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Gehörlos im Tor |12.11.2018|15:30

Bölker: Gehörloser Keeper in der Regionalliga

"Ich kann meinen Mitspielern etwas zurufen, die Antworten höre ich natürlich nicht": Kaan-Keeper Christian Bölker.[Foto: imago/Rene Traut]

Der 1. FC Kaan-Marienborn gehört zu den absoluten Underdogs in der Regionalliga West. Mit einem kleinen Etat hält der Aufsteiger allerdings im Wettbewerb mit ehemaligen Bundesligisten wie Alemannia Aachen, Rot-Weiß Oberhausen, Rot-Weiss Essen, Wattenscheid 09 und dem Wuppertaler SV achtbar mit – auch wenn die Truppe von Trainer Thorsten Nehrbauer nach nunmehr 17 Spieltagen auf Rang 16 und damit einem Abstiegsplatz steht.

Die größte Überraschung im Kader der Käner steht im Tor: Christian Bölker. Der 30-Jährige hat am neunten Spieltag Florian Hammel im Kasten abgelöst und erhält seitdem fast durchweg gute Kritiken. Das besondere an ihm: Er ist gehörlos! Im Interview mit FUSSBALL.de , das per E-Mail geschrieben wurde, erklärt Bölker, wie das überhaupt geht: Nichts zu hören und in einem Mannschaftssport trotzdem so gut zu sein.

FUSSBALL.DE: Christian Bölker, wie läuft die Kommunikation mit Ihren Vorderleuten während des Spiels und im Training genau ab?

Christian Bölker: Da es den Begriff "taubstumm" überhaupt nicht gibt, kann ich mich auch verbal äußern. Man ist ja als Gehörloser nicht automatisch stumm, das wird von vielen fehlinterpretiert. Somit kann ich meinen Mitspielern auch etwas zurufen, die Antworten höre ich natürlich nicht. Hier hilft uns Gestik und so kommunizieren wir.

"Ich glaube schon, dass ich manche Szenen schneller erkenne als andere, weil ich keine störenden Geräusche wahrnehme"

Trainer Thorsten Nehrbauer lobt Ihre besondere Ausstrahlung auf die Mannschaft, Sie würden den Teamkollegen Sicherheit geben. Hat Ihre Gehörlosigkeit also auch einen entscheidenden Vorteil im Fußball?

Bölker: Als Gehörloser höre ich natürlich Rufe, Beleidigungen, oder ähnliches nicht. Deshalb kommt auch Hektik, die zum Beispiel von Zuschauern ins Spiel gebracht wird, so nicht an mich heran. Somit bin ich auch in meiner Art ruhiger und voll auf das Spiel fokussiert. Bei großen Zuschauerkulissen merkt man natürlich die Lautstärke als eine Art von Strömung am Körper.

Wie können Sie verstehen, was der Coach zum Beispiel in einer Mannschaftsbesprechung sagt, und wie verständigen Sie sich mit Ihren Mitspielern in der Kabine oder beim Teamabend?

Bölker: Ich habe als Sechsjähriger ein Cochlear Implantat bekommen, mit diesem Gerät kann ich zum Teil Gesprächen folgen. Bei einem Teamabend mit mehreren Personen, die durcheinander sprechen, ist das aber nicht möglich. Beim Spiel kann ich das Gerät natürlich auch nicht tragen. Thorsten versucht, bei der Besprechung immer deutlich zu sprechen und hier kann ich vieles vom Mund ablesen. Somit bekomme ich fast alles mit. Mein jüngerer Bruder, der schwerhörig ist, wurde bereits im Alter von drei Jahren operiert. Aufgrund dieser früheren Betreuung ist sein Wortschatz natürlich auch viel größer, da er früher gehört hat. Man sagt immer, dass man ein Wort – inklusive der Zeit im Mutterleib – ca. 1000 Mal gehört haben muss, bevor man dies aussprechen kann. Hier fehlen mir natürlich trotz mehrjähriger Sprachtherapien einige Jahre "Hören".

Sind bei Ihnen andere Sinne – zum Beispiel das Sehen oder auch die räumliche Wahrnehmung – besser ausgeprägt als bei hörenden Menschen?

