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Nachgefragt |06.09.2020|18:30

BSC Freiberg: "Weltoffenheit muss man lernen"

"Wir verstehen uns alle richtig gut. Wir haben eine Menge Spaß": Integration beim BSC Freiberg.[Foto: 2020 Getty Images]

In den Medien dominieren die Extreme: Musterbeispiele der Integration auf der einen Seite, nicht hinnehmbare Rassismus-Vorfälle auf der anderen Seite. Doch wie repräsentativ sind diese Berichte für den Amateurfußball in Deutschland? FUSSBALL.DE hat sich bei drei Vereinen in Sachsen, Hamburg und Bayern umgehört. Wie präsent ist Rassismus dort? Ein Lagebild in drei Teilen. Heute: der BSC Freiberg aus Sachsen.

Die Wirklichkeit ist ein scheues Wesen. Wenn man den Geschäftsführer oder die jungen dunkelhäutigen Spieler des BSC Freiberg fragt, ob es rassistische Anfeindungen im Verein gäbe, ob schon mal blöde Sprüche gemacht würden, wird erst mal gelächelt. Der Alltag in dem Mehrspartenverein und der Fußballabteilung mit knapp 300 Mitgliedern sei harmonisch. So etwas gibt es bei uns zum Glück nicht. Alles gut. Und tatsächlich ist der Verein im sächsischen Freiberg ein Ort gelebter unaufgeregter Vielfalt. "Mittlerweile", ergänzt der Geschäftsführer.

Man geht also am späten Nachmittag eines Werktags auf das Gelände - zwei Rasenplätze, ein Kunstrasenplatz - es ist Hochsommer, die Plätze liegen im Sonnenlicht und Mütter mit Kopftuch holen ihre ausgepowerten Jungen vom F-Jugendtraining ab. Schwarze und weiße Jungs ballern drüben noch beim Funino auf die Kleinfeldtore. BSC-Geschäftsführer Maik Uhlig sagt: "Wir haben in fast jeder unserer 17 Erwachsenen- und Jugendmannschaften zwei oder drei Spieler mit Migrationshintergrund oder mit einer Fluchtgeschichte. Alles mittlerweile ganz normal."

Und doch: Kursiert am selben Tag ein Handyvideo in den sozialen Medien, bei dem zu sehen ist, wie ein paar hundert Kilometer nördlich, in Mecklenburg, die Spieler des FC Al Karama von einer Gruppe junger Männer verhöhnt werden. "Wir sind gar nicht rechtsradikal", skandieren sie, einer trägt eine Schweinskopfmaske. "Fußball im Kreis bleibt weiss", heißt eine Facebookseite, auf der die Spiele des FC Al Karama in der Kreisliga Vorpommern-Greifswald annonciert wurden. Der Verein hat sich inzwischen vom Spielbetrieb abgemeldet.

"Hier im Verein erfahre ich seit dem ersten Tag eine große Unterstützung"

Gefragt sind Überzeugung, Haltung und viele Gespräche

Und doch: Muss die Polizei im Oktober 2015 die Ankunft eines Sonderzugs mit 700 Flüchtlingen am Freiberger Bahnhof absichern. Es kommt zu Übergriffen. Die Behörden nennen die Angriffe zu diesem frühen Zeitpunkt der Flüchtlingseinwanderung beispiellos. Und doch: Ärgert sich der E-Juniorentrainer des BSC Freiberg, dass die internationale Mannschaft, die gerade den Aufstieg geschafft hatte, im November 2019 aufgelöst wurde. Rassismus. Im Fußball. Wir haben den BSC Freiberg besucht, um ein Bild zu bekommen. Schafft es der Fußball, Vorurteile abzubauen und Gemeinschaft zu stärken? Die Antwort lautet: Ja. Aber es braucht Überzeugung, Haltung, viele Gespräche.

Maik Uhlig ist ein schlaksiger 37-Jähriger, der schon bei der Neugründung 1995 Vereinsmitglied war. Fünfzehn Jahre spielte er in der Ersten, Landesklasse, ein lauf- und kopfballstarker Verteidiger. Uhlig, Finanzfachwirt, tätig bei einem Immobilienunternehmen, berichtet: "Im Jahr 2015 ging es los. Plötzlich standen die Menschen bei uns auf dem Fußballplatz. Weil die Flüchtlingsunterkunft nur 300 Meter Luftlinie entfernt liegt und weil auch die meisten Flüchtlinge doch gerne Fußball spielen. Gefühlt von einem Tag auf den anderen hatten wir 40 im Verein. Wir fragten uns: Was machen wir jetzt mit denen?"

Dario Jonaca spielt seit rund einem Jahr beim BSC Freiberg Fußball. Der 21-Jährige kam aus Mosambik nach Sachsen und studiert an der Bergakademie Freiberg Geophysik. Im Verein gäbe es keinen Rassismus, sagt Jonaca, wenn dann passiere es im Leben draußen. Jonaca weiß, dass die AfD die stärkste Fraktion im Stadtparlament stellt; er weiß auch, dass es Neonazis in Freiberg gibt. "Wenn ich einen blöden Spruch höre, gehe ich einfach weg", sagt er. "Und hier im Verein erfahre ich seit dem ersten Tag eine große Unterstützung."

