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Mourinhos Kontakte nach England: "Unverbesserbar"

27.11.2012, 19:42 Uhr | FUSSBALL.DE

Real Madrids Trainer José Mourinho.  (Quelle: imago/Colorsport  )

Real Madrids Trainer José Mourinho. (Quelle: imago/Colorsport )

Eine Kolumne von Johnny Giovanni

Zu Wochenbeginn strapazierte José Mourinho einen Superlativ, der nur auf den ersten Blick geeignet war, die Lage bei Real Madrid etwas zu beruhigen. "Zum jetzigen Zeitpunkt habe ich ein sehr, sehr, sehr, sehr gutes, absolut unverbesserbares Verhältnis zum Präsidenten und zu (Generaldirektor) José Ángel Sánchez", erklärte der Übungsleiter. Der Teufel steckte in dem Detail, dass er danach mit einem kleinen Exkurs zu seinem Ex-Verein FC Chelsea hinterher schob. Mourinho sagte: "Ich habe auch nach wie vor ein unverbesserbares persönliches Verhältnis zu Präsident Roman Abramowitsch und anderen Leuten vom Klub."

Sollte heißen: Ob man miteinander lachen und weinen kann, spielt keine Rolle, wenn es entscheidende Differenzen im Kernbereich einer Arbeitsbeziehung gibt. Und im beruflichen Bereich sieht es ja tatsächlich nicht mehr so rosig aus. Elf Punkte liegt Real nach 13 Spieltagen in der Liga schon hinter dem Tabellenführer und Erzrivalen FC Barcelona.

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Mourinho und die verflixte, dritte Spielzeit

Dazu gibt es eine interessante Statistik: In 83 Jahren Ligageschichte hat noch kein Trainer der Königlichen die Saison in seinem Job beendet, der nach 13 Spieltagen mehr als neun Punkte zurücklag. Und um den Vergleich mit Chelsea noch ein bisschen auszudehnen: Dort wurde Mourinho trotz exzellenter persönlicher Beziehungen während seiner dritten Saison entlassen. Auch bei Real arbeitet er jetzt in der dritten Spielzeit.

In dieser liegt sein Team nicht nur bereits elf Punkte hinter Barcelona, sondern auch schon acht hinter dem Lokalrivalen Atletico Madrid, der am kommenden Samstag zu einem Derby unter umgedrehten Vorzeichen ins Estadio Santiago Bernabeu kommt. Wäre eine weitere Niederlage etwa das Aus für den schillernden Portugiesen?

Real-Präsident Perez baut weiterhin auf den Portugiesen

So ein Szenario war bis vor kurzem noch komplett undenkbar. Es ist nach wie vor nicht sehr wahrscheinlich. Aus dem Klub heißt es, Präsident Pérez sei entschlossen, die langen Monate bis Februar auch ohne reelle Optionen in der Liga mit Mourinho durchzustehen, um dann die K.-o.-Runde der Champions League über seinen leitenden Angestellten entscheiden zu lassen. Aber schon diese Haltung, und dass das Thema einer Entlassung überhaupt ansatzweise diskutiert wird, sagt ja schon vieles aus. "Vielleicht", sagt Mourinho selbst, "ist der Klub ja nicht zufrieden mit mir und denkt, es gibt Dinge zu verbessern."

Hat Mourinho "das Handtuch schon geworfen?"

Woher die Endzeitstimmung? Zum einen liegt sie natürlich an der dürftigen Ernte in Liga und Champions League (nur Gruppenplatz zwei hinter Borussia Dortmund!). Mourinho ist ein Ergebnistrainer - meistens stimmen die Resultate, aber wenn nicht, gibt es wenig, dass ihn schützt: dafür ist der Fußball seiner Mannschaften nicht verführerisch genug. Zum anderen scheint er aber auch keine rechte Lust mehr zu haben. Nicht mehr kämpfen zu wollen. "Mou hat das Handtuch geworfen", spekuliert ein klubnaher Schreiber der spanischen Sportzeitung "As".

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Ganz so weit ist es vielleicht noch nicht, aber seltsam war etwa sein Auftritt am Samstag nach der Niederlage bei Betis Sevilla auf jeden Fall. Nach dem Abpfiff gratulierte er jedem Betis-Spieler einzeln zum Sieg und lobte auch die gegnerischen Fans. Betis habe so gekämpft und das Publikum so angefeuert, wie sich das im Fußball gehöre.

