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Soziale Aktion|21.12.2016|06:30

Schwer kranke Zwillinge: Der ganze Klub hilft

Der SV Pesterwitz wurde mit der Sepp-Herberger-Urkunde ausgezeichnet. [Foto: SV Pesterwitz privat]

Im Mannheimer Rosengarten wurden die Sepp-Herberger-Urkunden 2016 verliehen. Insgesamt 13 Fußballvereine erhielten in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk die mit Geld- und Sachpreisen in einer Gesamthöhe von 58.000 Euro dotierten Auszeichnungen. Den Sonderpreis in der Kategorie Sozialwerk erhält der SV Pesterwitz aus Sachsen.

In dem Verein aus der 1. Kreisklasse aus der Nähe von Dresden spielten in der F3-Jugend die siebenjährigen Zwillinge Ricard „Ricky“ und Kendrick „Kenny“. In der Schule stellt ein Lehrer im Laufe der Zeit besorgt und mahnend bei Ricky fest: „Es ist, als ob er sich zurückentwickelt.“

Im Krankenhaus dann die niederschmetternde Diagnose: Beide leiden an X-ALD (Adrenoleukodystrophie), einer seltenen und lebensbedrohlichen Stoffwechsel-Erkrankung. Torsten Rönsch und Thomas Hesse, die beiden Trainer der Nachwuchsmannschaft, schlugen Alarm. Bei Ricky war das Nervensystem schon angegriffen, aber Kenny könnte durch eine Stammzellentransplantation noch geholfen werden.

Unterstützung von Weltmeister Boateng

Für den 14. November 2015 rief der Verein zu einem Spenden- und Registrierungstag auf. 3.747 Menschen kamen. Deutlich mehr, als der SV Pesterwitz sonst bei Heimspielen begrüßen darf. Organisator Hesse: „Für Kenny ist ein Stammzellenspender gefunden worden. Ob er unter unseren Besuchern war, hat die Klinik aus Datenschutzgründen nicht verraten. Aber jedenfalls war es ein bewegender Moment, eine Menschenschlange dieses Ausmaßes vor unserem Vereinsheim zu sehen. Das war für alle in unserem Klub eigentlich unvorstellbar.“

Finanzielle Unterstützung kam auch von Dynamo Dresden, Erzgebirge Aue, Bundesligist 1899 Hoffenheim, weiteren Vereinen aus der Region sowie von Weltmeister Jérôme Boateng als Botschafter der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei). Auch der Sächsische Fußball-Verband unterstützte die Aktion. Hesse: „Wir haben für Ricky Gott und die Welt in Bewegung gesetzt. Wir haben mit Ärzten in den USA und Spezialisten in Paris telefoniert. Die Ärzte testen in Abstimmung mit seinen Eltern an ihm Medikamente, die noch im Versuchsstadium sind. Wir geben nicht auf.“

Und was bedeutet die Sepp-Herberger-Urkunde für den engagierten Verein? Hesse: „Sie ist in einer kleinen Stadt Ausdruck für die Sinnhaftigkeit des Sports, der verbindet, wo Menschen den Menschen helfen. Andererseits frage ich mich: Weshalb bekommen wir einen Preis, wenn wir das Normalste der Welt tun?“

Die Übersicht der Preisträger der Sepp-Herberger-Urkunden 2016

Behindertenfußball
1. Platz (5.000 Euro) SV Werder Bremen 2. Platz (3.000 Euro) TSG Wilhelmsdorf (Württembergischer FV)
3. Platz (2.000 Euro) SuS Volmarstein (FuLV Westfalen)

Resozialisierung
1. Platz (5.000 Euro) Gerd Mewes (Hamburger FV)
2. Platz (3.000 Euro) SV Germania Adelsheim (Badischer FV)
3. Platz (2.000 Euro) Schiedsrichter-Vereinigung Rhein-Pfalz (Südwestdeutscher FV)

Schule und Verein
1. Platz (5.000 Euro) SG Oleftal/SG 92 (FV Mittelrhein)
2. Platz (3.000 Euro) FC Homburg (Saarländischer FV)
3. Platz (2.000 Euro) TSV 1862 Friedberg (Bayerischer FV)

Fußball Digital
1. Platz (5.000 Euro) VfL 08 Vichttal (FV Mittelrhein)
2. Platz (3.000 Euro) 1. FC Egestorf/Langreder (Niedersächsischer FV)
3. Platz (2.000 Euro) FV Oberlauda (Badischer FV)

Sozialwerk
Sonderpreis (5.000 Euro) SV Pesterwitz (Sächsischer FV)

Zusätzlich zum jeweiligen Geldpreis erhielten alle 13 Preisträger einen Hard-/Softwaregutschein in Höhe von 1.000 Euro.



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