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WM-Halbfinale |10.07.2018|14:00

Deutsch-Belgier Jansen: Sein Vorbild war Kahn

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Dennis Jansen vom Spielverein Breinig.[Foto: privat (2) / Collage: FUSSBALL.DE]

Breinig, ein Ortsteil von Stolberg an der deutsch-belgischen Grenze bei Aachen. Die Häuser in der Gegend sind bei großen Fußballturnieren traditionell in drei Farben geschmückt: Schwarz, rot und gelbgold, eben die Fahnen beider Nationen, die sich hier und dort nahezu täglich begegnen. Auch beim Mittelrheinligisten Spielverein Breinig stehen traditionell Deutsche und Belgier gemeinsam auf dem Platz, im aktuellen Kader von Trainer Michael Burlet sind es Torhüter Denis Jansen und Abwehrkicker Cedric Laschet, nachdem in Keeper Nisar Ahmad Goraya ein weiterer Deutsch-Belgier gerade zu Germania Teveren abgewandert ist.

Denis Jansen, Mutter Belgierin und Vater Deutscher, geht in sein drittes Jahr beim SVB. In der Jugend stand er 13 Jahre beim FC Eupen im Tor, ehe er sich Rot-Weiß Eynatten anschloss und dann den Sprung in den deutschen Fußball wagte. „In 20 Minuten bin ich mit dem Auto in Breinig, das ist gar kein Problem“, sagt Jansen, der als Referent für Pflege und Gesundheit im Ministerium der deutschsprachigen Gemeinschaft in Ostbelgien tätig ist.

Im Interview mit FUSSBALL.DE gibt Jansen zu, dass er gerne den vermeintlichen Underdog Belgien gegen England im Finale sehen würde und warum der bisher überragende Thibaut Courtois trotzdem nicht sein Vorbild ist.

FUSSBALL.DE: Denis Jansen, was ist in diesen Tagen beim SV Breinig an der deutsch-belgischen Grenze los, wenn die 'Roten Teufel' gegen Frankreich spielen und den möglichen neuen Weltmeister ausmachen, nachdem der amtierende Champion Deutschland längst nach Hause fahren musste?

"Ich bewundere Manuel Neuer, der das Torwartspiel revolutioniert hat"

Denis Jansen: Noch ist es ziemlich ruhig im Verein, da wir erst am Samstag mit der Vorbereitung auf die neue Saison beginnen. Aber natürlich hätten wir beiden Belgier in der Truppe und sicher auch viele andere beim SV Breinig nichts dagegen, wenn wir am Sonntagabend zum Finale ein Public Viewing auf dem Vereinsgelände veranstalten würden – vorausgesetzt, Belgien ist im Endspiel dabei.

Wie schätzen Sie die Chancen dafür ein?

Jansen: Frankreich ist im Halbfinale der klare Favorit. Sie spielen seit Jahren auf höchstem Niveau und haben bei der EM im eigenen Land vor zwei Jahren den Weltmeister Deutschland rausgeschmissen, bevor es im Finale gegen Portugal unglücklich nicht zum Titelgewinn gereicht hat. Der Kader ist unglaublich stark besetzt, sowohl was die Topspieler vor allem in der Offensive angeht, als auch in der Breite. Im Grunde ist jeder Position doppelt oder sogar dreifach stark besetzt, was bei uns in der Defensive nicht der Fall ist.

Trotzdem hat Belgien bei der WM bisher mehr überzeugt und im Viertelfinale sogar das große Brasilien geschlagen!

Jansen: Ja, das war schon eine sehr starke Vorstellung, allerdings leben wir in erster Linie von unserer Offensivkraft durch De Bruyne, Hazard und Lukaku. Die Abwehr hingegen ist anfällig, das hat man gegen Brasilien gesehen. Insgesamt ist Frankreich also ausgewogener bestückt, aber das will in einem WM-Halbfinale nicht unbedingt etwas heißen. Die Franzosen werden ihre belgischen Nachbarn bestimmt nicht unterschätzen, so wie es Brasilien sicher ein wenig getan hat.

Belgien wurde ja in den letzten Jahren bei großen Turnieren gerne als Geheimfavorit gehandelt – aber eben immer mit der Einschränkung „geheim“. Warum ist das angesichts dieses tollen Teams so?

Jansen: Das hat damit zu tun, dass Belgien ein kleines Land ist, ähnlich wie Uruguay oder auch Kroatien, und dem schon deshalb nicht der ganz große Coup zugetraut wird. Außerdem haben wir lange gebraucht, um wieder in die Spitze des Weltfußballs zu gelangen. Das Erreichen des Viertelfinals bei der WM 2014 in Brasilien und auch bei der EM 2016 in Frankreich waren ja die ersten Erfolge bei großen Turnieren, nachdem wir uns ein paarmal gar nicht für die WM und EM qualifizieren konnten. Das letzte Halbfinale datiert von 1986, daher bringt Belgien nicht wirklich viel Erfahrung für solch große Spiele mit. Aber jetzt können wir nichts mehr verlieren und gehören meiner Meinung nach auch grundsätzlich wieder zu den Top vier der Welt.

Mit einem überragenden Torhüter! Kann Ihr 'Arbeitskollege' Thibaut Courtois der entscheiden Mann für den Einzug ins Finale werden?

Jansen: 'Arbeitskollege' ist gut.  (lacht)  Er hat schon ein anderes Niveau als ich...Thibaut Courtois gehört für mich zu den drei besten Keepern der Welt, hinter Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen. Was er draufhat, zeigt er jetzt bei der WM, vor allem gegen Brasilien war er überragend und ist eine ganz wichtige Stütze der belgischen Mannschaft.

Ist er auch Ihr Vorbild?

Jansen: Nein, er ist ja jünger als ich. Als ich kleiner war und beim FC Eupen angefangen habe, Fußball zu spielen, war Oliver Kahn mein Vorbild. Ich habe immer seine Charakterstärke und Arbeitsmoral bewundert und bin ähnlich ehrgeizig wie er. Aber natürlich bewundere ich auch Manuel Neuer, der das Torwartspiel komplett revolutioniert hat. Ich schaue mir einige Dinge von ihm ab, aber natürlich auch von anderen Torhütern wie Thibaut Courtois.

Wie erleben Sie selbst als Deutsch-Belgier die WM?

Jansen: Ein wenig zwiegespalten. Von meinen belgischen Freunden wurde ich vor Beginn der WM immer hochgenommen, dass ich ja mehr ein Deutscher sei. Ich muss zugeben, dass das frühe Aus nach der Vorrunde für mich genauso herzzerreißend war wie das Aus der Belgier bei der letzten EM. Jetzt ist es relativ einfach, da Deutschland nicht mehr dabei ist und ich zum Land meiner Mutter halten kann. Die Stimmung hier auf der anderen Seite der Grenze ist fantastisch, das ganze Land, das ja immer auch ein wenig gespalten ist, hält zur Nationalelf und ist sehr stolz auf das Erreichte.

Und im Endspiel gegen wen?

Jansen: Die Kroaten sind mit ihrem Super-Mittelfeld sehr stark, aber ich würde mich mehr über ein Duell Belgien gegen England freuen. In meinem Urlaub in Portugal und Spanien habe ich viele nette Engländer getroffen, denen würde ich den Einzug ins Finale gönnen.

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