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Rückkehr |29.01.2017|18:30

Kirschstein: "Will einfach wieder spielen!"

Freut sich, dass er wieder ran darf: Ahlens alter und neuer Keeper Sascha Kirschstein. [Foto: Imago/Archivfoto]

Torhüter Sascha Kirschstein war auf der großen Fußballbühne zu Hause. Der 36-Jährige, der beim West-Regionalligisten Rot Weiss Ahlen einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben hat, hütete unter anderem von 2004 bis 2009 für den Hamburger SV in 33 Erstligaspielen sowie in drei Champions League-Partien das Tor. In Ahlen ist Kirschstein kein Unbekannter, er bestritt bereits in der Saison 2009/2010 für den damaligen Zweitligisten 35 Partien. Jetzt will der fast zwei Meter große gebürtige Braunschweiger mit Ahlen den Klassenverbleib schaffen. Die Mission ist heikel: Mit nur zwölf Zählern belegen die Ahlener Platz 17. Der Abstand auf die sicheren Nichtabstiegsränge beträgt neun Punkte.

Im aktuellen FUSSBALL.DE -Interview spricht Sascha Kirschstein mit Mitarbeiter Martin Bytomski über die Gründe für den Wechsel nach Ahlen, das Warten auf sein Gehalt in Rumänien, mangelnde Einstellung von Jungprofis und Ex-Nationaltorhüter Oliver Reck als Vorbild.

"Mir ist seit Sommer zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen, ich wollte unbedingt wieder zupacken. Die Aufgabe in Ahlen reizt mich"

FUSSBALL.DE: Was waren die Gründe für Ihre Rückkehr nach Ahlen, Herr Kirschstein?

Sascha Kirschstein: Ich will einfach wieder spielen! Bei Rot Weiss Ahlen durfte ich mich seit ein paar Wochen fit halten. Ich war froh, dass mir der Verein die Möglichkeit dazu gegeben hat. Es ist deutlich besser, einen Torwarttrainer zu haben, als allein seine Runden zu drehen. Mit Joachim Krug, dem Sportlicher Leiter in Ahlen, habe ich mich dann über einen Vertrag bis zum Saisonende unterhalten. Zwar gab es auch ein Angebot von Südwest-Regionalligist SV Eintracht Trier sowie eines aus der Regionalliga Bayern vom VfR Garching und eines von einem japanischen Zweitligisten. Aber die nur rund 40 Kilometer Entfernung zu meinem Wohnort Bergkamen, wo ich mit meiner Frau Daniela und meiner vierjährigen Tochter Mya-Angel wohne, hat den Ausschlag für Ahlen gegeben.

FUSSBALL.DE: In Ahlen haben Sie die „1“ auf dem Rücken. Der frühere Stammtorwart Jonathan Mellwig hat seinen Vertrag zum 1. Januar aufgelöst. Es stehen mit Ihnen und Azmir Alisic noch zwei Torhüter unter Vertrag. Ist Ihnen der Startelfplatz sicher?

Kirschstein: Das sicher nicht, aber ich brenne auf Einsätze. Im Laufe der Vorbereitung will ich mich zeigen und mir den Stammplatz sichern.

FUSSBALL.DE: Ahlen steht mit zwölf Punkten auf Tabellenplatz 17. Wie optimistisch sind Sie, dass der Klassenverbleib dennoch gelingen kann?

Kirschstein: Entscheidend werden die ersten drei Partien sein, die allesamt im heimischen Wersestadion stattfinden. Wenn wir mindestens fünf bis sieben Punkte holen, sind wir wieder mitten im Geschäft.

FUSSBALL.DE: Wie geht es nach dem Saisonende für Sie weiter?

Kirschstein: Ich konzentriere mich ausschließlich auf das Projekt Klassenverbleib mit Ahlen. Alles Weitere wird sich zeigen.

FUSSBALL.DE: In der Saison 2009/2010 standen Sie in Ahlen in der 2. Bundesliga im Tor. Sind noch bekannte Gesichter da?

Kirschstein: Nur an den Zeugwart Klaus „Erbse“ Gerbsch konnte ich mich noch erinnern. Es hat sich einiges verändert, die Geschäftsstelle wurde zum Beispiel verkleinert. Besonders gefreut hat sich der Ahlener Gastronom Bayram Senlik über meine Rückkehr. Ich war schon während meiner ersten Zeit bei RWA in seinem Restaurant am Ahlener Markt oft zu Gast. Über all die Jahre hat sich eine Freundschaft entwickelt. Jetzt können wir uns wieder häufiger sehen.

FUSSBALL.DE: Sie haben 160 Erst- und Zweitligapartien bestritten und waren auch in der Champions League am Ball. Wie schwierig ist es, sich für Kampf um den Verbleib in der 4. Liga zu motivieren?

Kirschstein: Das ist überhaupt kein Problem. Mir ist seit Sommer zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen, ich wollte unbedingt wieder zupacken. Die Aufgabe in Ahlen reizt mich.

