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Depressionen |22.10.2020|08:00

Für Depressionen muss sich niemand schämen

Thomas Gastauer als Turnierleiter beim Gemeindepokalturnier 2018 in Scheiden.[Foto: privat]

Thomas Gastauer hat 37 Jahre lang in Sport und Politik in verschiedenen Funktionen ehrenamtlich gearbeitet – trotz einer starken Depression. Nun allerdings musste er sich in eine Klinik einweisen lassen, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Gastauer will auf eine Krankheit aufmerksam machen, die seiner Meinung nach viel zu selten den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Thomas Gastauer möchte aufwecken, sensibilisieren, Öffentlichkeit schaffen. Für ein Thema, das viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt und in der allgemeinen Wahrnehmung seiner Meinung nach noch immer nicht richtig ernst genommen wird. Gastauer ist depressiv. Es gibt Tage, an denen das Leben für ihn keinen Sinn mehr hat. Er hat sich deshalb freiwillig in Therapie begeben. Im Mai hat er einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie des SHG-Klinikums Merzig begonnen. Normalerweise bleiben die Patienten dort durchschnittlich 23 Tage, Gastauer ist inzwischen fast ein halbes Jahr in der Einrichtung, weil er auch nach dieser Zeit noch nicht stabil genug ist, wie seine Therapeuten sagen. Dort bekommt er jeden Tag für eine Stunde von seinem Bruder Besuch. Mehr ist derzeit wegen der strengen Corona-Maßnahmen nicht möglich.

Gastauer geht ganz bewusst den Weg an die Öffentlichkeit, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen und anderen Menschen zu helfen, denen es vielleicht noch schlechter geht, als ihm selbst. Deshalb hat er auch einen Brief an DFB-Präsident Fritz Keller geschrieben. Denn Gastauer weiß aus eigener Erfahrung, dass auch im Fußball das Thema Depressivität verbreitet ist. Im Profifußball ist das der Fall, wie der Suizid von Robert Enke im November 2009 gezeigt hat. Im Amateurfußball ist das leider nicht anders.

Der Fußball hat allerdings in den vergangenen Jahren viel dafür getan, die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren – allen voran durch die Robert-Enke-Stiftung, zu deren Gründungsmitgliedern der DFB, die DFL und Hannover 96 gehören. Das Ziel der Stiftung, deren Vorstandsvorsitzende Teresa Enke ist, will in Kooperation mit dem Bundesministerium für Gesundheit zur Aufklärung, Erforschung und Behandlung von Depression beitragen. Die Robert-Enke-Stiftung unterstützt Projekte, Maßnahmen und Einrichtungen, die über Herzkrankheiten von Kindern sowie Depressionskrankheiten aufklären. Der Leitsatz lautet: "Gemeinsam das Leben festhalten." Besondere Aufmerksamkeit bekamen die Themen rund um den zehnten Todestag von Robert Enke vor einem Jahr. Die vielfältigen Aktionen standen unter dem Motto "GedENKEminute". Selten hat ein Sport-Sozialthema eine derartige öffentliche Wahrnehmung erfahren.

"Viele bringen den Mut nicht auf, sich in Behandlung zu begeben, weil sie sich für ihre Krankheit schämen"

Vielfältige Funktionen im Ehrenamt

Eines der Probleme bei einer Depression ist, dass die Betroffenen ihre Erkrankung lange versteckt halten können. Aber irgendwann wird der Druck zu groß – und das kann schlimme Folgen haben. Thomas Gastauer ist dafür das beste Beispiel. Jahrzehntelang war er in verschiedensten Funktionen ehrenamtlich im Amateurfußball und der Lokalpolitik tätig. Er war Ortsvorsteher, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, Chef der Arbeitsgemeinschaft der Vereine Mitlosheims, Jugendgruppenleiter beim Saarländischen Fußballverband, Pressewart, Stadionsprecher, Herausgeber der Vereinszeitung und noch vieles mehr. "Ich habe insgesamt 167 Ausgaben der Vereinszeitung für meinen Heimatverein in Mitlosheim gemacht. Ich habe alles selbst auf der Schreibmaschine geschrieben, kopiert, gefaltet und sonntags auf dem Sportplatz verteilt", sagt Gastauer. "Teilweise bin ich nachts am Schreibtisch beim Schreiben eingeschlafen. Aber ich habe es immer gerne gemacht." Es ist ein gutes Beispiel dafür, wieviel Zeit und Leidenschaft er in seine ehrenamtlichen Tätigkeiten gesteckt hat. Der Fußball war sein Leben. Der Fußball, vor allem die ehrenamtliche Tätigkeit in Verein und Verband, die er jahrzehntelang ausgeführt hat, war für ihn auch in den dunklen Stunden oft das Licht am Horizont. Oder war es nur ein Mittel, um gegen seine Depressionen anzukämpfen? Um die Krankheit so gut es geht zu verdrängen?

