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Amateurstatistiken

Gewaltproblem |11.12.2019|17:00

Dr. Vester: "Kein Patentrezept gegen Gewalt"

Dr. Thaya Vester: "Wenn ein Schiedsrichter einmal Opfer geworden ist, fühlt er sich nicht mehr so sicher wie vorher."[Foto: wfv]

"Zielscheibe Schiedsrichter – immer noch?" – so lautet die kürzlich von Dr. Thaya Vester veröffentlichte Langzeitstudie zum Thema Sicherheitsgefühl und Opferwerdung von Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern im Amateurfußball, die sie in Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Fußballverband (wfv) durchgeführt hat. Mit FUSSBALL.DE hat die 37 Jahre alte Kriminologin über ihre Ergebnisse gesprochen.

FUSSBALL.DE: Gewalthandlungen im Fußballsport – ein hitziges Thema, über das seit vielen Monaten immer häufiger in den Medien berichtet wird. Hat sich hieraus auch Ihr Interesse entwickelt, das Thema "Gewalt gegen Schiedsrichter" genauer zu untersuchen?

Dr. Thaya Vester: Ja, tatsächlich spielten die Medien dabei eine Rolle. Ich bin Kriminologin und befasse mich daher mit Gewalt- und Straftaten. Mein Chef und ich sind zudem große Fußballfans und er hat eines Tages beim Mittagessen erwähnt, er hätte das Gefühl, dass in den Medien immer häufiger über Gewalt im Fußball berichtet werde. Daher stellte sich uns die Frage: Ist das denn tatsächlich so? Nach einer Recherche haben wir festgestellt, dass dazu so gut wie gar nicht beziehungsweise nur vereinzelt geforscht wird. So entstand die Idee, die Fragestellung von kriminologischer Seite intensiver zu beleuchten.

Sie haben innerhalb von fünf Jahren zwei Vollerhebungen der Schiedsrichter im wfv durchgeführt: Ist die Thematik "Gewalt im Fußball" denn nur momentan auf der Medien-Agenda oder kann tatsächlich von einer Zunahme der Quantität und Qualität von Gewalt gegenüber Schiedsrichtern gesprochen werden?

"Die meisten Gewaltvorfälle gibt es zur klassischen Zeit der Trainerentlassungen"

Dr. Vester: Die tatsächliche individuelle Belastung ist weitestgehend identisch geblieben. Wir können sagen, dass die Gewalt gegen Schiedsrichter auf der personellen Ebene und auch bezüglich der Zahl der gesamten Vorfälle definitiv nicht zugenommen hat. Das mag gerade gefühlt keiner glauben, weil einem über die Medien etwas anderes suggeriert wird. Dabei ist jedoch wichtig, wie die Thematik erfasst und was vermittelt wird. In absoluten Zahlen haben wir natürlich sehr viele Fälle, weil es wöchentlich sehr viele Fußballspiele gibt und dies in absoluten Zahlen auch eine hohe Opferzahl bedeutet. Es gibt an jedem Wochenende leider mindestens einen Schiedsrichter, der über eine Gewalttat berichten kann. Nicht im Blick hat man dabei aber die 50.000 anderen, denen nichts passiert.

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum das Thema dann trotzdem momentan überall aufgefasst und medial aufbereitet wird?

Dr. Vester: Diese Wucht hat mich tatsächlich etwas überrascht und die eigentlich schlechte Nachricht ist ja, dass das Gewaltproblem schon seit langer Zeit konstant vorhanden ist. Es gibt aber bislang keine Hinweise der Brutalisierung, ansonsten würde festgestellt werden, dass etwa die Spielabbrüche in die Höhe gehen. Vielmehr hat das etwas mit der Sensibilisierung zu tun, die generell angebracht und gut ist. Neu ist zudem vor allem die Qualität der Dokumentation und damit wortwörtlich die Sichtbarkeit, weil es inzwischen von fast jedem Vorfall auch ein Handyvideo gibt. Das ist einfach deutlich eindrücklicher als etwa nur ein einzelner Satz in der Zeitung, der einen emotional nicht auf dieselbe Weise mitnimmt. Alle, die das Video angucken, sind danach fassungslos und wollen, dass gegen die Gewalt etwas unternommen wird. Nur ein Patentrezept gibt es leider nicht.

Ganz konkret: Wie geht es den Unparteiischen auf dem Fußballplatz, wie sicher fühlen sie sich?

Dr. Vester: Die meisten Schiedsrichter fühlen sich grundsätzlich sicher auf dem Platz. Das hat aber auch damit zu tun, dass sie ordentlich selbstbewusst sein müssen und sonst gar nicht erst pfeifen würden. Auch im Privatleben haben sie ein höheres Sicherheitsgefühl als die Durchschnittsbevölkerung. Das Anliegen des Fußballs sollte daher weniger sein, das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, sondern es vielmehr nicht zu verringern. Das Sicherheitsgefühl ist ebenso eng verknüpft mit der Opferwerdung. Und wenn ein Schiedsrichter einmal Opfer geworden ist, fühlt er sich nicht mehr so sicher wie vorher, selbst wenn der Vorfall schon Jahre zurückliegt.

Können gewisse Akteure oder Gruppen ausgemacht werden, die besonders oft gewaltbereit handeln?

Dr. Vester: Hierbei muss zunächst zwischen Gewalt, verbaler Gewalt und Aggressionen unterschieden werden. Ich habe die Schiedsrichter gefragt, welche Personengruppen besonders aggressiv auf sie wirken, und tatsächlich sind es eher Eltern, Zuschauer und Trainer – also Personengruppen von außen und gar nicht die Spieler selbst. Bei körperlicher Gewalt sieht es etwas anders aus, da diese meistens von den Spielern ausgeht. Ein Beispiel sind Einwechselspieler, die schon sehr emotional aufgeladen auf den Platz kommen. Sie gehen dann womöglich vollkommen übermotiviert in den Zweikampf, der Schiedsrichter gibt ihnen hierfür Gelb und alles nimmt seinen Lauf. Das ist eine typische Konfliktspirale. Für solche Situationen müsste man Spieler, Trainer und Schiedsrichter sensibilisieren.

