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Amateurstatistiken

Torjägerin Jenny Denig|16.07.2015|11:00

Knipserin Jenny Denig: Fünferpack in Sneakers

Selbst in Sneakers nicht aufzuhalten: Jenny Denig. [Foto: www.appeltundhuth.de]

Der Vereinswirt der Spielvereinigung Schonnebeck schafft das, was kaum einer Abwehrspielerin in Essen gelungen ist. Er stoppt Jenny Denig. Eigentlich wollte Deutschlands beste Torjägerin in der Gaststätte über ihre Saison plaudern. Doch die Tür ist abgeschlossen.

Also weicht sie zum FUSSBALL.DE -Interview auf die Tribüne aus. Denig blickt auf den Kunstrasenplatz, auf dem sie in der abgelaufenen Saison so oft jubeln durfte. Die Angreiferin schoss Schonnebecks zweite Mannschaft fast im Alleingang zur Meisterschaft in der Kreisliga A. Im Interview spricht Denig über ihre Stärken, emotionale und kuriose Spiele und ihre Philosophie als Jugendtrainerin.

FUSSBALL.DE: Frau Denig, 89 Treffer stehen in der Statistik. Was hat zu einem dreistelligen Wert gefehlt?

Jenny Denig: Korrekte Eintragungen in den Spielberichten. Bei vier Partien haben die Schiedsrichter es versäumt, mir die Tore gutzuschreiben. Da fehlten am Ende insgesamt 22. Ich zähle die Tore natürlich mit und komme am Ende auf 111 Treffer.

"60 oder 70 Tore? Das wäre viel zu einfach gewesen"

Warum spielt jemand wie Sie nur in der Kreisliga?

Ich bin mit meinen 37 Jahren ja nicht mehr die Jüngste und wollte nun etwas kürzertreten. Bis Mitte 2014 habe ich noch für die erste Mannschaft in Schonnebeck gespielt. Damals sind wir in die Niederrheinliga aufgestiegen. Doch den Aufwand für die Spielklasse wollte ich nicht mehr betreiben. Die zweite Mannschaft war genau richtig.

Gab es keine Versuche, Sie für Einsätze in der Niederrheinliga zu überreden?

Natürlich gab es die. Für einige Spiele habe ich auch ausgeholfen. Das hat immer großen Spaß gemacht. Doch mehrere Einsätze am Stück kamen für mich nicht infrage. Ich habe einen Sohn von neun Jahren, und mit ihm wollte ich auch mal mehr Zeit verbringen.

Wie sieht ein typisches Tor von Jenny Denig aus?

Den Ball kurz annehmen, mit Tempo an den Gegenspielerinnen vorbei und dann sofort den Abschluss suchen. Ich bin jetzt nicht die Dribbelstärkste, dafür lebe ich von meiner Schnelligkeit. Wenn die in der Kreisliga stimmt, hat man große Vorteile.

Was war Ihr persönlicher Saisonrekord?

Bei einem 20:0 habe ich 14 Stück gemacht. Mich hat damals aber die Einstellung beim Gegner beeindruckt. Manchmal brechen Mannschaften, die klar unterlegen sind, das Spiel ab. Das war damals nicht der Fall. Den Spielerinnen war bewusst, dass sie eine Reise bekommen. Trotzdem haben die bis zur 90. Minute gekämpft und nachher sehr fair gratuliert.

Gibt es eines der 111 Tore, das Sie besonders in Erinnerung halten werden?

Das war bei einem Heimspiel gegen Verfolger Rot-Weiss Essen. Wir hatten 270 Zuschauer, was für die Frauen-Kreisliga ein Topwert ist. Mir ist das Tor zum 2:0 gelungen, das war ein emotionales Erlebnis. Es gab auch noch ein sehr kurioses Spiel.

Erzählen Sie!

Ich hatte mir neue Schuhe gekauft. Doch mit denen ging gar nichts. Ich musste nach zehn Minuten raus aus den Tretern und mir Ersatz besorgen. Das Problem: Mein anderes Paar hatte ich verliehen. Nun gab’s nur noch die Option, in Sneakers zu spielen. Das hat am Anfang für etwas Aufregung gesorgt.

Was war los?

Die gegnerische Mannschaft hat sich beschwert und erklärt, dass das nicht regelkonform sei. Aber der Schiedsrichter hat nur gesagt: „Solange da keine Stahlkappen drin sind, kann sie damit spielen.“ Es hat dann mit den Sneakers ganz gut geklappt. Am Ende sprang ein Fünferpack für mich heraus.

Selbst Schuhprobleme konnten Sie also nicht stoppen. Gab es überhaupt irgendetwas, das Sie aufhalten konnte?

Manchmal standen wir uns als Mannschaft selber im Weg. Dann hat oft die nötige Geduld im Spiel nach vorne gefehlt. Wer mir das Leben schwer gemacht hat, waren die Sportfreunde Niederwenigern. Die hatten sich im Rückspiel auf meine Spielweise eingestellt. Ein Treffer ist mir damals nicht gelungen. Immerhin habe ich bei dem 1:1 den Elfmeter zu unserem Tor herausgeholt.

Trotzdem war das ein Rückschlag. Sie drohten ein großes Ziel zu verpassen.

Das stimmt. In der Winterpause wurde ich gefragt, was ich mir für die Saison noch vorgenommen hätte. Mindestens 100 Tore, das war meine Antwort, obwohl ich damals erst bei 47 stand. Aber was hätte ich auch sagen sollen. 60 oder 70 Tore? Das wäre viel zu einfach gewesen. Am Ende hat es ja auch geklappt.

Sie haben sich nach der 111-Tore-Saison aus Schonnebeck verabschiedet: Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

: Es könnte sein, dass ich zur SG Altenessen zurückkehre. Da habe ich schon mal zwölf Jahre lang gespielt, der Platz liegt fünf Minuten von meiner Haustür entfernt. Und noch was spricht für Altenessen: Ich bin ein sehr familiärer Mensch, der seinen Eltern für die langjährige Unterstützung unendlich dankbar ist. Und bei der SG würde ich auch auf meine Familie treffen. Mein Mann ist Co-Trainer der ersten Senioren-Mannschaft, mein Sohn spielt in der E-Jugend. Ich bin seit vier Jahren auch seine Trainerin.

Hat der Junge das Torjäger-Gen seiner Mutter geerbt?

Er macht auch viele Tore, obwohl er meistens im offensiven Mittelfeld aufläuft. Ich versuche meinen Spielern aber auch stets zu vermitteln, dass für mich der Torschütze gar nicht wichtig ist. Über eine gelungene Kombination kann ich mich mehr freuen als über einen erfolgreichen Abschluss.

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