Fremdheit löst zunächst Unsicherheit aus

"Niemals ohne Stolz" heißt das Motto des Klubs, und das Wort "Stolz" steht auf der Internetseite in Versalien geschrieben. Sixten Veit, der später sechs Jahre bei Hertha BSC unter Vertrag stand, hat hier das Fußballspielen gelernt. 1995 wurde fusioniert und neu gegründet. "Vor 2015", sagt Uhlig, "hatten wir sehr selten Ausländer im Verein. Wenn dann ein kleiner afrikanischer Junge bei den Bambini anfing, gab es Kinder, die wollten seine Haut anfassen."

Fremdheit sei den Freibergern erst mal sehr fremd gewesen, meint Uhlig und erzählt von einem Trainer, der den Verein verlassen habe, weil er den Kurs der Öffnung als falsch ansah. Wenn drei Frauen aus Flüchtlingsfamilien sich auf eine Wiese am Spielfeldrand setzten, wurde schon gelästert. So etwas mache man doch nicht. "Andere Vereine weigerten sich, gegen unsere internationale Mannschaft zu spielen", sagt Uhlig. "Negative Kommentare und Haltungen resultierten anfangs auch aus Unsicherheit."

Issam Jabbar ist weniger nachsichtig. Der 36-jährige Tunesier trainierte die internationale Mannschaft des BSC. Auf den Aufstieg aus der Kreisliga folgte im November die Auflösung. "Das war nicht schön. Wir hatten 30 Spieler, und nur eine Handvoll wurde auf die 2. Mannschaft und Nachbarvereine aufgeteilt." Der ehemalige Lizenzspieler des 13-maligen tunesischen Meisters Club Africain sagt: "Das eine Jahr, der Aufstieg, das hat Spaß gemacht. Aber wir haben in der Liga auch viel Gegenwind bekommen."

Handschlag beim Auswärtsspiel verweigert

Der Handschlag sei ihnen bei manchen Auswärtsspielen verwehrt worden. Jabbar erwirbt jetzt die B-Lizenz als Trainer, seine beiden Söhne, sechs und drei Jahre alt, spielen im Verein Fußball. Er kam 2015 nach Sachsen und hat gerade eine Ausbildung zum Erzieher begonnen. Für sich und seine Familie blickt er optimistisch in die Zukunft. Er sagt aber auch: "Ausländerfeindlichkeit - das wird eher schlimmer als besser."

Kalaib Embaye kam vor sechs Jahren mit seiner Mutter und Schwester aus Eritrea nach Deutschland und spielt Rechtsverteidiger in der A-Jugend. Er erzählt, wie ein junger Typ, kahl rasiert, eine Flasche Bier in der Hand, ihn einmal angeblafft habe, Kalaib solle ihn gefälligst nicht anschauen. Den Kopf senken. "Aber ich war mit Freunden da, wir sind also auf ihn zugegangen und haben gefragt: ‚Warum?‘" In der A-Jugend spielen mit Kalaib, Dhimitri und Raswan drei junge Männer mit Migrationshintergrund, der Rest der Mannschaft sind Sachsen.

Toleranz und Weltoffenheit lernen

"Wir verstehen uns alle richtig gut. Wir haben eine Menge Spaß", erzählt Kalaib lachend. Melanie Wotsch stammt aus Bayern. Der Job brachte sie nach Freiberg, sie ist Integrationslotsin beim Kreissportbund Mittelsachsen. Vor ein paar Wochen hatte der KSB Jimmy Hartwig zu einem Webtalk mit Vereinen eingeladen. "Was mache ich, wenn meine Mitspieler den Teamkollegen mit Migrationshintergrund dauernd anfeinden?", fragte ein Teilnehmer. Wotsch sagt, sie selbst erlebe so etwas selten. Sie organisiert Freizeiten, leitet Projekte, redet zu Schulklassen über Integration. "Ich habe einfach meistens mit Machern zu tun. Das Konstruktive überwiegt", sagt sie.

Auch Sven Krüger, Oberbürgermeister der Stadt, lobt die Leistung des BSC: "Es freut mich sehr, dass sich unser BSC Freiberg so für Integration stark macht - und das kontinuierlich. Denn Integration kann nur gelingen, wenn wir den Zugewanderten eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft ermöglichen."

"Wir haben rund 600 Mitglieder im Verein. Klar kracht es da mal. Manches wird offen nicht angesprochen, das ist vielleicht noch schlimmer", sagt Maik Uhlig. "Aber unterm Strich bin ich zufrieden. Wir haben auch als Verein einen langen Weg seit 2015 zurückgelegt. Man muss Toleranz und Weltoffenheit auch erst mal lernen." Der BSC Freiberg leistet hierfür einen wichtigen Beitrag.

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