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Scoring Girls |28.10.2020|06:55

Tekkal: "Eltern mitnehmen und überzeugen"

Tugba Tekkal: "Die Eltern vom ersten Tag mitzunehmen, das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg."[Foto: Hawar Help]

Tugba Tekkal blieb der Zugang zum Vereinsfußball lange Zeit verwehrt. Erst als Jugendliche durfte die Tochter einer jesidisch-kurdischen Großfamilie einem Klub beitreten. Später schaffte sie es sogar in die Frauen-Bundesliga. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht die Gründerin des Projekts "Scoring Girls", das erst im September 2020 mit dem Julius Hirsch Preis ausgezeichnet wurde, über Hürden, die es für fußballbegeisterte Migrantinnen gibt, und darüber, wie diese beseitigt werden können.

FUSSBALL.DE: Frau Tekkal, wann sind Sie einem Fußballklub beigetreten?

Tugba Tekkal: Sehr spät. Da war ich schon 16 Jahre alt. Ich habe als Kind immer mit Freunden auf der Straße Fußball gespielt. Aber meine Eltern wollten nicht, dass ich einem Verein beitrete. Sie hatten zu große Vorbehalte.

Welche Vorbehalte waren das?

"Es gibt viele Ängste und Sorgen, die bei den Eltern vorherrschen"

Tekkal: Ich stamme aus einer Großfamilie mit zehn Geschwistern, in der Traditionen eine große Rolle gespielt haben. Da hieß es immer, dass Fußball ein Jungensport ist. Ein Mädchen sollte sich lieber um andere Sachen kümmern: Kochen lernen und im Haushalt mithelfen. Meine Eltern haben auch großen Druck von außen erfahren. Verwandte und Bekannte haben sich beschwert. Dann fielen so Sätze wie: Euer Mädchen spielt nur mit Jungs. Die Kleine trägt kurze Hosen. Das gehört sich doch nicht. Und das hat dazu geführt, dass meine Eltern mir nicht erlaubt haben, im Verein Fußball zu spielen. Irgendwann haben sie aber erkannt, dass der Sport meine Leidenschaft ist.

Deswegen durften Sie als 16-Jährige mit dem Vereinsfußball beginnen. Wie hat das Ihre persönliche Entwicklung beeinflusst?

Tekkal: Ich bin viel selbstbewusster geworden. Vorher war ich die schüchterne Tugba, die kaum gesprochen hat. Durch den Verein hat sich das komplett verändert. Ich habe auf dem Platz durch meine Leistungen sehr große Anerkennung erhalten. Das hat auch zu einer persönlichen Weiterentwickelung beigetragen. So haben meine Schwestern und ich 2015 den Hilfsverein "Hawar.help" gegründet. Ein Projekt dieses Vereins sind die "Scoring Girls".

Sie trainieren junge Mädchen aus sozial schwachen Familien und aus Flüchtlingsfamilien. Wie sahen die Vorbereitungen vor dem ersten Training aus?

Tekkal: Ich musste in die Familien gehen, um dort Überzeugungsarbeit zu leisten. Es gibt viele Ängste und Sorgen, die bei den Eltern vorherrschen. Sie befürchten etwa, dass sie ihre Tochter an die deutsche Gesellschaft verlieren. Dass das Mädchen die Muttersprache verlernt. Diese Ängste und Sorgen muss man ernst nehmen. Ich habe den Eltern oft erklärt, dass man sich sowohl dem Herkunftsland als auch Deutschland zugehörig fühlen kann. Das schließt sich nicht aus. Ich selber fühle mich ja auch als Kurdin und als Deutsche.

Was hilft noch, um Eltern zu überzeugen?

Tekkal: Wenn sie mit eigenen Augen sehen, wie sich die Mädels entwickeln, macht das die Sache oft leichter. Wir haben drei Spielerinnen, die mittlerweile in Kölner Vereinen aktiv sind. Eine andere hat im Frühjahr einen Lehrgang zum DFB-Junior-Coach abgeschlossen. Sie möchte Trainerin werden und demnächst ihr Wissen selber an Mädchen weitergeben. Es geht aber nicht nur um sportliche Erfolge.

