Hilfe-Center

Hilfe-Center

Regionalliga

Regionalligen

Verbände

Verbände

Wenn Du dich bei unserer Community einloggst, kannst du Vereine und Mannschaften als Favoriten speichern und direkt von hier aus schnell und einfach erreichen.

Matchkalender

Begegnungen in deiner Nähe

{{typeaheadInput.text}}

* Pflichtfelder

Amateurstatistiken

Ungewöhnliche Fußball-Karriere |24.03.2015|18:00

Bockstedte: Rolli-Trainer und Profi-Berater

Souverän in jeder Lage: Ralf Bockstedte stellt sein Team ein. [Foto: Privat]

Ralf Bockstedte hat einen beeindruckenden Weg hinter sich. Er trainiert Kinder und Jugendliche, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Und als wäre das nicht ungewöhnlich genug, ist er hauptberuflich Berater von Profifußballern.

Rund 700 Zuschauer kamen Anfang Februar zur Bezirkssportanlage am Wasserturm in Essen, um sich das Benefizspiel zwischen einer Auswahl der DJK Adler Union Frintrop und der Traditionself von Schalke 04 anzuschauen. Prominente Ex-Profis wie Martin Max und Weltmeister Olaf Thon liefen für die Königsblauen auf. Frintrops Mannschaft, bestehend aus Altherrenspielern und Sponsoren, hielt tapfer dagegen und unterlag nur mit 3:5. Möglicherweise, weil die Mannschaft gut eingestellt worden war. Verantwortlich dafür: Ralf Bockstedte. Der 43-Jährige hat vor vier Jahren als einziger Rollstuhlfahrer die Trainer-C-Lizenz (heute B-Lizenz) erlangt. Das Aufeinandertreffen mit Schalkes Traditionsmannschaft war das Highlight seiner jungen Trainerkarriere.

"Ich wollte kein Spielerberater sein, der nicht mal einen Ball aufpumpen kann"

Fußball ist seit Kindertagen Bockstedtes wichtigster Lebensinhalt. Seit sein Großvater ihn als Sechsjährigen mit ins Parkstadion auf Schalke nahm, ist er begeisterter Anhänger. Auch selbst jagte er dem runden Leder gerne hinterher. Leider war das nicht immer möglich. Bockstedte leidet seit frühester Kindheit an einer seltenen Erkrankung. So selten, dass nicht einmal eine offizielle Bezeichnung dafür existiert. Das Rückenmark wuchs nicht so schnell wie der Körper und wurde dadurch gedehnt. Mit drei Jahren fiel den Eltern auf, dass Ralf Bockstedtes Bewegungsabläufe seltsam sind. Mit 16 Jahren riss sein Rückenmark endgültig ein. Seitdem sitzt Bockstedte im Rollstuhl. Glück im Unglück: Wäre sein Rückenmark komplett gerissen, könnte er heute nicht einmal sprechen.

Der Fußball blieb Bockstedtes Leidenschaft. Als er kurz vor dem Abitur ein Jahr lang ein englisches Internat besuchte, verbrachte er fast seine komplette Freizeit auf den Fußballplätzen. „Ich habe Spiele in der Premier League besucht, ich war bei den Spielen unserer Internatsmannschaft, ich war praktisch überall“, erinnert er sich lächelnd. Damals konnte er noch nicht ahnen, dass der Fußball zu seinem Beruf werden würde.

Merkwürdiger Moment

Rund 20 Jahre später, im Jahre 2008, machte Bockstedte ernst. Gemeinsam mit den ehemaligen Fußballprofis Ingo Anderbrügge und Stefan Blank gründete er die Spielervermittlungsagentur players' interests in Essen. Drei Jahre danach nahm er den Trainerschein in Angriff. „Für mich ging es darum, Fachkenntnisse zu erwerben. Ich wollte kein Spielerberater sein, der nicht mal einen Ball aufpumpen kann“, sagt er. Da er als Rollstuhlfahrer nicht am praktischen Leistungstest teilnehmen konnte, musste er eine Sondergenehmigung für die Teilnahme am Trainerlehrgang beantragen.

Es war ein merkwürdiger Moment, als Ralf Bockstedte erstmals in den Lehrgangsraum fuhr. Die überraschten Blicke der übrigen Teilnehmer blieben ihm nicht verborgen. „Aber ich bin jemand, der offen auf Menschen zugeht und von der Behinderung erzählt. Nach fünf Minuten wussten die Jungs, dass uns nichts voneinander unterscheidet - abgesehen davon, dass ich nicht laufen kann.“

Beim Freundschaftsspiel der Lizenzanwärter gegen einen Kreisligisten agierte Bockstedte als Motivator. „Vor dem Spiel habe ich den Jungs gesagt, dass ich so gerne die Schuhe schnüren, die Stutzen hochziehen und auf den Platz laufen würde. Daher seien sie nun meine Beine und sollten das tun, was ich am liebsten tun würde. Mehrere Spieler haben mir gesagt, dass sie dabei Gänsehaut hatten.“

Juristischer Berater von Holtby

Trainer einer offiziell im Spielbetrieb angemeldeten Fußballmannschaft ist Bockstedte trotz Lizenz nie gewesen. Das heißt allerdings nicht, dass die gelernten Inhalte aus dem Lehrgang umsonst waren. Ralf Bockstedte hat nicht nur die Auswahl der DJK Adler Union Frintrop betreut, sondern ist auch gelegentlich als Coach der "Fußballfabrik", ein Fußballferiencamp von Ingo Anderbrügge, aktiv und trainiert dort Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 15 Jahren. „Das Wichtigste ist, dass die jungen Teilnehmer viel mit dem Ball machen können“, sagt er. Dass es ihm nicht möglich ist, Übungen vorzumachen oder ein wenig mitzukicken, stelle kein großes Hindernis dar.

Der Nachwuchs zeigt großen Respekt vor der Kompetenz von Ralf Bockstedte. Vor allem wenn er ihnen noch erzählt, welche Profifußballer er vertritt. Der zweimalige deutsche Nationalspieler Malik Fathi gehört zu seinen Klienten – ebenso Agim Ibraimi, der für NK Maribor in dieser Saison alle Gruppenspiele in der Champions League absolvierte und gegen Schalke 04 sogar ein Tor erzielte. Außerdem ist Bockstedte der juristische Berater von Lewis Holtby und war in dessen Transfer von Schalke zu Tottenham involviert. Nicht umsonst lautet das Motto von Bockstedte: „Man kann im Leben sogar unmögliche Dinge erreichen, wenn der richtige Wille und die richtige Einstellung dahinter stehen."

Anzeige