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Tag des jungen Ehrenamts |01.12.2015|10:55

Nowotny: Einst WM-Dritter, heute Jugendcoach

Jetzt wird am Spielfeldrand analysiert: Jens Nowotny (rechts) mit dem 13-maligen Nationalspieler Patrick Helmes. [Foto: Imago]

Jens Nowotny (41) bestritt für den Karlsruher SC und Bayer Leverkusen 334 Bundesligaspiele, ehe er nach einem kurzen Engagement beim kroatischen Klub Dinamo Zagreb 2007 seine Karriere aufgrund anhaltender Knieprobleme beenden musste. Heute arbeitet der 48-malige deutsche Nationalspieler, der 2006 mit der Nationalelf den dritten Platz erreichte, als Spielerberater und engagiert sich ehrenamtlich in der Nachwuchsabteilung des JFC Biesfeld Kürten Olpe.

Am Tag des jungen Ehrenamts des Fußball-Verbandes Mittelrhein am 5. Dezember in Hennef ist der einstige Defensivspezialist einer der namhaften Gäste. Hier unser Interview mit Nowotny.

Herr Nowotny, Sie haben 334 Bundesligaspiele und 48 Länderspiele bestritten. Zweifellos könnten Sie auch einen bezahlten Trainerjob ergattern. Nun sind Sie aber ehrenamtlich im Nachwuchsbereich des JFC Biesfeld Kürten Olpe tätig, wie kam es dazu?

Jens Nowotny: Ich wohne seit einigen Jahren nicht weit entfernt. Mein Sohn Niklas hat dann als Fünfjähriger begonnen, beim JFC zu spielen. Das war der entscheidende Impuls, mich dort zu engagieren. Ohne diese persönliche Beziehung wäre es wohl nicht dazu gekommen. Vor inzwischen acht Jahren kam dann die Idee auf, für die Kids zusätzlich zum Training ehrenamtlich ein Fußball-Camp auszurichten. Die erste Auflage kam sehr gut an und inzwischen ist daraus eine feste Größe geworden. Jedes Jahr in der letzten Woche der Sommerferien findet das Camp statt. Zudem springe ich, wenn Not am Mann ist, als Coach ein.

"Mir selbst fiel es anfangs schwer, diese ungewohnte Situation als Jugendtrainer eines Amateurvereins anzunehmen und mich ganz normal und ungezwungen zu verhalten"

Haben Sie denn nie mit dem Gedanken gespielt, eine Trainerkarriere im Seniorenbereich zu starten?

Nowotny: Nein, darüber habe ich nicht wirklich nachgedacht. Es hat mich nach meiner aktiven Laufbahn mehr gereizt, als Spielerberater zu arbeiten, was ich auch immer noch tue.

Aber für ein Engagement im Nachwuchsbereich haben Sie dann doch Feuer gefangen.

Nowotny: Ja, klar. Wenn man so wie ich mal den Zugang gefunden hat, ist man auch irgendwann richtig drin, entwickelt Ehrgeiz und will die Kinder ein Stück voranbringen. Wenn das klappt, erlebt man besondere Momente. Ich freue mich einfach unheimlich, wenn ein Spielzug funktioniert, eine Kombination passt. Die nackten Resultate sind mir hingegen gar nicht so wichtig.

Die Kinder, die Sie trainieren, sind zu jung, um Sie als Nationalspieler erlebt zu haben. Wissen die Jungs dennoch, dass sie von keinem gewöhnlichen Coach betreut werden?

Nowotny: Ja, das wissen sie schon, aber die Spieler sind noch so jung, dass sie das nicht richtig einordnen können. Außerdem haben sie mich ja nicht als Leverkusener Profi oder Nationalspieler, sondern im Kindergarten als Papa ihres Freundes kennengelernt.

Aber bei Meisterschaftsspielen dürften Zuschauer oder Spielereltern doch besonders auf den prominenten Coach reagieren.

Nowotny: Auch das hält sich in Grenzen. Wenn die Leute mich zum ersten Mal in dieser Funktion sehen, sorgt das vielleicht für erstaunte Blicke, aber beim Rückspiel ist das schon vorbei. Dann ist es normal, dass Jens Nowotny am Platz steht. Es kommt jedenfalls keiner und bittet um ein Autogramm. Mir selbst fiel es aber anfangs schwer, diese ungewohnte Situation als Jugendtrainer eines Amateurvereins anzunehmen und mich ganz normal und ungezwungen zu verhalten.

Hat es denn lange gedauert, bis Sie sich mit den Gegebenheiten eines kleinen Amateurvereins zurechtgefunden haben?

Nowotny: Nein. Mir war von Anfang an klar, dass man ein Engagement im Breitensport nicht mit dem im Profibereich vergleichen kann. Da muss man die Ansprüche herunterschrauben, sich mit den Gegebenheiten arrangieren und versuchen, allmählich Verbesserungen zu erreichen. Mir war es aber zum Beispiel völlig fremd, dass sich drei Teams den Platz beim Training teilen müssen. Aber man kann auch im Breitensport viel bewegen, wenn man will. Dank privaten Engagements und Beharrlichkeit haben wir heute zum Beispiel einen Kunstrasenplatz.

Was motiviert Sie, jedes Jahr viel Arbeit und Freizeit in die Organisation der Fußballcamps zu stecken?

Nowotny: Wenn ich schon im Januar angesprochen werde, ob das Camp im Sommer denn wirklich wieder stattfindet, weiß ich, wofür ich das mache. Viele Kinder und Jugendliche kommen immer wieder und sind mit viel Begeisterung dabei - das ist einfach toll. Einige der einstigen Teilnehmer engagieren sich sogar inzwischen als Nachwuchstrainer im Klub. Außerdem ist es bewundernswert, mit wie viel Elan die übrigen Organisatoren und Helfer bei der Sache sind. Jeder packt an und bringt seine Stärken ein. Ich kümmere mich dabei nicht nur um die Trainingseinheiten, sondern versuche auch, meine Kontakte zu nutzen, um Sponsoren für Sportklamotten und Verpflegung zu besorgen. Inzwischen ist diese Veranstaltung tatsächlich für mich zur Ehrensache geworden, ich denke, ich würde auch dabei bleiben, wenn mein Sohn nicht mehr teilnähme.

Ihnen eröffnet Ihr ehrenamtliches Engagement also neue Perspektiven. Gilt das auch für Heranwachsende?

Nowotny: Natürlich, gerade für Jugendliche ist eine solche Tätigkeit eine perfekte Chance, soziale Kompetenz zu erwerben, im Umgang mit anderen Menschen sicherer zu werden und als Persönlichkeit zu reifen. Außerdem lernt man die andere Seite – die der Eltern und Verantwortlichen – kennen und verstehen. Als Jugendlicher hört man beispielsweise nur, dass man aufräumen soll und ist nicht unbedingt begeistert. Wenn man als Nachwuchstrainer arbeitet, versteht man dann aber ziemlich schnell, welchen Sinn Regeln und Ordnung haben.

Was  dürfen die Teilnehmer am Tag des jungen Ehrenamts in Hennef denn von Ihrem Auftritt erwarten. Werden Sie ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und ein paar Anekdoten aus Ihrer langen Profizeit erzählen?

Nowotny: Das haben die Teilnehmer selbst in der Hand. Wer Fragen stellt, bekommt von mir selbstverständlich gerne Antworten. Die Mädels und Jungs sollten einfach nur den Mut mitbringen, mir Fragen zu stellen. So oft haben sie ja nicht Gelegenheit, sich mit einem ehemaligen Nationalspieler zu unterhalten.