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Manuel Hornig: "Am Anfang bin ich mir schon vorgekommen wie im falschen Film"

25.11.2011, 12:35 Uhr | bec

Manuel Hornig will mit Arminia Bielefeld bis 2014 wieder zurück in die 2. Bundesliga. (Quelle: dpa)

Manuel Hornig will mit Arminia Bielefeld bis 2014 wieder zurück in die 2. Bundesliga. (Quelle: dpa)

Das Interview führte Benjamin Crisolli

Höhen und Tiefen hat Arminia Bielefelds Manuel Hornig im Fußball schon viele erlebt. Mit dem 1. FC Saarbrücken (2007) und Kickers Offenbach (2008) stieg der 28-jährige jeweils ab, mit dem 1. FC Kaiserslautern feierte er in der Saison 2009/2010 gar den Bundesliga-Aufstieg. Heute ist Hornig über den Zwischenstopp TUS Koblenz beim Traditionsklub DSC Arminia Bielefeld im Abstiegskampf der 3. Liga angekommen und soll als Führungsspieler und Innenverteidiger für die nötige Stabilität sorgen. Im Interview mit fussball.de spricht Hornig über die aktuelle Lage in Bielefeld, Aufstiegsträume mit der Arminia und Berufswünsche nach der Karriere.

Fussball.de: Am letzten Wochenende gab es bei Carl Zeiss Jena eine spektakuläre Aufholjagd, die am Ende nicht belohnt worden ist. Schiedsrichter Bastian Dankert stand im Mittelpunkt und gab drei Elfmeter gegen ihr Team. Besonders der letzte vor dem 4:3 für Jena wurde heiß diskutiert. Wie sahst du die Situation?

Manuel Hornig: Aus gegebenem Anlass möchte ich über Schiedsrichterleistungen nicht mehr groß reden, ich kann nur sagen, dass es zu dem dritten Elfmeter keine zwei Meinungen gibt, es war definitiv kein Handspiel von mir.

Nach dem Fehlstart wurde Trainer Markus von Ahlen entlassen. Mit Stefan Krämer übernahm der Co-Trainer vor wenigen Wochen das Amt. Kannst du die Entscheidung nachvollziehen?

Wenn man zehn Spiele in Folge nicht gewinnt, ist es im Fußballgeschäft ganz normal, dass über mögliche Konsequenzen nachgedacht wird. Der Trainer ist dann meist das schwächste Glied in der Kette.

Abgesehen von der Niederlage gegen Jena ist die Arminia im Aufwind. Woran liegt das?

Wir haben eine klare Spielphilosophie, die wir über die kompletten 90 Minuten durchziehen können. Wir attackieren unseren Gegner sehr früh und verteidigen extrem hoch. Dadurch kommen wir früher in Ballbesitz. Und wenn man in der gegnerischen Spielhälfte schnell den Ball gewinnt, dann ist es auch viel einfacher, Torchancen zu kreieren.

Was macht der neue Trainer Stefan Krämer anders?

Ich möchte meine bisherigen Trainer nicht gegenüberstellen und vergleichen. Jeder hat seinen eigenen Stil. Aber Stefan Krämer macht das bisher einfach sehr gut.

Für ihn ist Bielefeld die erste große Trainerstation. Wie würdest du ihn und seine Arbeit beschreiben?

Man merkt es Stefan Krämer nicht an, dass es seine erste große Trainerstation ist. Er ist authentisch und bringt viel Fußball-Sachverstand mit. Auf taktische Umstellungen unserer Gegner hat er eigentlich immer eine Antwort parat. Er schafft es den vollen Respekt der Mannschaft zu haben und dies auch auf eine "freundschaftliche" Art und Weise.

Du selbst kamst bis zum 5. Spieltag nicht zum Einsatz, saßt auf der Reservebank, standest dann am 7. Spieltag endlich in der Startelf. Wie kam es zu deinem verspäteten Ligastart?

Ich wurde am Anfang der Saison als Führungsspieler geholt und habe mich leider gleich in der ersten Trainingswoche verletzt. Durch einen Innenmeniskusriss und eine anschließende Operation ging die Saison leider für mich ein wenig später los.

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Vier Spiele sind es noch bis zur Winterpause. Babelsberg, Werder II, Osnabrück und Stuttgart II stehen vor der Brust. Wie schätzt du das Restprogramm 2011 ein?

In der Liga kann jeder jeden schlagen und somit gibt es keine leichten Spiele. Jede Mannschaft  muss in jedem Spiel an ihre Grenzen gehen, sonst hat sie keine Chance zu gewinnen. Klar gilt es, so viele Punkte wie möglich zu holen.

Was glaubst du ist tabellarisch in dieser Saison nach dem schlechten Start noch drin?

