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Amateurstatistiken

Tolle Torjäger |05.08.2018|17:45

Mehr als 100 Tore: Deutschlands beste Knipser

Deutschlands beste Torjäger der Saison 2017/18: Michele Haybat und Robert Schlicht.[Foto: Getty Images (2) / Collage: FUSSBALL.DE]

Robert Schlicht erzielte 101 Tore für den FSV Rühn, Michele Haybat 103 Treffer für Rot-Weiß Rehme. Der Mecklenburger und die Westfälin liegen in der deutschlandweiten Rangliste auf den ersten Plätzen. Zwei besondere Amateurfußballer im Porträt.

Robert Schlicht wollte keine Zeit verplempern. Der Schiedsrichter hatte die zweite Halbzeit soeben angepfiffen. Schlicht visierte das gegnerisches Tor an, nahm Anlauf und zog direkt vom Anstoßpunkt ab. Der Ball flog über das halbe Feld – hinein ins Tor. Die Spieler des FSV Rühn feierten Schlicht für seinen spektakulären Treffer noch an der Mittellinie. Diese Aktion aus der Partie gegen den 1. FC Bargeshagen beschreibt die große Stärke des 30-Jährigen sehr gut. „Ich suche immer den direkten Weg zum Tor“, sagt Schlicht.

Mit dieser Devise hatte der Angreifer in der vergangenen Saison besonderen Erfolg: Schlicht gelangen in 26 Spielen unglaubliche 101 Tore. Damit verhalf er dem FSV Rühn zur Meisterschaft in der Kreisliga Staffel I Warnow. Und nebenbei sicherte sich Schlicht einen persönlichen Titel: bester Torschütze im Herrenbereich. In ganz Deutschland.

Nach einem Spiel im April, Schlicht hatte in diesem 14 Tore geschossen, erhielt er den ersten Hinweis. „Ein Mitspieler hat mir gesagt, dass ich deutschlandweit vorne mit dabei bin“, erzählt der Zeitsoldat. „Da habe ich mir natürlich zum Ziel gesetzt, auch den ersten Platz zu holen.“ Die Teamkollegen unterstützten den Torjäger bei seinem Vorhaben. Mitspieler Louis Mießner hebt er besonders hervor: „Er hat mit Sicherheit die Hälfte meiner Tore vorbereitet.“

"Ich wollte wieder lieber mit meinen Freunden in Rühn zusammenspielen"

Wenn Schlicht den Ball bekommt, befördert er ihn oft mit dem ersten Kontakt ins Tor. Sein Spiel ist schnörkellos. Daher verwundert es kaum, welchem Profi Schlicht gerne zuschaut. „Ich mag Thomas Müller“, sagt er. „Der spielt einen ganz einfachen Fußball und hat großen Erfolg.“ Wie der Weltmeister schießt auch Schlicht aus unmöglichen Lagen.

Über diese Qualität verfügen wenige Amateurfußballer in Mecklenburg-Vorpommern. Deshalb erhielt Schlicht immer mal wieder Angebote von höherklassigen Klubs. Als vor einigen Jahren der TSV Bützow anfragte, entschied sich Schlicht für einen Wechsel in die Verbandsliga. Das Niveau für die sechsthöchste Spielklasse besaß er. „In Bützow hat es aber nicht so gepasst“, sagt Schlicht. „Ich wollte wieder lieber mit meinen Freunden in Rühn zusammenspielen.“ Anfang 2017 ging er zurück zum FSV – in die zehntklassige Kreisliga. Schlicht wollte Rühn zum Aufstieg verhelfen. Doch seine 34 Treffer in der Halbserie reichten nicht. In der zweiten Saison gelang der Aufstieg. Mit seinem Stammverein spielt er demnächst in der Kreisoberliga. „Und in naher Zukunft wollen wir noch mal hoch – in die Landesklasse“, sagt Schlicht.

Dafür braucht der Klub seine Tore. Dass er wieder einen dreistelligen Wert erzielen wird, hält Schlicht aber für ausgeschlossen. „Die Gegenspieler sind stärker“, sagt er. Und die Torhüter in der Kreisoberliga dürften gewarnt sein, wenn Schlicht am Anstoßpunkt steht.

Haybat schon ortsbekannt

Ortswechsel. Rund 350 Kilometer südwestlich von Rühn liegt Rehme, ein Ortsteil der westfälischen Stadt Bad Oeynhausen. Dort lebt Michele Haybat. Die 18-Jährige hat sich in der Stadt einen Namen gemacht – zumindest bei den fußballbegeisterten Einwohnern. Sie haben davon gehört, dass Haybat für Rot-Weiß Rehme in der abgelaufenen Spielzeit 103 Tore erzielte. In gerade mal 24 Partien. Dass es in ganz Deutschland keine treffsichere Spielerin gab, hatte in Rehme niemand auf dem Schirm. Selbst Haybat nicht.

„Wirklich? Damit habe ich gar nicht gerechnet“, sagt die Schülerin, als sie vom ersten Platz in der Wertung erfährt. Beste Torschützin der Frauen-Kreisliga A Minden-Lübbecke-Herford - das Ziel hatte sie sich im Verlauf der Saison gesetzt. Ganz bescheiden. Nun ist Michele Haybat die Nummer eins in Deutschland. Nachdem sie das begriffen hat, erzählt die Angreiferin, warum sie so erfolgreich ist. „Meine große Stärke ist die Schnelligkeit“, sagt Haybat. Gegenspielerinnen überlaufen. Frei vor dem Tor auftauchen. Mit dem linken Fuß vollstrecken. So sieht ein typischer Haybat-Treffer aus. Die Vorlage liefert in der Regel Lea Sagowski. „Sie kennt meine Laufwege und weiß genau, wo sie den Ball hinspielen muss“, sagt Haybat über ihre Teamkollegen.

Als Rot-Weiß Rehme im Entscheidungsspiel um den Aufstieg antrat, setzte die Angreiferin wieder auf Lea Sagowskis Steilpässe. Das Problem: Haybats Teamkollegin musste nach einem Foul früh runter. Bei Rehme lief danach wenig zusammen. Der SV Kutenhausen/Todtenhausen II gewann mit 2:1 und stieg auf. „Das war natürlich bitter, weil wir unbedingt hoch in die Bezirksliga wollten“, sagt Michele Haybat.

Den Aufstieg mit Rehme hat sie sich für kommende Saison wieder zum Ziel gesetzt. Ein Vereinswechsel kam für Haybat nicht infrage. „Vor einem Jahr wollten mich drei Klubs aus der Bezirksliga verpflichten“, sagt sie „Ich habe aber allen abgesagt, weil ich mich in Rehme sehr wohl fühle.“ Das kam offenbar glaubhaft rüber. „Jetzt ruft keiner mehr an, weil jeder weiß, dass es zwecklos ist“, sagt Haybat. Die Torjägerin braucht ihr Umfeld in Rehme, um erfolgreich zu sein. „Ich hätte vermutlich in keinem anderen Verein so viele Treffer erzielt“, sagt die 103-Tore-Frau.

Und zum Schluss verrät Haybat dann ein Detail, das ihre Ausbeute noch außergewöhnlicher erscheinen lässt. Elfmeter schießt sie nicht. „Da müssen andere ran“, sagt Haybat. „Ich bin für sowas zu nervös.“

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