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Ex-Nationalspieler Christian Wörns |18.01.2016|16:00

Neu-Trainer Wörns: „Ich brauche eine Aufgabe“

Ex-Profi, Ex-Nationalspieler und heute Trainer: Christian Wörns. [Foto: imago/GettyImages/DFB]

Jede Menge Erfahrung kann Christian Wörns, neuer Trainer des Bayern-Regionalligisten FC Augsburg II, in die Waagschale werfen. Insgesamt 469 Mal kam der heute 43-Jährige für den SV Waldhof Mannheim, Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund in der Bundesliga zum Einsatz. Eine Meisterschaft und ein Pokalsieg sind die größten Vereinstitel des ehemaligen Abwehrspezialisten. Mit dem BVB erreichte er 2002 das Endspiel um den UEFA-Pokal, für die deutsche Nationalmannschaft bestritt er 66 Länderspiele.

Im aktuellen FUSSBALL.DE -Interview spricht Christian Wörns über seine neue Aufgabe in Augsburg, das Rennen um den Klassenverbleib in der südlichsten Regionalliga und seine bisher recht kurzen Amtszeiten im Trainerbereich.

FUSSBALL.DE: Die SpVgg Unterhaching war Ihre erste Station in Bayern. Jetzt betreuen Sie beim FC Augsburg die U 23. Gefällt es Ihnen so gut im südlichsten Bundesland, Herr Wörns?

Christian Wörns: Meine Familie und ich waren vor eineinhalb Jahren nach Grünwald, direkt vor den Toren Münchens, gezogen. Wir fühlen uns dort in der Tat sehr wohl. Nach Augsburg sind es knapp 80 Kilometer. Das ist überschaubar und damit nicht das große Problem.

"Ich lobe gern, erwarte jedoch auch viel. Divenhaftes Verhalten geht gar nicht, wird sofort unterbunden"

In Augsburg trainieren Sie nun erstmals eine U 23-Mannschaft. Was ist für Sie die besondere Herausforderung dabei?

Wörns: Der Tabellenplatz. Wir sind schließlich Schlusslicht, wollen so schnell wie möglich von den Abstiegsrängen weg. Es ist richtig, dass ich nun zum ersten Mal eine Mannschaft im Seniorenbereich trainiere. Groß umstellen muss ich mich nicht, da sich die Arbeit als Trainer in den diversen Altersklassen gar nicht mehr so groß unterscheidet. In den vergangenen Jahren ist alles noch mehr miteinander verschmolzen.

Normalerweise stehen Entwicklung und Ausbildung im Vordergrund. Der FCA ist jedoch Tabellenschlusslicht, kämpft um den Klassenverbleib. Geht es in der Restrunde daher einzig und allein um Ergebnisse?

Wörns: Die Entwicklung muss stets im Fokus bleiben. Wenn es kein Vorankommen im persönlichen und taktischen Bereich gibt, bekommt man automatisch auch tabellarisch Probleme. Zur Vorbereitung auf die Restrunde haben wir eine Reihe an Testspielen vereinbart. Da können wir auch einmal experimentieren. Im Liga-Alltag wird sich das allerdings in der Tat in Grenzen halten.

Was ist entscheidend, um die gefährliche Zone zu verlassen?

Wörns: Ich muss meiner Mannschaft erst einmal ein Lob aussprechen: Alle ziehen exzellent mit. Es ist häufig so, dass die Spieler nach der Sommer- oder Winterpause euphorisiert sind. Bei den ersten Problemen kann es jedoch schon passieren, dass sie wegknicken. Für mich als Trainer geht es deshalb darum, so an der Persönlichkeit der Spieler zu schrauben, dass sie die nötige Willensausdauer an den Tag legen und sich auch von Rückschlägen nicht nachhaltig negativ beeinflussen zu lassen.

Welche Rolle spielt die Ligenzugehörigkeit für den Ausbildungsauftrag?