Die dritte Liga ist eine Wundertüte, in der prinzipiell alles möglich ist. Der 13. der Tabelle hat nur fünf Punkte Abstand auf einen Aufstiegsplatz. Das sagt eigentlich schon alles. Es werden noch Mannschaften in den Abstiegskampf geraten, die jetzt noch gar nicht daran denken und umgekehrt ist natürlich auch alles möglich. Dresden war im letzten Jahr nach der Vorrunde auch unten drin und am Schluss sind sie sogar aufgestiegen. Letztendlich müssen wir kleine Brötchen backen und von Spiel zu Spiel schauen. Jetzt gilt es, sich so schnell wie möglich von den Abstiegsplätzen abzusetzen, was eine harte Aufgabe wird.

Du selbst kamst erst vor der Saison zur Arminia, die von vielen Trainern neben Wehen-Wiesbaden Osnabrück und Sandhausen als eine der Aufstiegsfavoriten gehandelt wurde. Dachtest du nach dem verpatzten Saisonbeginn mal: Das ist alles nur ein schlechter Traum?

Am Anfang bin ich mir schon vorgekommen wie im falschen Film. Wir haben eine qualitativ sehr gut zusammengestellte Mannschaft. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass eine sehr große Qualität in dem Kader steckt und unsere Fans hoffentlich noch viel Spaß mit uns haben werden.

Du hast einen längerfristigen Vertrag bei der Arminia unterschrieben. Ist bis zum Vertragsende die Rückkehr in die 2. Bundesliga möglich?

Ich habe Vertrag bis 2014 und es ist ganz klar mein Ziel, in diesem Zeitfenster einen Aufstieg zu realisieren.

Die Fans der Arminia sind seit Jahren arg gebeutelt. Nach zwei Abstiegen in Folge und hohen Schulden, stand der Verein bereits vor dem Aus. Wie beeinflusst die Unruhe hinter den Kulissen die Mannschaft und das Umfeld?

Mittlerweile ist wieder viel mehr Ruhe in den Verein eingekehrt. Meiner Meinung nach ist der Verein derzeit sehr gut aufgestellt, woran das neue Präsidium auch einen großen Anteil hat. Insgesamt ist der Verein mit dem neuen Präsidium, unserem Geschäftsführer, Sportlichen Leiter, und dem Trainerteam sehr gut aufgestellt. Ich habe das Gefühl, dass alle an einem Strang ziehen und dass es in der jetzigen Konstellation auch wieder aufwärts geht.

Derzeit zittert die Arminia im Nachlizensierungs-Verfahren des DFB. Punktabzüge und hohe Geldstrafen sind möglich. Ist das Thema in der Mannschaft?

Das ist kein Thema innerhalb des Teams und, wie bereits erwähnt, ist auch mehr Ruhe in den Verein eingekehrt, wodurch es auch nicht jeden Tag neue Wasserstandsmeldungen zu lesen gibt.

Nun zu dir persönlich:  Du hast noch nie 1. Bundesliga gespielt. Ein Traum?

Klar ist es für jeden Fußballprofi ein Traum, einmal 1. Bundesliga zu spielen, allerdings bin ich mit meiner bisherigen Fußballerlaufbahn sehr zufrieden und auch stolz darauf. Generell gibt es nichts Schöneres als sein Hobby zum Beruf zu machen und ich genieße jeden Tag, an dem ich Fußball ohne Schmerzen spielen kann.

Als du 2009 von Kickers Offenbach zur zweiten Mannschaft des FCK gewechselt bist, dann auch mit dem Ziel, das begonnene Lehramtsstudium an der Uni Mainz in Geographie und Sport zu beenden. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Liegt deine Uni-Karriere derzeit auf Eis?

Ich bin nach wie vor fleißig am Studieren, so gut es eben neben dem Fußball geht. In erster Linie bin ich ja Fußballprofi und arbeite für Arminia Bielefeld; gebe hier mein Bestes. Nebenbei versuche ich den einen oder anderen Schein an der Uni erfolgreich zu absolvieren und bin mittlerweile auch in den letzten Zügen meines Studiums angelangt.

Siehst du dich in ferner Zukunft als Ex-Fußballer im Klassenzimmer oder woanders?

Ich habe bereits meinen ersten Trainerschein, die C- Lizenz, gemacht und es wäre schön, nach meiner Karriere im Profifußball Trainer zu werden. Ob das klappt, kann man heute noch nicht voraus sagen. Fußball ist ein Tagesgeschäft und es schadet absolut nicht, sich beruflich abzusichern. Sollte es nichts mit dem Fußball werden, freue ich mich aber auch sehr auf den Lehrberuf.

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bec  

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