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Amateurteams im DFB-Pokal|11.08.2014|09:45

"Ein Jahrhundertereignis für uns alle"

Das Spiel gegen Leverkusen ist der Höhepunkt seiner Trainer-Laufbahn: André Weingärtner. [Foto: SV Alemannia Waldalgesheim]

Die fünfte Saison bei Alemannia Waldalgesheim ist für André Weingärtner eine ganz besondere. Denn nach dem Abstieg aus der Oberliga in der vergangenen Saison peilt der 37-jährige Trainer nicht nur den direkten Wiederaufstieg an. Mit dem DFB-Pokal steht zudem der Höhepunkt seiner noch jungen Trainerkarriere an, die ihn nach einer Spielzeit im Juniorenbereich und sieben Jahren als DFB-Stützpunkttrainer nach Waldalgesheim führte. Am 15. August trifft er nun zum Auftakt des DFB-Pokals mit seiner Mannschaft auf Bayer 04 Leverkusen. Mit FUSSBALL.DE sprach Weingärtner über die Kunst der Kabinenansprache, realistische Zielvorgaben und die Nervosität bei ihm und seinen Spielern.

Herr Weingärtner, der Auftakt in die Verbandsligasaison ist Ihnen durch einen Auswärtserfolg in Ingelheim geglückt. Wie zufrieden waren Sie mit der Leistung Ihrer Mannschaft?
André Weingärtner: Wir wussten nicht wirklich, was auf uns zukommt, da Ingelheim eine ganz neue Mannschaft hatte. Nach einer unnötigen gelb-roten Karte mussten wir zudem 65 Minuten in Unterzahl spielen. Unter diesen Gesichtspunkten war ich mit dem Auftakt zufrieden, auch wenn wir fußballerisch und spielerisch noch zulegen müssen. Wir haben sehr gut verteidigt, nur wenige Chancen zugelassen und durch ein Standardtor sehr routiniert das 2:0 gemacht.

Nur noch zehn Tage sind es bis zum großen DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Weingärtner: Diese Bundesliga- oder Profiluft zu schnuppern. Ob das der Handshake mit Roger Schmidt sein wird oder die Pressekonferenz nach dem Spiel oder die ganzen Dinge, die jetzt schon im Vorfeld passieren. Da merkt man einfach, dass es ein ganz besonderes Spiel ist. Im Grunde ist es ein Jahrhundertereignis für den Kreis Bingen, den Verein, die Spieler, den Vorstand, das ganze Dorf und natürlich für mich.

Sind Sie mit Leverkusen als Gegner zufrieden oder hätten Sie sich ein anderes Team gewünscht?
Weingärtner: Wir möchten nicht vermessen sein und uns die Rosinen herauspicken. Mit dem Los Bayer Leverkusen sind wir überglücklich. Sie gehören zur nationalen Spitze und das nicht erst seit ein paar Jahren, sondern seit Jahrzehnten. Sie waren mehrere Male in der Champions League und sind daher nicht vergleichbar mit irgendeiner Bundesligamannschaft, sondern gehören zu den Top Four. Wir haben also ein tolles Los gezogen, wollen uns als guter Gastgeber präsentieren, werden uns wehren und alles in die Waagschale werfen. Aber die Chancen auf das Weiterkommen tendieren eigentlich gegen Null.

"Die Chancen auf das Weiterkommen tendieren gegen Null"

Wie intensiv haben Sie sich schon mit der Werkself befasst?
Weingärtner: Aufgrund unseres ersten Heimspiels in der Verbandsliga hat die Vorbereitung auf Leverkusen im Grunde noch überhaupt nicht angefangen. Dennoch setzt man sich damit natürlich auseinander. Als passionierter Fußballanalytiker ertappe ich mich immer wieder dabei, wie mich Bayer Leverkusen nun weitaus mehr interessiert als andere Bundesligisten, wenn es um Informationen oder Eindrücke über das Trainingslager geht. Egal ob ich den kicker durchblättere, Zeitung lese, im Videotext nachschaue oder im Internet nachforsche.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesen Recherchen?
Weingärtner: Erkenntnisse für sein eigenes Spiel kann man daraus nicht wirklich ziehen. Man darf ja nicht vergessen: Ich müsste meine Spieler darauf hinweisen, in welchen Bereichen Leverkusen internationale Spitzenklasse, in welchen Bereichen sie nationale Klasse besitzen und in welchen Bereichen sie möglicherweise nur unterer Bundesligadurchschnitt sind. Aber alles, was ich gerade aufgezählt habe, würde an einem normalen Tag ausreichen, um uns zu schlagen.

Auf der anderen Seite wird Ihre Mannschaft von einem Bundesligisten beobachtet. Eine merkwürdige Vorstellung?
Weingärtner: Es ist ungewöhnlich, zeigt aber auch die Seriosität und Professionalität, die ein Bundesligist an den Tag legt. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Deshalb habe ich das schon auch erwartet. Nicht etwa, weil wir so toll und extrem gefährlich für sie werden können, sondern einfach, weil sie sich auch auf dieses Spiel ordentlich vorbereiten.

"Ansprache muss lebendig sein"

Mit dem DFB-Pokal im Blick: Sind Ihre Spieler in der Vorbereitung motivierter zu Werke gegangen?
Weingärtner: Jeder möchte bei diesem Spiel dabei sein. Nicht alle können dabei sein. Deshalb merke ich schon, dass die Jungs extrem mitziehen. Es ist ein Highlight für jeden Spieler. Bedenken habe ich eher für die Zeit nach dem Pokalspiel, wenn wieder die Normalität einkehrt. Dann werde ich wieder mehr als Motivator gefragt sein. Bis zu dem Leverkusen-Spiel gestaltet sich das fast von selbst.