"Vielleicht war das der Fall", sagt Gastauer. "Aber für mich war die ehrenamtliche Tätigkeit immer eine Herzensangelegenheit. Mir ist es sehr wichtig, anderen Menschen helfen zu können." Und genau deshalb macht er es mit seiner Krankheit wie ein Boxer: Er verlässt die Deckung und geht in die Offensive. Er greift an. Er spricht offen aus, was ihn bewegt, was ihn bedrückt, was ihn freut. In der Psychiatrie hat er diese Offenheit gelernt. Ihm ist es wichtig, dass er freiwillig in die Einrichtung gegangen ist. Er hätte es auch verweigern können. Er hätte weiter heile Welt spielen können. Aber was wäre dann die Folge gewesen? "Viele bringen den Mut nicht auf, sich in Behandlung zu begeben, weil sie sich für ihre Krankheit schämen", sagt Gastauer. Aber das ist seiner Erfahrung nach völlig unbegründet: Im August ist ein beeindruckender Beitrag über ihn in der Saarbrücker Zeitung erschienen, in dem er seine Probleme im Detail darlegt. Das Feedback, das er daraufhin bekommen hat, war ausschließlich positiv.

Immer wieder Angstzustände

Gastauer wird seit 2012 besonders stark von Depressionen geplagt. Vor acht Jahren erlitt er eine Gehirnblutung, die ihn schwer getroffen hat. Er musste das Sprechen wieder lernen. Das hat er geschafft, jedoch hat die Feinmotorik gelitten. Aber seitdem hat er auch immer wieder Angstzustände, die er bislang nicht besiegen konnte. Selbst die kleinsten Veränderungen in seinem Leben können ihn vollständig aus der Bahn werfen. Am Schlimmsten traf es ihn in diesem Frühjahr – mitten in der Corona-Pandemie. Gastauer arbeitete als Verbundzusteller (Briefe und Pakete) für die Deutsche Post DHL. In seinem Bezirk kannte er jede Straße und die meisten Menschen, die von ihm täglich Sendungen bekamen und mit denen er ein herzliches Verhältnis pflegte. "Das Frühjahr war für uns Zusteller eine extrem stressige Zeit, weil alle zuhause waren und nur noch online bestellt haben", sagt Gastauer. "Und gerade in dieser Zeit, in der alles drunter und drüber ging, gab es Enttäuschungen. Das hat mich völlig aus der Bahn geworfen."

Gastauer will das gar nicht als Vorwurf verstanden wissen. Seine Probleme waren bis dahin ja nie ein Thema gewesen. Man kann sagen, dass Corona ihm den Boden unter den Füßen weggezogen hat, weil zeitgleich auch das gesamte sportliche Leben stillgelegt war. Und damit auch seine ehrenamtliche Tätigkeit, zu der alljährlich Organisation und Turnierleitung bei den Fußball-Gemeindepokalturnieren (Jugend und Aktive) gehörten, die in seine 25-jährige  Verantwortung als Dachverbandsvorsitzender der Fußballvereine der Gemeinde Losheim am See fielen, der ein Zusammenschluss von zehn Vereinen der Kommune ist.

In der Zeit seitdem hat Gastauer alle Aktivitäten radikal zurückgefahren und sich zurückgezogen. Auch die Fotografie war eines seiner großen Hobbys. Jeden Sonntag war er auf den Plätzen in der Region zu finden, um diejenigen zu fotografieren, die sonst nie in den Zeitungen auftauchen. Nicht nur beim Fußball war er unterwegs, auch bei anderen Sportarten wie Handball und Basketball. Wenn er das wieder gerne macht, ist er gesund, davon ist er überzeugt.

Beratungshotline der Robert-Enke-Stiftung

Aber der Weg dorthin ist noch lang. Im Moment setzt er sich nur noch kurzfristige Ziele. Erstmal möchte er die vollstationäre Therapie hinter sich lassen und in die teilstationäre Betreuung (Tagesklinik) wechseln. Das würde bedeuten, dass er abends zwar zuhause ist und dort auch schläft, morgens aber wieder in die Einrichtung kommt, um weiter an sich zu arbeiten. Und wenn er auch diesen Schritt erfolgreich absolviert hat, möchte er wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren und Dinge machen, die ihm so viel Freude bereiten – vor allem die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die ihm so unendlich wichtig sind und die ihm Halt in seinem Leben geben.

Vielleicht erfüllt sich irgendwann dann auch einer seiner Träume, zu denen der Besuch eines Spiels der DFB-Elf und des Champions League-Siegers FC Bayern (an der Seite von Uli Hoeneß) gehören, denn schon seit langer Zeit ist er Mitglied bei den Münchnern, genau 39 Jahre, und des Fanclubs der Nationalmannschaft.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über das Thema Suizid zu berichten. Leider kann es passieren, dass depressiv erkrankte Menschen sich nach Berichten dieser Art in der Ansicht bestärkt sehen, dass das Leben wenig Sinn habe. Sollte es Ihnen so ergehen, können Sie die "Beratungshotline Seelische Gesundheit im Sport" der Robert-Enke-Stiftung unter der Rufnummer 0241-8036777 kontaktieren. Hilfe finden Sie zudem bei der Telefonseelsorge unter 0800-1110111 oder 0800 3344533 .

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