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#Jede7te |08.03.2021|09:45

Keller: "Wir brauchen mehr Frauen im Fußball"

DFB-Präsident Fritz Keller: "Beim DFB sind im Hauptamt mittlerweile mehr Frauen in Führungspositionen".[Foto: Thomas Böcker/DFB]

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Der Fußball müsste weiblicher werden, auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Das hat Fritz Keller bei seinem Amtsantritt betont. Im FUSSBALL.DE-Interview erzählt der DFB-Präsident anlässlich des heutigen Weltfrauentags, was sich auf diesem Weg schon getan hat, welche Hürden noch zu nehmen sind und welche Ziele er für den Frauenfußball in Deutschland hat.

FUSSBALL.DE: Herr Keller, heute feiern wir den Weltfrauentag. Warum brauchen wir auch im Fußball mehr Frauen?

Fritz Keller: Wir brauchen mehr Frauen im Fußball, weil wir die Gesellschaft so vielfältig abbilden wollen, wie sie tatsächlich ist. Weil grauhaarige Funktionäre vielleicht immer dasselbe denken und manchmal viel zu schnell die Ellenbogen ausfahren. Viele Beispiele zeigen, dass Unternehmen und Verbände dann, wenn Frauen mit in Führungspositionen sind, viel, viel bessere Ergebnisse erzielen. Nachhaltigere.

Wie meinen Sie das?

"Und wenn Sie mal bei uns ins Präsidium schauen, da sind fast nur Kerle, die sehen so aus wie ich: leicht übergewichtig, graue Haare. Und wo sind die Frauen?"

Keller: Ich bin kein Sozialwissenschaftler, aber ich kann Ihnen aus der Praxis berichten, dass wir in meinem Unternehmen gut daran getan haben, Schlüsselrollen in die Hände von Frauen zu geben. Schauen Sie sich in der Industrie oder in der Politik um. Hätte ein Mann dieses Amt und diese Rolle anders ausgeübt als unsere Bundeskanzlerin? Ich bin mir sicher: ja. Diese Ruhe, die sie ausstrahlt, finde ich richtig stark, sie ist der ruhende, ausgleichende Pol. 

Und im Fußball?

Keller: Es ist beschämend, wie weit hinten dran wir sind. Wie lange haben wir gebraucht, bis mal eine Frau ein Champions-League-Spiel gepfiffen hat? Eigentlich ist das zum Fremdschämen. Wir haben im vergangenen Jahr erst 50 Jahre Frauenfußball gefeiert. Die Männer haben quasi fast mehr als 100 Jahre Vorsprung im Fußball. 

Wie sieht es beim DFB aus?

Keller: Beim DFB haben wir im Hauptamt mittlerweile mehr Frauen in Führungspositionen. Wir haben ein Leadership-Programm für Frauen aufgelegt, um sie zu stärken, und sind an einem U-30-Rat dran, in den die Regionalverbände jeweils eine Frau und einen Mann entsenden sollen. Das soll ein Zeichen sein. Natürlich ist das zu wenig, aber wir müssen nun einmal irgendwo anfangen. Jedes siebte Mitglied im DFB ist eine Frau. Also fangen wir doch mal an, dass wir mehr Frauen als Mitglieder gewinnen. Den Frauen müssen wir zeigen, dass wir sie wollen, dass wir ihre Qualitäten brauchen. Das fängt in der Bundesliga an und hört in der Kreisliga auf. Und da kann es nicht sein, dass ein Verein, was immer wieder passiert, aufsteigt von der Bezirksliga in die Landesliga und dann, weil er mehr Geld für die Männer braucht, die Frauenmannschaft abmeldet. Ich habe bei meinem Amtsantritt den Bundesligisten gesagt, dass wir eine Förderung für den Frauenfußball brauchen. Borussia Dortmund, der FC Schalke 04, Eintracht Frankfurt engagieren sich mittlerweile stark im Frauenfußball. In England gibt es viele Sponsoren, die nur noch Klubs sponsern, die auch im Frauenfußball aktiv sind. Das wird auch in Deutschland irgendwann kommen.