Wörns: Gerade für die jüngeren Jahrgänge wie U 17 und U 19 hat das Signalwirkung. Es ist doch ganz klar, dass die Spieler, die nachrücken, lieber in der vierten als in der fünften Klasse an den Start gehen. Den Erhalt der 4. Liga sehe ich daher als sehr wichtig an. So wird die Distanz zur ersten Mannschaft auch nicht größer - auch wenn der Sprung in die Bundesliga ein Quantensprung bleibt. Es bleibt Teil meiner Arbeit, möglichst viele Spieler nach oben durchzuschieben.

Ihr Vertrag läuft zunächst nur bis Saisonende. Ist Ihr Verbleib in Augsburg an den Klassenverbleib gekettet?

Wörns: In den kommenden Monaten haben wir Zeit, uns zu beschnuppern und zu sehen, ob es zusammenpasst. Aktuell habe ich da überhaupt keine Bedenken. Ich gehe nicht davon aus, dass der Verein bei der Bewertung meiner Arbeit ausschließlich die Tabelle heranzieht. Trotzdem weiß ich, dass das mit der B-Note im Fußball so eine Sache ist. Mein Fokus liegt darauf, den Spagat zwischen Entwicklung und Ergebnissen bestmöglich zu meistern. Dann sehen wir weiter.

Wie gut kennen Sie die Regionalliga Bayern?

Wörns: Das Stadion an der Grünwalder Straße, in dem 1860 München II und Bayern München II in der Regel ihre Heimspiele austragen, ist nur fünf Minuten von unserem Haus entfernt. Ich habe daher fast jeden Verein schon einmal gesehen. Die Liga ist voll von jungen und talentierten Fußballern, die noch geschliffen werden müssen. Viele von ihnen stammen aus Nachwuchsleistungszentren, sind daher hervorragend ausgebildet.

Auf was für eine Art von Trainer müssen sich die Augsburger U 23-Spieler einstellen?

Wörns: Ich lege viel Wert auf Authentizität und Ehrlichkeit. Bei mir weiß man immer, woran man ist. Auch wenn den Spielern der Wind schon einmal ins Gesicht blasen kann, wird stets offen kommuniziert. Ich lobe gern, erwarte jedoch auch viel. Divenhaftes Verhalten geht gar nicht, wird sofort unterbunden.

Ihr 14-jähriger Sohn David spielt in der Augsburger U 15. Schauen Sie ab und zu bei den Einheiten vorbei?

Wörns: Wenn es zeitlich passt, bin ich dabei. Das gilt aber auch für alle anderen U-Mannschaften. Schließlich möchte ich einen umfassenden Überblick bekommen.

Hat es David wegen seines bekannten Vaters besonders schwer?

Wörns: Das glaube ich nicht. Viele Jungs in seinem Alter wissen gar nicht so richtig, wer ich bin. Darüber hinaus trennen wir das auch: David ist David und ich bin ich.

Seit 2012 waren Sie U 15-Trainer des VfL Bochum, U 17-Trainer beim FC Schalke 04 sowie Co- und U 16-Trainer bei der SpVgg Unterhaching. Längere Amtszeiten jenseits von zwei Jahren waren bisher nicht darunter. Warum?

Wörns: Auf der einen Seite hätte ich gerne kontinuierlicher gearbeitet. Auf der anderen Seite haben sich häufig Türen geöffnet, durch die ich gerne gegangen bin. Für meine Entwicklung als Trainer war das sicher nicht schlecht. Jetzt wäre ich aber gerne einmal länger an einem Ort.

Als Spieler waren Sie über Jahrzehnte in der Bundesliga aktiv, haben 66 Mal für Deutschland gespielt. Sieht man Sie irgendwann auch als Trainer in der Bundesliga?

Wörns: Ich verfolge keinen Karriereplan. Wichtig ist mir, immer eine Aufgabe zu haben. Sonst würde mir zu Hause auch langweilig (lacht) . Ich fühle mich bei der Augsburger U 23 gut aufgehoben. Überhaupt macht die Arbeit mit jungen Spielern großen Spaß.