Bölker: Man sagt immer, dass bei einem fehlenden Sinn die anderen mehr ausgeprägt sind. Das kann ich natürlich so nicht beurteilen, weil ich seit der Geburt taub bin. Ich versuche aber immer, Situationen vorauszuahnen und mit meinem Stellungsspiel viele Situationen erst überhaupt nicht zuzulassen. Ich glaube schon, dass ich manche Szenen schneller erkenne als andere, weil ich keine störenden Geräusche oder Lautstärke wahrnehme. Was anderen durch Rufe vermittelt wird, muss ich vorher schon erkannt haben.

Wollten Sie schon als kleiner Junge Torwart werden?

Bölker: Zuerst war ich nur Feldspieler. Die Torwartgene habe ich aber wohl von meinem Vater und deshalb wurde ich auch von ihm – der mein Trainer war – zwischen die Pfosten gestellt. Eigentlich wäre ich damals aber lieber Feldspieler geworden.

Kinder sind manchmal gemein. Gab es in Ihrer Kindheit oder Jugend Probleme aufgrund Ihrer Behinderung, wurden Sie von Mitspielern gehänselt?

Bölker: Ich bin in Heggen groß geworden. Unsere Familie war und ist im Dorfleben integriert. Ich hatte von Anfang an keine Probleme mit den anderen Kindern. Man wusste von meiner Behinderung und hat dies von Anfang an akzeptiert. Geholfen hat mir natürlich, dass ich talentiert war und meist zu den Leistungsträgern gehörte. Bei der ersten Einladung zur Kreisauswahl Olpe, wo ich mehrere Jahre im Kader war, war der Umgang erst ein bisschen distanzierter, weil man diese Behinderung nicht kannte, aber nach ein paar Minuten Training war das bereits Vergangenheit. Und so war es eigentlich überall. Sport verbindet nun einmal.

Vom Kreisligisten SV Heggen über den Landesligisten SpVg. Olpe zum 1. FC Kaan-Marienborn in die Regionalliga: Für Sie ging es – trotz der Behinderung – in den vergangenen Jahren im Fußball immer weiter bergauf.

Bölker: Mein Ziel ist jetzt, als Stammtorwart mit Kaan in die 3. Liga aufzusteigen. Spaß beiseite. Ich wünsche uns natürlich den Klassenerhalt in der Regionalliga und dazu möchte ich als Stammtorwart meinen Teil dazu beitragen. Es wäre schön, wenn Kaan sich in der Regionalliga etablieren und ich noch einige Jahre höherklassig spielen könnte. Übrigens bin ich schon Weltmeister geworden, das war bei 2008 der Gehörlosen-WM, ich war aber nur der zweite Torwart. Das möchte ich natürlich als erster Torwart auch noch einmal erleben. Bei den Deaflympics (den olympischen Spielen der Gehörlosen, Anm. d.Red.) habe ich in Taipeh in Taiwan und Bulgariens Hauptstadt Sofia als Stammtorwart jeweils die Bronze-Medaille geholt, die Gold-Medaille fehlt mir hier noch. Und bei den Europameisterschaften in Odense in Dänemark waren wir auch Dritter. Hier möchte ich natürlich auch noch einmal angreifen.

Kennen Sie noch andere gehörlose Torhüter oder Feldspieler, die es so weit wie Sie gebracht haben?

Bölker: Gehörlose wie ich sind mir nicht bekannt. Als Schwerhörige gab es: Stefan Markolf, der unter Trainer Jürgen Klopp in der 2. Bundesliga in Mainz gespielt hat. Simon Ollert, der mit 17 Jahren mit Unterhaching in der 3. Liga am Ball war und mittlerweile in der Oberliga spielt, sowie Andre Zapf, der auch in der Regionalliga kickt.

Was machen Sie außerhalb des Fußballs?

Bölker: Mein Arbeitgeber Fischer & Kaufmann in Finnentrop, wo ich als Zerspanungsmechaniker tätig bin, und meine Eltern stehen seit Anfang an voll hinter mir. Insbesondere jetzt im Jahr der Regionalliga, wo der zeitliche Aufwand sehr groß ist, hält man mir den Rücken frei, so dass ich meinen Fokus voll auf den Fußball und mich richten kann. Viel Freizeit habe ich nicht. Am Wochenende schaue ich mir Spiele von Olpe oder Finnentrop/Bamenohl an. Ich fahre auch gerne nach Essen, wo mein Gehörlosenverein GTSV Essen beheimat ist und treffe mich dort mit Kollegen.

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