Wie wollen Sie diesen Wandel angehen?

Keller: Ich weiß, dass es ein ganz langer Weg ist und dass es noch sehr, sehr viel zu tun gibt. Aber die Tore stehen auf. Ich wünsche mir im DFB mindestens ein Drittel Frauen in Führungspositionen. Und wenn Sie mal bei uns ins Präsidium schauen, da sind fast nur Kerle, die sehen so aus wie ich: leicht übergewichtig, graue Haare. Und wo sind die Frauen? Wir haben eine Frau, Hannelore Ratzeburg, die sich um den Frauenfußball kümmert, sie ist auch die Gleichstellungsbeauftragte. Wir brauchen aber mehr Frauen im Präsidium. Es gibt mittlerweile so viele gute und großartig ausgebildete Frauen, die sich für den Fußball interessieren, die große Fußballexpertinnen sind. Aber das ist ein Wahlamt. Unsere Mitglieder werden von den Landesverbänden ausgewählt, und da stellen sich nun mal mehr Männer zur Verfügung. Aber warum? Weil wir den jungen Frauen nicht sagen, dass wir sie brauchen. Ich bin im Hochschulrat der Musikhochschule Freiburg tätig, und dort probieren wir seit Jahren, mehr Professorinnen zu gewinnen. Aber wir haben zu wenig Bewerbungen.

Das heißt: An der Basis muss sich etwas tun, damit sich auch die Spitze ändert?

Keller: Das ist in einer Demokratie ein ganz langer Weg. Aber bei meinen Kollegen in den Landesverbänden, vor allen Dingen bei den etwas jüngeren, spüre ich dafür eine sehr große Offenheit. Ich glaube, dass es bei manchen immer noch eine Generationenfrage oder eine Frage der Erziehung ist. Ich habe das Glück gehabt, dass ich eine sehr dominante Großmutter hatte, die alleinerziehend war, die gezeigt hat, was Frauen leisten können und die unsere Firma damals durch die schwierigsten Zeiten manövriert hat in einer total feindlichen Männergesellschaft. Von ihr habe ich gelernt. Deshalb bin ich ein bisschen privilegierter als andere, die das nicht so gespürt haben. Auch die Gesellschaft muss sich also ändern. Heute haben nur eine Firma, nur ein Verein eine Zukunft, die Vielfalt nutzen und diese unterschiedlichen Eigenschaften miteinander verbinden.

Was muss sich konkret ändern?

Keller: Die Offenheit muss da sein. Und auf der anderen Seite der Mut der jungen Frauen, die sagen: "Hey, ich bin hier. Ich kann diese Aufgabe und ich möchte sie." Und dazu braucht es eben in einer Männerwelt immer noch sehr viele Männer, die das unterstützen. Es kommt letztendlich auf die Qualität an, auf die Ausbildung, auf den Fleiß, auf die Beharrlichkeit. Und nicht auf das Geschlecht. Eine Gesellschaft lebt immer nur von der Veränderung. Und nur wer sich verändert, bleibt. Wer sich nicht verändert, fällt irgendwann mal aus der Gesellschaft. Und die Zeichen der Zeit sind längst gesetzt. Derjenige, der das noch nicht kapiert hat, der ist wirklich einer von gestern. 

Braucht es auch im Fußball eine Frauenquote?

