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Julius Duchscherer |03.07.2015|12:30

Mit Fußball-Stipendium: USA statt Oberliga

In einem Testspiel traf Julius Duchscherer im vergangenen Jahr auf Nationalspieler Jonas Hector und den 1. FC Köln. [Foto: imago]

Julius Duchscherer spielte zwei Jahre lang für die TuS Koblenz in der Regionalliga Südwest. Nach dem Abstieg in die Oberliga wagt er nicht nur den Absprung, sondern auch den Sprung über den großen Teich. Durch Ehrgeiz und sehr viel Eigeninitiative spielt Duchscherer von August an in einer amerikanischen Universitätsmannschaft. Von der North Carolina (NC) State University hat der 21-Jährige ein Stipendium für deutsche Fußballer, die in Amerika studieren wollen, erhalten. Das fußballerische Können war in der Bewerbungsphase jedoch nicht ausschließlich entscheidend. In den Staaten werden keine Sportler gesucht, die nur Leistung auf dem Platz bringen.

„Dass ich von einem Stipendium überhaupt erfahren habe, war ein interessanter Zufall“, erzählt Duchscherer. „Eine Agentur, die Fußballstipendien vermittelt, wurde auf mich aufmerksam und schrieb mich im August 2014 per Facebook an. Daraufhin informierte ich mich genauer, was vorausgesetzt wird und ob so etwas für mich in Betracht kommt. Anfangs war es eine schwierige Entscheidung, aber um mir die Möglichkeit offen zu halten, bewarb ich mich, da der Zeitdruck groß war.“

Von einem Bekannten wurde Duchscherer dann eine Agentur empfohlen, bei der er sich registrierte und ein Profil erstellen ließ. Das Profil beinhaltet sowohl den akademischen als auch den sportlichen Lebenslauf und ein sogenanntes „Highlight-Video“ mit Spielszenen aus der Regionalliga. Auf dieses Profil können Trainer aus ganz Amerika zugreifen und Spieler vergleichen, die gut zu ihrem Team passen. „Durch mein gutes Abitur und meine 40 Einsätze in der Regionalliga hatte ich schon einen guten Stand mit meinem Profil. Dass aber von mir im Hinblick auf schriftliche Nachweise und bürokratische Dokumente noch einiges abverlangt wird, war mir nicht klar.“

Erst lernen, dann trainieren

"Dieses Angebot konnte ich nicht ausschlagen"

Denn das Bewerbungsverfahren war nicht ohne: Drei Modulprüfungen für die Universität, ein Englischtest unmittelbar nach der Bewerbung und ein TOEFL-Sprachtest mussten in kürzester Zeit abgelegt werden. Keine einfache Aufgabe für den Studenten, der nebenbei an der Fernuni Hagen Wirtschaftswissenschaften studiert. „Ich musste mir alles von zu Hause aus selbst beibringen, da ich ja noch für Koblenz gespielt habe. Eine normale Universität konnte ich nicht besuchen, da in der Woche sechs Trainingseinheiten – überwiegend vormittags - und ein Spiel anstanden.“

Der Traum, Fußball und Studium in Amerika zu verbinden, war Duchscherers Motivation. Vormittags pendelte er von seinem Heimatort Oberweyer nach Koblenz zum Training und abends lernte er für das Studium und die Tests. Letztendlich konnte er aber alle Anforderungen erfüllen und ist sehr glücklich darüber.

Anfang des Jahres stand er mit fünf amerikanischen Unis in engerem Kontakt, die auf ihn aufmerksam geworden waren. „Ende März habe ich mich dann für die NC State University entschieden, weil auch der Coach nach Deutschland gekommen ist und sich mit mir getroffen hat. Er hat sich sehr bemüht, dass ich sein Angebot annehme. Das hat mir ein gutes Gefühl gegeben.“

Traum von der MLS

Die Liga, in der Julius Duchscherer spielen wird, ist in Conferences unterteilt. Die NC State University tritt in der Atlantic Coast Conference an. Es spielen ausschließlich Universitätsmannschaften gegeneinander. Wer dort auf sich aufmerksam macht, kann auf ein Engagement in der Profiliga Major League Soccer (MLS) hoffen. „Nach meinem Studium hätte ich sogar die Chance, über einen Draft in die MLS zu kommen, wenn ein Team auf mich aufmerksam werden würde, aber daran denke ich zurzeit noch gar nicht.“

Bevor es am 19. Juli Richtung Amerika geht, muss Duchscherer neben Kofferpacken nur noch das Visum beantragen. Einen Trainingsplan hat er von seinem amerikanischen Coach allerdings schon erhalten. „Der Fußball in Amerika wird viel athletischer sein, als hier in Deutschland. Da mein Spiel eher auf Technik ausgelegt ist, bereite ich mich auch schon körperlich auf die neue Liga vor“, erklärt Duchscherer. „Ich bin gespannt, wie das Technische dort ankommen wird. Vom Niveau her ist es nach Erfahrungsberichten vergleichbar mit Oberliga oder unterer Regionalliga. Der Vorteil für mich ist, dass dort viele junge Spieler spielen, von daher kann ich meine Erfahrungen aus der Regionalliga sehr gut einbringen.“

Trainings- und Studienpläne

Am 20. Juli wird der ehemalige Koblenzer das erste Mal mit der Mannschaft mittrainieren. Mitte August beginnt die neue Saison und gleichzeitig das Semester. Die Trainingspläne werden perfekt mit den Studienplänen aufeinander abgestimmt. Sollten Studenten in der Lernphase Probleme bekommen, wird im sportlichen Bereich darauf Rücksicht genommen. So soll gewährleistet werden, dass die Studenten sowohl sportlich als auch akademisch Erfolg haben.

„Ich hatte Glück, dass ich die letzten zwei Saisons bei der TuS Koblenz gespielt habe - da die Stipendien nur an Amateurfußballer vergeben werden und die Regionalliga die letzte Amateurliga ist, war ich für die amerikanischen Universitäten ein attraktiver Spieler. Deshalb habe ich auch ein Vollstipendium bekommen können. Wenn ich zurückblicke, finde ich es unglaublich, wie sich das alles Schritt für Schritt entwickelt hat und wie es am Ende doch noch alles gepasst hat.“

Nun gilt es, sich von Freunden und Familie zu verabschieden. „Besonders meine Eltern haben mich immer unterstützt. Mein Vater trainierte mich bis zur D-Jugend beim FC Steinbach. Danach bin ich nach Wehen-Wiesbaden gewechselt, um weiter gefördert zu werden. Das wurde von meinen Eltern in die Wege geleitet und getragen“, sagt Duchscherer.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wird Julius Duchscherer am 19. Juli in den Flieger Richtung USA steigen. „So eine Möglichkeit, mit einem Stipendium in Amerika zu studieren und Fußball zu spielen, kann man nicht ausschlagen. Auch wenn es für meine Familie, meine Freundin und mich nicht einfach werden wird, bin ich fest davon überzeugt, dass wir das alles gemeinsam schaffen werden.“

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