruch in Stuttgart gelang nicht. Der steile Aufstieg war nicht nur gestoppt, es ging rasant abwärts. "Ein Innenbandanriss im Knie hat mich zurückgeworfen", sagt Fischer: "Außerdem war ich auch etwas zu ungeduldig, und die letzte Rückdeckung der Verantwortlichen hat gefehlt."

Oder war der Druck zu groß? "Nein, das war nicht der Fall", betont er mit Nachdruck. "Ich habe damals bei meinen Einsätzen in der Bundesliga gezeigt, dass ich mit Druck umgehen kann und da war, als ich gebraucht wurde. Im Fußball muss man sich immer mit Drucksituationen auseinandersetzen, das gehört einfach dazu."

Reise durch halb Deutschland

Es begann eine Reise durch halb Deutschland. Erst Koblenz, dann zurück nach Stuttgart in die zweite Mannschaft. Von dort zu Wacker Burghausen, weiter zum 1. FC Heidenheim, zweite Mannschaft, 6. Liga, Tiefpunkt und Neuanfang zugleich. Fischer musste Überschriften über sich lesen wie "Von der Champions League in die 6. Liga".

Solche Zuspitzungen findet er noch heute ungerecht: "Viele kennen die Zusammenhänge einfach nicht. Leider hatte ich einige schwere Verletzungen, und da ist dann auch Zeit und Geduld nötig, um sich wieder heranzuarbeiten. Für mich war es daher nach der Reha sehr wichtig, wieder Spielpraxis zu sammeln und körperlich auf ein gutes Niveau zu kommen."

"Sorgen um meine Karriere hatte ich nicht"

Das ist ihm gelungen, und er hat einiges gelernt in dieser schweren Zeit. "Ich habe feststellen müssen, dass man sich für Erfolge aus der Vergangenheit nichts kaufen kann. All das ist nicht wichtig, denn man muss sich jeden Tag neu beweisen und hart für den Erfolg arbeiten", meint  der 23-Jährige.

Bei allen Rückschlägen habe er immer an sich geglaubt, auch in den dunkelsten Stunden. "Natürlich macht man sich in solch einer Phase seine Gedanken. Sorgen um meine Karriere hatte ich jedoch nicht. Mir war absolut bewusst, dass der Weg zurück nicht einfach wird. Ich habe mich aber von Rückschlägen nicht umwerfen lassen und bin am Ende dafür belohnt worden. Ich fühle mich jetzt wieder angekommen und auf dem richtigen Weg", fasst er zusammen.

Guter Start in Unterhaching - in jeder Hinsicht

Es folgte ein Jahr in der zweiten Mannschaft des FC Bayern München, nun ist Fischer bei der SpVgg Unterhaching gelandet. Der frühere Bundesligist steht mit einem Mini-Etat überraschend auf Platz vier. "Wir haben einen richtig guten Start hingelegt und gezeigt, dass wir trotz unserer jungen Mannschaft guten und erfolgreichen Fußball spielen können", sagt der gebürtige Aalener: "Unsere Truppe hat Qualität. Natürlich dürfen wir jetzt nicht nachlassen, sondern müssen genau so konzentriert und engagiert weiterarbeiten." Seinen Wechsel hat er nicht bereut. Das Konzept in Unterhaching überzeugt, hier fühlt er sich wohl, hier gibt es eine Perspektive, hier wird er unterstützt, hier kann der ehemalige U17-Nationalspieler wieder seinen Teil zum Gesamterfolg beitragen.

Und was erhofft sich Manuel Fischer von der Zukunft? Er ist bescheidener geworden. Wer so viele Höhen und Tiefen erlebt hat, kann auch mal den Moment genießen. Besonders dann, wenn es wieder aufwärts geht. "Das Wichtigste ist, dass ich gesund und von weiteren schweren Verletzungen verschont bleibe. Ansonsten möchte ich natürlich mit konstant guten Leistungen weiter auf mich aufmerksam machen“, sagt er: „Der Fußball ist sehr schnelllebig, und daher beschäftige ich mich nicht damit, ob zum Beispiel eine Rückkehr in die Bundesliga realistisch ist. Meine ganze Konzentration gilt der SpVgg Unterhaching, alles andere lasse ich einfach auf mich zukommen."

In der Münchner Vorstadt ist Manuel Fischer ein Teil des Ganzen, hier ist er nicht der ehemalige Champions-League-Spieler, der abgestürzte Hoffnungsträger. Hier ist er ein Stürmer, der in dieser Saison bislang dreimal getroffen hat. Hier ist Manuel Fischer einfach Manuel Fischer.

Quelle: DFB.de

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