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DJK St. Matthias Trier |07.01.2016|10:25

20-Minuten-Mann Habte: Ex-Profi nun Platzwart

Platzwart Sammy Habte bewahrt die Einladung zum Nationalteam auf wie einen Schatz. [Foto: Fotos Arens; Collage FUSSBALL.DE]

Einst geflüchtet aus der nordostafrikanischen Heimat, später Profi in der zweiten Bundesliga, Mitglied der eritreischen Nationalmannschaft, Europapokaleinsätze in Luxemburg, dazu noch Platzwart, Aushilfs-Abwehrchef, Co-Trainer und Integrationsbeauftragter: Mit seinen 32 Jahren hat Asmeron "Sammy" Habte schon einiges erlebt.

An den 18. Juli 2003 erinnert sich "Sammy", wie sie ihn in Trier alle rufen, zurück, als es sei erst gestern gewesen: Da flatterte ein Schreiben der eritreischen Botschaft ins elterliche Haus in Trier. Eine Einladung zu einem Lehrgang der Nationalmannschaft. Als damaliges Kadermitglied des Zweitligisten Eintracht Trier war Habtes Name den Scouts seines Heimatlandes, das er im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern verlassen hatte, aufgefallen („Mein Vater war politisch verfolgt. Über die Wüste Sahara und Libyen landeten wir schließlich in Deutschland“).

Mehr als zwei Jahre lang nahm er an Lehrgängen teil, absolvierte Tests gegen Liga-Teams des erst 1993 unabhängig gewordenen 6,4-Millionen-Einwohner-Staates zwischen Äthiopien und Sudan am Roten Meer. So groß die Ehre war, zum erlauchten Kreis der Fußballelite Eritreas zu gehören:  Von der Stadt Trier als seinem Arbeitgeber bekam der gelernte Maler und Lackierer keinen Sonderurlaub – und freie Tage waren wegen der zahlreichen Trainingslager reichlich draufgegangen. So beendete er seine Nationalmannschaftskarriere nach gut zwei Jahren ohne offiziellen Einsatz. „Das war schon eine ganz schön aufregende Zeit. Die Fußballbegeisterung in Eritrea war und ist auch heute noch riesig. Zu den Testspielen kamen oft ein paar tausend Zuschauer“, blickt Habte zurück.

Stand er von 2002 bis 2004 zwar zwei Jahre lang als Halbprofi in Diensten der Trierer Eintracht, nahm seine Laufbahn erst danach so richtig Fahrt auf. Schließlich kam der Innenverteidiger und defensive Mittelfeldspieler unter Trainer Paul Linz vor allem wegen einiger schwerer Verletzungen – unter anderem zwangen ihn Innenmeniskus- und Knorpelschäden zu mehrmonatigen Pausen – nur zu einem einzigen Einsatz in Liga zwei. „Am 25. Mai 2003 durfte ich gut 20 Minuten lang im letzten Saisonspiel gegen Union Berlin ran“, ist ihm dieses Datum noch ähnlich präsent wie jener 18. Juli des gleichen Jahres, als die Einladung zur Nationalelf in der Post lag.

"Es gibt doch nichts Schöneres, als auch beruflich mit Sportlern zu tun haben zu können"

Um Fußball und Beruf besser unter einen Hut zu bringen, wechselte Habte 2004 zum Luxemburger Erstligisten Victoria Rosport – und gestaltete in der gut 2000 Einwohner zählenden Grenzgemeinde an der Sauer das „Wunder vom Dorf“ mit. Habte zählte unter Trainer Reiner Brinsa zu den festen Größen, der Klub schaffte es im Großherzogtum ins Pokalfinale und durfte im Juni 2005 sogar im damaligen UI-Cup ran: In den Duellen mit dem schwedischen Topklub IFK Göteborg (1:2/1:3) schlug sich das Team aus dem Fußballzwergen-Staat achtbar. Das Heimspiel musste die Victoria aus Sicherheitsgründen in der Hauptstadt Luxemburg austragen. „Trotzdem war fast das ganze Dorf auf den Beinen“, ist Habte auch Jahre später von der großen Begeisterung in Rosport fasziniert. Nach dem Abstieg in die zweitklassige Ehrenpromotion hielt er der Victoria die Treue, wechselte dann aber nochmal für zwei Jahre in die Nationaldivision zum CS Grevenmacher. 2009 fand die Laufbahn ein jähes Ende – das malade Knie meldete sich wieder.

Parallel zu einer notwendigen Pause bastelte er an seinem beruflichen Werdegang: In Trier-Feyen wurde Habte Platzwart für die Bezirkssportanlage, hier betreut er inzwischen neben dem Kunstrasen noch weitere Spielfelder und die Sporthalle. Reparaturen, den Kunstrasen pflegen, Rasen mähen und und und: zu tun gibt es reichlich. Doch „Sammy“ kennt keinen Stress. „Es gibt doch nichts Schöneres, als  auch beruflich mit Sportlern zu tun haben zu können.“ Seine Hilfsbereitschaft, seine offene Art, die Kreativität, wenn mal wieder kurzfristig irgendwo auf der Anlage was klemmt – innerhalb weniger Jahre hat sich Habte bereits ein hohes Ansehen erworben.

Einsatz für Flüchtlinge

Als die in Trier-Feyen ansässige DJK St. Matthias anfragte, sprang er sogar nochmal als Spieler ein und hatte so großen Anteil am Bezirksligaaufstieg 2014 und dem Klassenverbleib in der vergangenen Saison. Als die Verletzungssorgen von Trainer Franz-Josef Blang mal wieder groß waren, ließ sich der Abwehr-Spezialist auch vor wenigen Wochen nochmal breit schlagen. Grundsätzlich sagt er aber: „Die Jüngeren sollen ran.“ Und einen Teil des DJK-Nachwuchses hat er als Assistent der A-Jugend unter seinen Fittichen.

„Mit seiner großen Erfahrung und seiner Persönlichkeit ist er ganz wichtig für uns“, sagt Trainer Jörg Thomé. „Spitzenmäßig“, findet DJK-Urgestein Manfred Blang das Engagement Habtes – auch, weil er sich für im Trierer Stadtteil lebende unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge einsetzt: Durch seine Initiative wurden Sammlungen von Fußballschuhen und Trainingsklamotten durchgeführt und finden regelmäßige Übungseinheiten mit den aus verschiedenen Krisenherden der Welt stammenden Kindern und Jugendlichen statt.  „Eigentlich keiner Rede wert“, ist das für den bescheidenen Habte selbst – denn: „Als ich mit meiner Familie vor knapp 30 Jahren nach Deutschland geflüchtet bin, sind wir hier schließlich auch sehr gut aufgenommen worden.“