Worum geht es noch?

Tekkal: Ich nenne am besten mal ein Beispiel. Ich habe ein Mädchen trainiert, das Arzthelferin werden wollte. Das Fußballspielen in der Gruppe hat ihr Selbstbewusstsein aber so gestärkt, dass sie ihre Berufspläne noch mal überdacht hat. Jetzt möchte sie nicht mehr Arzthelferin werden, sondern Ärztin.

Was raten Sie den Vereinen, um mehr junge Fußballerinnen mit Migrationshintergrund zu gewinnen?

Tekkal: Es ist wichtig, regelmäßig Veranstaltungen zu organisieren, an denen die Eltern teilnehmen. Dort sollte es einen offenen Austausch geben. Die Trainer und Verantwortlichen sollten erklären, was sie auf dem Fußballplatz machen. Und sie sollen die Anliegen der Mütter und Väter ernst nehmen. Letztendlich geht es darum zu begreifen, dass ein Fußballklub Kinder nicht wegnehmen, sondern sie in eine Gemeinschaft integrieren will. Die Eltern vom ersten Tag mitzunehmen, das ist für mich der Schlüssel zum Erfolg.

Sind die Vereine in diesem Punkt schon gut aufgestellt?

Tekkal: Da gibt es noch Nachholbedarf. Oft wird kein Kontakt zu den Eltern gesucht. Und das ist falsch. Die meisten Eltern haben einfach nur Angst. Sie wollen gar nicht an Traditionen festhalten, aber sie wollen an die Hand genommen werden. Das kann sehr viel Kraft kosten. Aber im Endeffekt zahlt es sich für die Vereine aus, wenn sie neue Spielerinnen bekommen. Und die Mädels profitieren, indem sie durch den Sport noch etwas für ihr Selbstbewusstsein machen.

Eine andere Hürde ist – besonders bei Flüchtlingsfamilien – oft der Mitgliedsbeitrag. Viele können es sich nicht leisten, ihr Mädchen im Fußballverein anzumelden.

Tekkal: Es gibt immer Wege, die finanziellen Probleme zu lösen. Klar, die Klubs sind auf die Beiträge angewiesen. Aber es lohnt sich oft, bei sozialen Einrichtungen vor Ort nachzufragen. Dass es am Geld scheitert, sollte nicht passieren.

Kommen wir zurück zu den Eltern. Ist Ihnen aus der Arbeit mit Nachwuchsfußballerinnen eine Geschichte hängen geblieben, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Tekkal: Oh ja, da muss ich sofort an eine Spielerin denken, die von einem auf den anderen Tag nicht mehr zum Training kommen durfte. Sie war in der Pubertät und die Eltern vertraten die Meinung, dass Fußball jetzt nichts mehr für sie wäre. Sie wollte aber weiter trainieren, hat mich auch nachts angerufen. Ich habe lange Gespräche mit den Eltern geführt und ihnen erklärt, welchen hohen Stellenwert der Fußball im Leben ihrer Tochter hat. Letztendlich durfte sie wieder zum Training kommen. Die Eltern haben die Leidenschaft ihrer Tochter akzeptiert. Mittlerweile hängt ein Foto der jungen Frau im Fußballtrikot im Wohnzimmer der Familie.

Haben Sie sich da an Ihre eigene Geschichte erinnert gefühlt?

Tekkal: Ein Stück weit schon. Meine Eltern wollten ja auch erst nicht, dass ich Fußball spiele. Als ich dann aber in der  1. Bundesliga  debütiert habe, waren sie ganz stolz. Die erste Autogrammkarte aus meiner Zeit beim  Hamburger SV  hängt immer noch an der Pinnwand meiner Eltern.

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