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Ehemaliger Nationalspieler Togos in Bonn |01.02.2015|12:33

Assimiou Touré: Fünfte Liga statt Afrika-Cup

Hier trug er noch das Uerdinger Trikot, nun ist er zum Bonner SC gewechselt: Assimiou Touré. [Foto: Imago]

Assimiou Touré hat viel erlebt. Sportlich wie privat. Gute wie schlechte Dinge. Es war nicht immer alles schön, ganz sicher nicht. Um das zu erkennen, muss man sich nur mal den Karriereverlauf des 15-maligen togoischen Nationalspielers anschauen. Touré galt als riesiges Talent. Er war überqualifiziert, spielte deshalb bei Bayer 04 Leverkusen meist schon in den älteren Nachwuchsteams. 2006 kam dann die völlig überraschende Berufung des damals 18-Jährigen in den Kader Togos für die Weltmeisterschaft in Deutschland: "Es war ein Traum, ein unglaubliches Erlebnis. Das wichtigste Fußballturnier der Welt. Und ich war dabei."

In dem Land, in dem er groß geworden ist. In dem Land, in dem er sich zu Hause fühlt. Und dabei die Flagge Togos auf der Brust. Dass die WM für seine Auswahl schon nach der Vorrunde ohne Punktgewinn beendet war, kann die Erinnerungen nicht negativ beeinflussen. Denn es ging fast Schlag auf Schlag weiter: Mit 18 der erste Einsatz im UEFA-Cup, wenig später die Premiere in der Bundesliga. Es folgte eine Ausleihe zum VfL Osnabrück - und plötzlich nahm das Unheil seinen Lauf...

"Mir hat alles gefehlt, was ein Fußballer braucht. Besonders der Teamgeist und die Wettkämpfe am Wochenende"

Aufstieg in die Regionalliga?

Vor wenigen Tagen hat der 27-Jährige seinen Wechsel vom KFC Uerdingen zum Bonner SC bestätigt. Fünfte Liga statt Afrika-Cup. Togo hat sich für das Turnier, das dieser Tage in Äquatorialguinea ausgetragen wird, nicht qualifiziert. Aber die Nationalmannschaft ist für ihn sowieso derzeit ziemlich weit weg. Touré will mit seinem neuen Klub in die Regionalliga aufsteigen: „Ich sehe die Entscheidung für den BSC nicht als Absturz. Vielmehr sehe ich in Bonn eine Perspektive. Wir sind Spitzenreiter und wollen langfristig etwas aufbauen. Kurzfristig wollen wir den Aufstieg schaffen.“ Es wäre immerhin ein erster kleiner Schritt zurück in die richtige Richtung.

Denn vor ein paar Jahren hatten ihm viele noch eine strahlende Zukunft prophezeit. Dann allerdings kam der erste schwere Rückschlag. Es passierte in einem Meisterschaftsspiel im September 2007 mit dem VfL Osnabrück gegen den FC St. Pauli: die sechste Minute läuft, ein unglücklicher Zweikampf, ein Knacken im Bein, später die bittere Diagnose, Schien- und Wadenbeinbruch. Seine Karriere stand auf der Kippe, zwei Jahre Leidenszeit. Als während des Heilungsprozesses Komplikationen auftraten, musste darüber diskutiert werden, ob das Bein abgenommen werden muss. „Es war der Horror", sagt Touré rückblickend. Nur dank einer großen Operation konnte das verhindert werden.

Touré versuchte sich zurück zu kämpfen. Aber so richtig wollte das nicht gelingen. Weder bei Arminia Bielefeld, noch beim SV Babelsberg, noch zuletzt beim KFC Uerdingen konnte er restlos überzeugen. Die Verantwortlichen nicht. Aber auch sich selbst nicht. Zwischendurch war er sogar ein Jahr lang vereinslos. Eine ganze Saison lang nur trainieren, trainieren, trainieren. "Mir hat alles gefehlt, was ein Fußballer braucht. Besonders der Teamgeist und die Wettkämpfe am Wochenende."

Allerdings kann Touré diese Rückschläge ganz gut einordnen. Denn die eine Sache, die er erlebt hat, wird ihn immer begleiten. Als Touré über den schlimmsten Moment seines Lebens spricht, redet er plötzlich leiser. Zwei Tage vor dem Afrika-Cup 2010. Eine Busfahrt durch Angola, das Austragungsland damals. Plötzlich wird der Bus von Rebellen angegriffen, dramatische Szenen spielen sich ab. Am Ende verlieren zwei von Tourés Kollegen das Leben.

„Wir sind auf einmal von beiden Seiten angegriffen worden, es hat unglaublich laut geknallt, wir haben uns sofort unter die Sitze geschmissen. Zwei haben es leider nicht geschafft, weil sie gerade im Gang standen. Sie haben den Angriff nicht überlebt." Für Togo ist das Turnier beendet, bevor es überhaupt begonnen hat. Keiner kann in so einem Moment mehr an Fußball denken. Diese Ereignisse liegen jetzt ziemlich genau fünf Jahre zurück. Vergessen wird Touré sie niemals mehr.

Schüsse von beiden Seiten

Er habe das alles gut verkraftet, er habe keine Albträume mehr, er müsse kaum noch daran denken, sagt der frühere deutsche U18-Nationalspieler. Aber natürlich könne er sich noch an jedes Detail erinnern - und zwar ganz genau. An die Schüsse von beiden Seiten, an die dabei getöteten Kollegen, an das Glück, das er in diesem Moment hatte.

In diesen Tagen kommen die Erinnerungen ganz zwangsläufig etwas häufiger zurück. Er muss ja nur den Fernseher einschalten, und schon läuft dort der Afrika-Cup. „Ich schaue natürlich so viele Spiele, wie meine Zeit zulässt“, sagt der Defensivspezialist, der inzwischen bei UPS beschäftigt ist und sich damit ein zweites Standbein aufgebaut hat. „Es ist schon erstaunlich, dass die favorisierten Teams so große Probleme haben. Auch in Afrika ist deutlich zu erkennen, dass die Abstände zwischen den Nationen immer kleiner werden.“

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