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Brüder packen an|01.09.2017|09:00

Buß-Zwillinge: Visionäre aus dem Niemandsland

Unsere FUSSBALL.DE-Kultfiguren der Woche: Die Zwillinge Thomas und Ludger Buß (von links) von Vorwärts Epe. [Foto: Bunse]

Ludger und Thomas Buß. Für Vorwärts Epe sind die Zwillinge mindestens so wichtig wie die wiedervereinigten Bender-Brüder für Bayer Leverkusen oder die Kremers einst für den FC Schalke 04. Deshalb sind sie unsere FUSSBALL.DE- Kultfiguren der Woche.

Gronau-Epe, Münsterland. Zwei Kilometer bis zur niederländischen Grenze. Natur pur, soweit das Auge reicht. Daher ist es wohl auch kein Zufall, dass sich das üppige Grün auch in den Vereinsfarben von Vorwärts Epe wiederfindet. Dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen und der Hirsch das Vereinslogo ziert, würde man kaum einen der fortschrittlichsten Amateurvereine in Sachen Mitarbeitergewinnung bundesweit vermuten. Und doch ist es so. Denn als einer von nur vier Klubs im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) nahm der Bezirksligist an dem inzwischen erfolgreich abgeschlossenen Pilotprojekt „Mitarbeiterentwicklung im Ehrenamt“ teil.

Und das verdankt Vorwärts Epe seinen Zwillingen Thomas und Ludger Buß. Seit 45 Jahren prägen die 56-jährigen Brüder maßgeblich den Klub aus dem Münsterland. Aber ihre Arbeit ist nicht nach hinten gerichtet, nicht ewig gestrig. Die Visionäre haben vielmehr das Wort „Vorwärts“ im Klubnamen wörtlich genommen und den Verein für die Zukunft gerüstet. Traditionen leben, aber Chancen erkennen, das ist stark.

Was ist geschehen? Zu Beginn des Jahres 2014 hatte Vorwärts Epe als einer von vier Referenzvereinen im FLVW die Chance beim Schopf gepackt, die eine völlig neue Herangehensweise des Mitarbeitermanagements den Vereinen bietet. Zwillinge, so sagt man ja, sind selten einer Meinung. Hier war es anders. Beide Brüder waren sich einig, dass etwas geschehen muss, will man den Verein auch über ihre Generation hinweg personell gut aufstellen.

"Wir haben zwar vor 2.500 Zuschauern 0:5 verloren, uns aber in allen Bereichen toll präsentiert"

Aber Mitarbeitermanagement - was ist das überhaupt? „Auf jeden Fall eine spannende Sache“, erklärt Thomas Buß. „Wir alle wissen doch: Die Gewinnung und Bindung von ehrenamtlichen Mitarbeitern ist eine Kernaufgabe eines Fußballvereins und zugleich eine der schwierigsten. Da erging und ergeht es uns nicht anders, als vielen anderen Mitstreitern auch.“

Thomas Buß leitet den Verein seit sieben Jahren als 1. Vorsitzender, sein Bruder Ludger war in den vergangenen drei Jahren als Mitarbeitermanager maßgeblich für die Umsetzung des Projektes verantwortlich. Zuvor hatten beide bereits verschiedenste Funktionen inne.

„Mit dem strukturierten Mitarbeitermanagement wird das Recruiting und die Bindung von Helfern auf eine völlig neue Basis gestellt“, erklärt Ludger Buß. „Denn solche Typen wie meinen Bruder und mich, die dem Verein nun schon seit vielen Jahrzehnten ununterbrochen die Stange halten und sich in verschiedensten Funktionen bereit stellen, wird es künftig immer weniger geben.“

Die Buß-Zwillinge haben noch die klassische Karriere genommen. Das Fußballspielen begannen sie – natürlich vom Vater Heinrich Buß vererbt – ausgerechnet beim Ortsrivalen FC Epe . Das Verhältnis zwischen beiden Vereinen sei in etwa so herzlich wie zwischen Borussia Dortmund und dem S04. Als Heinrich jedoch in eine Vorwärts-Familie eingeheiratet hat, gab er irgendwann nach und wechselte für sich und seine Söhne die Farben. Erst noch Trainer bei den Einen, engagierte er sich fortan bis zu seinem Tod in verschiedenen Funktionen bei den Anderen. Und lebte seinen Kindern vor, was es heißt, sich für andere einzusetzen.

Doch das sei in der schnelllebigen Zeit mit häufig wechselnden Arbeitsplätzen und Lebenssituationen selbst auf dem Land nicht mehr üblich. Deshalb müssten neue Wege beschritten werden.

„Viele potenzielle Helfer befürchten, dass sie dauerhaft gebunden sind, wenn sie einmal bei etwas mitmachen. Deshalb geht es auch darum, diese Ängste zu nehmen. Helfer können auch sehr nützlich sein, wenn sie sich nur für einen bestimmten Zeitraum oder ein bestimmtes Projekt engagieren“, verdeutlicht Ludger Buß. Als Beispiel nennt er den geplanten Neubau des Vereinsheims von Vorwärts Epe, den Architekten mit ihrem Wissen und ihrer Kompetenz temporär begleiten werden.

Seine Feuerprobe bestand das System, als beim Achtelfinale im Westfalenpokal gegen den vier Klassen höher spielenden amtierenden A-Junioren-Meister Borussia Dortmund im April plötzlich viele helfende Hände zusätzlich benötigt wurden. „Wir haben zwar vor 2.500 Zuschauern 0:5 verloren, uns aber in allen Bereichen toll präsentiert“, so Thomas Buß.

„Fragebogen-Aktionen über die Interessen unserer Mitglieder oder Themenabende zur Mitarbeitergewinnung waren auch für uns Neuland. Aber es hat sich gelohnt“, nickt sein Bruder Ludger. Und regt zur Nachahmung an. „Wir sind während der dreijährigen Erprobungsphase von unserem Coach Heinz Wassmann vom FLVW ganz toll und professionell unterstützt worden und werden das Mitarbeitermanagement auf jeden Fall fortführen.“

Er selbst hat das Amt des Mitarbeitermanagers bei Vorwärts Epe inzwischen an Frederick Feldhues abgetreten. „Ein junger, zuverlässiger Lehrer, der das ganz toll macht“, nickt Buß. Etappenziel erreicht. Denn mit Beginn der neuen Saison kann er sich somit wieder seiner Lieblingsbeschäftigung zuwenden und als Trainer der Minikicker und der F-Jugend selbst auf dem Platz stehen. „Die Arbeit auf viele Schultern zu verteilen, das ist doch das, was es ausmacht“, nickt sein Bruder. Thomas Buß wird auch im kommenden Jahr weiterhin 1. Vorsitzender des Vereins bleiben. „Wir freuen uns zwar über jede helfende Hand. Aber so ganz ohne Vorwärts könnten wir doch auch gar nicht“, sagen beide.

Und dann steht da ja auch noch ein besonderes Jubiläum an. Wenn der Verein in sechs Jahren 100 Jahre alt wird, blicken die Zwillinge auf genau 100 Jahre Vereinstreue zurück. Je 50 Jahre für Thomas und 50 Jahre für Ludger. „Lebe deinen Traum“ steht auf der Trainerbank neben dem schmucken Kunstrasenplatz auf dem Trainingsgelände. Beide lächeln. Wieder sind sie sich einig. Zum Glück für Vorwärts Epe.

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