Tatsächlich gibt es – schaut man in die Statistik – saisonale Schwankungen der Gewaltbereitschaft im Laufe eines Jahres. Vor allem im Spätherbst kann ein Anstieg beobachtet werden. Welche Gründe stecken dahinter?

Dr. Vester: Wir können eine Wellenbewegung beobachten und ja, die allermeisten Vorfälle gibt es tatsächlich in der zweiten Hälfte der Hinrunde. Man hätte erwarten können, dass es, wie im Spielverlauf, am Ende der Saison hitziger wird. Die meisten Gewaltvorfälle gibt es allerdings zur klassischen Zeit der Trainerentlassungen. Dies spricht dafür, dass die Gewaltbereitschaft zunimmt, wenn enttäuschte Erwartungshaltungen zutage treten.

In Ihrer Auswertung haben Sie auch zwischen Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern unterschieden. Was konnten Sie feststellen?

Dr. Vester: Beim Thema körperliche Gewalt werden Frauen deutlich seltener Opfer. Sie sind aber in besonders hohem Maße verbaler Gewalt ausgesetzt. Wird zusätzlich der Faktor beachtet, dass Frauen insgesamt auf viel kürzere Karrieren zurückblicken, durchschnittlich fünf Jahre gegen 16 Jahre, fallen diese Zahlen noch viel gravierender ins Gewicht. Das Entscheidende ist auch der Umgang mit der Gewalt. Frauen neigen dazu, den Fehler bei sich zu suchen oder arbeiten die Situation defensiv auf, anstatt deutlich zu sagen: "Das lassen wir uns nicht bieten."

Inwiefern können Sie Ihre Ergebnisse, die sich auf den Württembergischen Fußball beziehen, auf die komplette Bundesrepublik übertragen? Gibt es Regionen, die deutlich häufiger von Gewalt betroffen sind?

Dr. Vester: Württemberg ist der viertgrößte Landesverband, großstädtisch, aber auch dörflich, und deckt dadurch schon einiges ab. Aber wir können einen Flächenstaat nicht mit einem Stadtstaat vergleichen. Im Nordschwarzwald beispielsweise passiert nichts im Gegensatz zu Stuttgart. Und das ist in anderen Regionen auch so, es gibt deutlich mehr Probleme in den Großstädten, und es ist schwierig auszumachen, woran das letztlich liegt. Es hat aber durchaus mit sozialer Kontrolle zu tun. Die Anonymität in den Großstädten dürfte daher eine Rolle spielen, sodass die Spieler anders miteinander umgehen als auf dem Dorfplatz, wenn man Gegner oder Schiedsrichter am nächsten Tag auf der Straße über den Weg laufen könnte.

Vor einigen Wochen haben Sie in einer Expertenrunde unter anderem mit DFB-Bundesliga-Schiedsrichter Markus Schmidt und Sportsoziologe Prof. Dr. Ansgar Thiel über die Erkenntnisse aus Ihrer Studie und die generelle Problematik diskutiert. Was konnten Sie aus dem Gespräch mitnehmen?

Dr. Vester: Besonders interessant waren für mich die Ausführungen von Herrn Schmidt über seine Erfahrungen bezüglich der Einführung der Gelben Karte für Trainer im Profibereich. Eigentlich ist es verrückt, welche Widerstände es gibt, wenn es darum geht, das Fehlverhalten von Trainern zu sanktionieren. Leider stellt das Profiwesen hier ein schlechtes Vorbild für die Amateure dar.

Welchen Eindruck haben Sie in Bezug auf die Basis, wie ist hier die Wahrnehmung zum Themenkomplex?

Dr. Vester: Grundsätzlich herrscht an der Basis das Gefühl, dass zu wenig passiert. Das ist schade, weil der DFB viel unternimmt und sich viele Leute mit dem Thema beschäftigen. Es gibt unglaublich viele Maßnahmen, die nur leider nicht überall flächendeckend bei den Amateuren ankommen

In einem speziellen Projektteam, für das Sie letzte Woche von den Präsidenten der Regional- und Landesverbände das "Go" bekommen haben, können Sie an diesen Stellschrauben drehen und somit Maßnahmen gegen Schiedsrichtergewalt vertiefen und konkretisieren. Was ist der Plan?

Dr. Vester: Ganz grundsätzlich haben wir uns auf die Fahne geschrieben, dass jeder Landesverband in Zukunft über Angebote auf verschiedenen Präventionsebenen verfügen soll – vor, während und nach dem Spiel. Die Arbeitsgemeinschaft "Fair Play & Gewaltprävention" des DFB hatte im Vorfeld erhoben, welche Präventionsmaßnahmen, die explizit dem Schutz von Schiedsrichtern dienen, bei den Landesverbänden bereits etabliert sind. Auf Basis dieser Informationen wollen wir die identifizierten Angebotslücken schließen. Zudem ist es von großer Wichtigkeit, die bereits bestehenden Angebote besser öffentlich zugänglich zu machen – sowohl für die Landesverbände als auch für jeden einzelnen Unparteiischen. Zusätzlich soll das Lagebild verbessert werden. Dafür analysieren wir zuerst alle hocheskalierten Spiele der vergangenen Saison, um herauszufinden, was dort schiefgelaufen ist und warum bisherige Maßnahmen dort nicht gegriffen haben.

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