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Kanischka Taher |13.10.2015|14:15

Nationalspieler Taher: Oberliga und WM-Quali

Nationalspieler aus Kapellen-Erft: Kanischka Taher. [Foto: www.appeltundhuth.de]

Kanischka Taher fehlt seinem Klub SC Kapellen-Erft derzeit in der Oberliga Niederrhein. Denn der Afghane läuft für sein Heimatland in der WM-Qualifikation auf. In Singapur, Oman, Kambodscha, Iran. Den Jetlag nimmt er gerne in Kauf.

Als der Abpfiff im Erftstadion ertönt, stößt Kanischka Taher einen lauten Jubelschrei aus. Trainer Frank Mitschkowski läuft zu seinem Spieler und klopft ihm auf die Schulter. Taher hat mal wieder eine starke Partie für den SC Kapellen-Erft abgeliefert. Auch dank seiner Zweikampfstärke und seiner präzisen Pässe landet das Team in der Oberliga Niederrhein einen verdienten Sieg über Schwarz-Weiß Essen.

Auf Tahers Qualitäten musste Mitschkowski jedoch beim jüngsten Unentschieden gegen den TV Jahn Hiesfeld verzichten. Denn Taher war 5000 Kilometer und sechs Zeitzonen entfernt. Mit dem afghanischen Nationalteam spielte er in der WM-Qualifikation um Punkte. Vergangene Woche unterlag Afghanistan in Singapur 1:0. An diesem Mittwoch aber steht schon das nächste Spiel auf dem Programm. Über Dubai sind die Afghanen in den Oman geflogen. Dort treffen Taher und Co. auf Syrien, das seine Heimspiele aufgrund des Bürgerkrieges auf neutralem Platz austragen muss.

Jugendspieler bei Fortuna Düsseldorf

"Ich hatte einfach nur eine Gänsehaut, als ich auf dem Platz stand"

Taher ist stressige Tage gewohnt. „Ich komme schon manchmal mit einem Jetlag nach Hause. Aber den nehme ich gerne in Kauf. Es ist schließlich eine Riesensache, für sein Land zu spielen“, sagt der 24-Jährige. Sein Land hatte er bereits im Alter von einem Jahr verlassen müssen. Die Familie floh Anfang der Neunzigerjahre aus Afghanistan und fand im niederrheinischen Korschenbroich ein neues Zuhause. Kanischka Taher, den alle nur „Kani“ nennen, entdeckte als Kind den Fußball für sich. Er besaß Talent, spielte in der Jugend unter anderem für Fortuna Düsseldorf. Seinen Traum vom Profifußball musste Taher allerdings begraben. Es reichte nicht für die große Karriere.

Er spielte für kleinere Vereine in seiner Umgebung - erst die SG Kaarst, später den SV Uedesheim. Während seiner Zeit bei Alemannia Aachen II bekam Taher eine Mail. Als er den Inhalt las, war der Amateurfußballer überwältigt. Der Teammanager der afghanischen Nationalmannschaft hatte ihn eingeladen. Er sollte an einem Lehrgang in Katar teilnehmen. Taher sagte zu, reiste an den Persischen Golf und überzeugte.

Das war vor eineinhalb Jahren. Mittlerweile gehört Taher fest dem A-Kader der Afghanen an. Trainer Slaven Skeledzic nominiert neben dem Kapellener noch viele weitere Spieler aus Deutschland. Hassan Amin vom 1. FC Saarbrücken, Mustafa Zazai vom FC St. Pauli II und Mustafa Hadid von Altona 93 sind Stammspieler in der Nationalmannschaft. Viktoria Aschaffenburg stellt mit Abassin Alikhil und Zamir Daudi sogar ein Duo. „Die fußballerische Ausbildung hierzulande genießt im Ausland einen hohen Stellenwert. Deshalb werden viele Spieler aus Deutschland nominiert“, sagt Taher.

Gegen Okazaki und Honda

Einen Erfolg konnten die Afghanen mit dieser Personalpolitik bereits feiern. In Kambodscha gewannen sie ein Spiel in der WM-Qualifikation. Beim 1:0-Sieg kam Taher nicht zum Einsatz. Seine Pflichtspielpremiere für Afghanistan hatte er dann gegen Japan. Sieben Minuten stand Taher auf dem Platz. Er, der Oberliga-Fußballer, durfte sich mit Stars wie Keisuke Honda vom AC Mailand, Yuto Nagatoma von Inter Mailand oder Shinji Okazaki, dem Ex-Spieler von Mainz 05, messen. Japan gewann locker mit 6:0, aber das Ergebnis war für Taher zweitrangig. „Das war ein unvergessliches Gefühl. Ich hatte einfach nur eine Gänsehaut, als ich auf dem Platz stand“, sagt er.

Ihr Heimspiel mussten die Afghanen aufgrund der Kriegswirren im iranischen Teheran austragen. Trotzdem war die Unterstützung im Stadion immens. 10.000 Landsleute feuerten Taher und Co. an. „Der Fußball lenkt die Menschen vom schwierigen Alltag in Afghanistan ab“, sagt der Mittelfeldspieler.

Seiner Oma und seinen Onkel, die noch in Afghanistan leben, muss er von seinen Reisen als Nationalspieler stets berichten. Und auch in Kapellen werden sie bald nachfragen, wie es denn in Singapur und gegen Syrien gelaufen ist. Spätestens am 18. Oktober wird Taher seine Mitspieler wiedersehen. Dann geht’s in der Oberliga zum TV Kalkum-Wittlaer. Dann braucht Taher für die Auswärtsfahrt nur eine halbe Stunde – Jetlag ausgeschlossen.

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