Neben der Motivation wird wohl auch die Nervosität Ihrer Spieler besonders groß sein.
Weingärtner: Jeder freut sich auf das Spiel und wird unheimlich motiviert sein. Wie meine Spieler reagieren werden, kann ich noch schwer einschätzen. Allerdings besteht die Gefahr, dass man verkrampft oder zu verhalten agiert. Das kenne ich aus meiner eigenen Zeit als Spieler. Deshalb möchte ich meiner Mannschaft vermitteln, sich von Anfang an zu wehren. Wir haben kein Ergebnisziel, sondern Leistungsziele. Es wird also mehr darum gehen, den ersten Zweikampf zu gewinnen, nach vorne zu spielen, in jeder Halbzeit eine Torchance zu kreieren. Das passt zu unserer Art als bodenständiger Verein.

Sind Sie vor diesem Karrierehöhepunkt nicht selbst unheimlich nervös?
Weingärtner: Ich habe eine verhältnismäßig gute Ruhe, die ich auch auf meine Mannschaft übertrage – das ist sehr wichtig. Wenn man als Trainer unruhig ist und nervös wirkt, kann man von seinen Spielern keinen kühlen Kopf erwarten. Ich muss also mit gutem Beispiel vorangehen. Sicherlich wird es in mir auch mehr kribbeln als sonst, allein schon wegen der Medienpräsenz. Aber durch die vielen Presse- und Medientermine im Vorfeld wird man darauf ganz gut vorbereitet und legt die Nervosität hoffentlich schon ein wenig ab.

Haben Sie vor, eine spezielle Kabinenansprache zu halten?
Weingärtner: Meine Ansprachen sind sonst auch nicht unbedingt immer normal. Da sind wir sehr kreativ. Eine Ansprache muss lebendig und immer wieder neu sein, sie muss motivieren können. Wenn ich meinen Spielern immer das gleiche erzähle, werde ich sie nicht packen können. In dem Pokalspiel wird das aber natürlich nicht zwingend notwendig sein, da die Motivation von selbst da ist. Da werde ich eher etwas bremsen und versuchen, der Mannschaft die Nervosität zu nehmen.

War der DFB-Pokal Teil Ihrer Ansprache vor dem Landespokalfinale gegen Zweibrücken?
Weingärtner: Damals haben zwei Dinge eine Rolle gespielt. Zum einen natürlich der große Traum, in den DFB-Pokal einzuziehen. Trotzdem waren wir der krasse Außenseiter. Wir waren zu der Zeit Letzter in der Oberliga, die Zweibrücker waren Fünfter in der Regionalliga. Die Kunst war es also, das eine Spiel, das man aus zehn Duellen gegen sie gewinnen kann, in diesem Finale stattfinden zu lassen. Nach den 90 Minuten konnten wir sagen, dass wir verdient gewonnen hatten und zu Recht in den DFB-Pokal eingezogen sind.

"Nadelstiche setzen"

Angesichts des DFB-Pokalspiels hätte der Saisonstart leicht in den Hintergrund geraten können. Wie haben Sie dem entgegengewirkt?
Weingärtner: Inwieweit dieses Pokalspiel schon bei den Jungs im Kopf ist, kann ich nicht einschätzen, da ich zusammen mit meinem Co-Trainer eine eigene Kabine habe. Fakt ist, dass wir einen guten Saisonstart und eine tolle Vorbereitung hatten, in der wir auch unsere vier Zugänge gut integriert haben. Das Thema DFB-Pokal schlummert, denke ich, unterbewusst, wobei meine Mannschaft das gut trennen kann, wenn es an die Trainingsarbeit und die Pflichtspiele geht. Entsprechend konzentriert werden wir im Heimspiel gegen Mutterstadt antreten.

Gegen ein zweites Spiel im DFB-Pokal hätten Sie also nichts einzuwenden?
Weingärtner: Das würde eher motivieren, weil man gleich das nächste Ziel vor Augen hätte. Aber darüber wollen wir gar nicht reden, da es vermessen und respektlos gegenüber unserem Gegner wäre.

Wie werden Sie das Spiel gegen diesen übermächtig wirkenden Gegner angehen?
Weingärtner: Gegen Leverkusen können wir uns wieder an die vergangene Spielzeit in der Oberliga zurückerinnern, in der wir der Kugel mehr hinterhergelaufen sind. Wir müssen gut verteidigen und immer wieder Nadelstiche setzen. Was uns als Mannschaft charakterisiert, ist eine gewisse Cleverness. Wir sind ein sehr intelligentes Team und besitzen eine kognitive Reife, wodurch man defensive und offensive Automatismen leichter trainieren kann. Deshalb erwarte ich, dass wir sehr clever und im Kollektiv verteidigen. Wir werden jedenfalls nicht mit elf Mann im eigenen Strafraum stehen, aber auch nicht den gegnerischen Torwart anlaufen.

Für den Fall einer Niederlage. Was muss passieren, dass Sie nach dem Spiel sagen können: „Ich bin zufrieden“?
Weingärtner: Wenn ich erkenne, dass jeder Spieler an die Grenze oder sogar darüber hinaus gegangen ist. Wenn läuferisch alles abgerufen wurde. Wenn wir auch den ein oder anderen spielerischen Akzent setzen konnten. Wenn wir unsere kleinen Leistungsziele erreichen. Wenn wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten teuer verkaufen. Dann werden wir hochzufrieden sein und auch ein Ergebnis haben, mit dem wir leben können.