FUSSBALL.DE: In der Regionalliga treten Sie auch bei Ihrem Ex-Verein Rot-Weiss Essen an. Wird es für Sie ein besonderes Spiel?

Kirschstein: Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf die Partie an der Hafenstraße. Mit dem Essener Stürmer Frank Löning habe ich in der Saison 2014/2015 zusammen beim FC Erzgebirge Aue in der 2. Bundesliga gespielt, das Duell reizt mich besonders. Außerdem haben mich viele RWE-Fans vor meiner Unterschrift in Ahlen angeschrieben und wollten mich von einem Wechsel nach Essen überzeugen. Das war für mich aber kein Thema. Nach Essen bestand kein Kontakt.

FUSSBALL.DE: Ihre jüngste Station war der rumänische Erstligist Poli Timisoara. Wie bewerten Sie die Zeit in Rumänien?

Kirschstein: In bester Erinnerung sind mir die Menschen in Rumänien geblieben. Sie besitzen nicht viel, sind aber immer herzlich und positiv. Das hat mich beeindruckt. Sportlich lief es gut, auch mit meinen Leistungen war ich zufrieden. Aber finanziell war es - vorsichtig gesagt - schwierig. Ich musste um mein Gehalt kämpfen, jeden Monat aufs Neue. Mit der Hilfe der FIFA habe ich - bis auf eine Nichtabstiegsprämie - meine Forderungen zum Glück durchsetzen können.

FUSSBALL.DE: Wie lange wollen Sie noch durch die Strafräume fliegen?

Kirschstein: Am liebsten bis ich 40 bin! Ich fühle mich wie Ende 20, bin topfit. Solange es für mich möglich ist, werde ich spielen. Fußball ist meine große Leidenschaft.

FUSSBALL.DE: Was hat sich in den knapp 20 Profijahren geändert?

Kirschstein: Vor allem die Einstellung der jungen Spieler. Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass die Jungspunde vor und nach dem Training beispielsweise die Tore getragen haben. Heute passiert das erst nach Aufforderung. Insgesamt sind die Jungs für meinen Geschmack zu viel mit dem Handy beschäftigt und konzentrieren sich zu wenig auf das Wesentliche.

FUSSBALL.DE: Haben Sie schon eine Perspektive für die Zeit nach Ihrer Profikarriere?

Kirschstein: Ich kann mir gut vorstellen, eine Laufbahn als Trainer zu beginnen. Vielleicht erst als Torwart-Trainer, noch besser aber direkt als Chef. Ex-Nationaltorhüter Oliver Reck, der beim Südwest-Regionalligisten Kickers Offenbach an der Seitenlinie steht, und der ehemalige Bundesligaschlussmann Achim Hollerieth bei der TSG Neustrelitz in der Regionalliga Nordost sind Vorbilder für mich.

FUSSBALL.DE: Sie haben unter anderem am Hals einen auffälligen Schmetterling tätowiert. Welchen Hintergrund hat das Tattoo?

Kirschstein: (lacht) Das ist eine Motte mit einem Totenkopf. Einen besonderen Hintergrund hat dieses Tattoo aber nicht. Im Gegensatz zu vielen anderen Motiven.

FUSSBALL.DE: Zum Beispiel?

Kirschstein: Die Fußabdrücke meiner Kinder Lijanda und Mya-Angel. Auch das Hochzeitsdatum mit meiner Frau Daniela hat einen ganz besonderen Stellenwert.

FUSSBALL.DE: In den vergangenen Jahren gab es immer mal wieder Schlagzeilen rund um Ihre Person. Welche Auswirkungen hatten beispielsweise Hakenkreuzschmierereien an Ihrem Auto oder die mutmaßliche Verwicklung in eine Wettaffäre auf Ihre Karriere?

Kirschstein: Ich wurde vom Vorwurf der Manipulation im Rahmen des Wettskandals freigesprochen. Aber dennoch ist das immer wieder ein Thema. Bestes Beispiel: Mein Vertrag bei Poli Timisoara wäre ungültig geworden, wenn an den Vorwürfen doch etwas dran gewesen wäre. Ich wusste, dass ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen und deshalb auch diese Klausel akzeptiert. Mich interessiert es nicht, was über mich geschrieben wird. Ich bin Profi und will meine Fans durch Leistung überzeugen.

FUSSBALL.DE: Gehen dem Profifußball die Charakterköpfe aus?

Kirschstein: Es gibt einen großen Unterschied: Früher hat ein Spieler wie Stefan Effenberg auch mal in der Öffentlichkeit auf den Tisch gehauen. Mittlerweile wird Kritik fast nur noch intern geübt. Das ist auch in Ordnung. Wichtig ist, dass es weiterhin Führungsspieler gibt. Jede Mannschaft benötigt Persönlichkeiten, die als Vorbild agieren. Bei Rot Weiss Ahlen will ich mit meiner Leidenschaft und Erfahrung ein Vorbild sein.

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