Seinen eigenen Spielern hingegen las er kräftig die Leviten, die Ausrede des Champions-League-Spiels drei Tage zuvor ließ er explizit nicht gelten: "Wenn ein 34-Jähriger wie Stepanek (tschechischer Davis-Cup-Sieger) drei Partien an drei Tagen nacheinander für sein Land spielen kann, braucht mir niemand zu erzählen, dass ein 23-, 24-, 25-, 26-Jähriger nicht am Mittwoch in Manchester spielen kann und am Samstag bei Betis."

Khedira und Özil: vom Team geliebt, vom Trainer ausgewechselt

Der Trainer wirkt regelrecht genervt von seinen Spielern. Es soll mittlerweile Trainingstage geben, während derer Mourinho kein einziges Wort mit dem Team spricht. Immer wieder knöpft er sich einzelne Akteure für symbolische Strafaktionen vor. Bei Betis wurden Sami Khedira und – zum wiederholten Male – Mesut Özil zur Pause ausgewechselt. Die Antipathie gegenüber dem deutschen Spielmacher erstaunt große Teile des Kaders, die Özil für unentbehrlich halten. Angeführt von den spanischen Profis entfremdet sich ein wachsender Teil der Mannschaft vom Trainer und tuschelt über seine vermeintliche taktische Einfältigkeit.

Daneben unterhält Mourinho auch mit dem Klub regelmäßige Scharmützel. Kürzlich legte er sich öffentlichkeitswirksam mit dem Trainer der zweiten Mannschaft an, nach dem Betis-Spiel klagte er, dass nur er die Interessen des Vereins, etwa gegen Schiedsrichterfehler, verteidige. "Ich bin der einzige, der redet, und am Ende bin ich immer der Böse", sagte er. Dass er vor anderthalb Jahren Sportdirektor Jorge Valdano aus dem Verein mobbte und damit das jetzt beklagte Vakuum überhaupt erst schuf, sagte er natürlich nicht.

"The Special One" sucht ein Sprachrohr

Aber Mourinho aka. "The Special One" will ja auch keinen Manager auf Augenhöhe, er will einen Sprecher, oder besser gesagt: ein Sprachrohr. Kürzlich soll er Fernando Hierro für den Posten vorgeschlagen haben, ausgerechnet. Der ehemalige Abwehrchef gilt zwar als Klublegende, wurde vor neun Jahren aber zusammen mit dem damaligen Trainer Vicente del Bosque von Vereinschef Florentino Pérez unschön vom Hof gejagt. Eine Aussprache hat nie stattgefunden, die Aktion gilt bis heute als Schandfleck auf der Präsidentschaft des Bauunternehmers. Entsprechend monströs ist der Schatten, über den Pérez springen müsste, um Hierro zu engagieren.

Mourinho weiß so etwas natürlich. Da bei ihm jede Geste, jedes Wort einem strategischen Ziel folgt, darf man davon ausgehen, dass er das "No" des Präsidenten mit einkalkuliert hatte. Worum geht es also? Darum, den Klub bloß zu stellen? Die eigene Verantwortung zu kaschieren? Auf jeden Fall darum, das Momentum auf seiner Seite zu haben. Wenn die Liaison mit Real Madrid schon zu Ende geht, dann muss er möglichst unbeschadet aus der Sache rauskommen – sonst ist er die längste Zeit der "Special One" gewesen.

Rückkehr nach England?

Dass es spätestens am Saisonende sowieso zur Trennung kommt, daran bestehen dieser Tage kaum noch Zweifel. Zwar ist es nicht das erste Mal, dass aus Mourinhos Lager Geschichten über seine vermeintliche Unzufriedenheit gestreut werden oder plötzlich zum passenden Zeitpunkt Berichte auftauchen, wonach sich Frau und Tochter kürzlich in London schon mal nach einer Universität umgeschaut haben. Bislang hat die Angst, ihn nach England – Mourinhos Lieblingsliga – zu verlieren, den Klub immer dazu bewegt, dem Portugiesen seinen Willen zu geben und noch mehr Macht einzuräumen.

Diesmal jedoch ist das anders. Wie es heißt, sorgt sich Pérez weniger um einen Abgang Mourinhos als um die Zukunft von Cristiano Ronaldo, der mit seinem Trainer den Agenten teilt. Zufall oder nicht: Auch CR7 ist ja momentan regelmäßig unglücklich.

Quelle: FUSSBALL.DE

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 (Quelle: abc)