Keller: Ich bin zwar ein absoluter Quotengegner, weil die Frauen danach sehr lange mit dem Vorwurf zu kämpfen haben, nur die Quotenfrau zu sein und so diffamiert werden. Aber wenn es nicht anders geht, kann ich mir auch eine Quote vorstellen. Heute sollten die Menschen auch ohne Quote nicht mehr nach Vitamin B ausgesucht werden, wie es in der Vergangenheit oft in Firmen, Parteien oder Verbänden der Fall war. Das Auswahlverfahren sollte sich nur um Qualifikation und Können drehen. Um Durchsetzungsvermögen und vor allen Dingen um die Teamfähigkeit. Die Teamfähigkeit, der Zusammenhalt ist im Frauenfußball besser als im Männerfußball. Das spüre ich. Schauen Sie sich mal an, wie unsere Mannschaften der FLYERALARAM Frauen-Bundesliga die Pandemie durchgestanden haben. Die haben es nicht so einfach gehabt wie die Männer, weil die meisten Spielerinnen Studentinnen oder Semiprofessionelle sind. Und sie haben es trotzdem hingekriegt. Die haben eine ganz andere Disziplin. Aber noch mal: Das Wichtigste ist, den jungen Frauen den Mut und die Ausbildungsmöglichkeiten zu geben. Auch in Schiedsrichter*innen-Lehrgängen brauchen wir mehr Frauen. 

Wann sehen wir mal eine Trainerin einer Bundesligamannschaft? 

Keller: Das ist die Frage. Aber das müssen natürlich die Klubs selbst entscheiden. Dass sie es können, ist sicher. Und dann gehört halt auch mal der Mut eines Bundesligisten dazu, einer Frau diese Rolle zu geben. Wir haben noch sehr viel zu tun, keine Frage. Aber wir müssen die Frauen auch stärken, so eine Rolle einnehmen zu wollen. Wichtig ist, die Türen aufzumachen. Aber die Schritte hinein muss schon jeder Bewerber und jede Bewerberin selbst gehen. Selbstverständlich gibt es überall Menschen, die sich an ihren Job klammern. Es ist wie in der Politik. Wie lange haben wir gebraucht, um eine Bundeskanzlerin zu bekommen? Aber es ist möglich gewesen, und so muss es auch im Sport sein. Ich bin davon überzeugt. 

Wo fangen Sie an?

Keller: Fangen wir bitte bei den jungen Mädchen an, damit Frauenfußball selbstverständlich ist in jedem Dorfverein. Das ist er leider noch nicht. Und ich weiß, das ist ein dickes Brett. Aber es gibt bereits die Frauen, die wunderbare Arbeit leisten. Und sie werden auch noch die letzten davon überzeugen. Sonst wird es denen die Gesellschaft aufdrängen. Der Erfolg eines Verbandes, eines Vereins oder einer Firma in der Zukunft hängt von einer gemeinsamen, geschlechterneutralen oder geschlechterverbindenden Strategie zusammen. Männer alleine können das überhaupt nicht leisten. Wir müssen denjenigen die Rote Karte zeigen, die immer noch gegen Vielfalt und Gleichberechtigung arbeiten.

Was tut der DFB für die Entwicklung des Frauenfußballs?

Keller: Die gemeinsame Bewerbung mit den Niederlanden und Belgien um die Weltmeisterschaft 2027 ist ein zentraler Baustein. Als überzeugter Europäer würde ich mich sehr freuen, wenn wir das Turnier gemeinsam austragen und Begeisterung für den Frauenfußball entfachen würden. Mit unserem Strategieprojekt "Frauen im Fußball" wollen wir den Fußball für Frauen und durch Frauen verbessern. Wir wollen mehr Frauen in Gremien und für DFB-Führungspositionen gewinnen. Es sollen mehr Mädchen und Frauen Fußball spielen, in Vereinen aktiv sein, Schiedsrichterinnen werden, am Spielfeldrand stehen und ihre Mannschaft coachen. Und gemeinsam mit der DFL wollen wir den Frauenfußball so stärken, dass wir mit unseren Vereinen der FLYERALARM Frauen-Bundesliga und unserer Frauen-Nationalmannschaft weitere internationale Erfolge feiern können. Um den Frauenfußball in Deutschland noch populärer zu machen, brauchen wir aber vor allem eine größere Medienreichweite. Daran arbeiten wir.

* Die Aussagen hat Fritz Keller zum Teil im Rahmen der ZDF-Dokumentation "Frauen im Männerfußball" von Claudia Neumann getätigt.  

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