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Weltenbummler |10.01.2018|12:00

Zobel: Warum er Sohn und Kreisliga verlässt

Der frühere Bayern-Spieler Rainer Zobel (links) hatte zuletzt seinen Sohn Max (rechts) und den Kreisligisten FC Wenden trainiert, nun hat er den Lüneburger SK übernommen. [Foto: Imago, FUSSBALL.DE / Collage: FUSSBALL.DE]

Der ehemalige Bundesligaprofi Rainer Zobel war schon Trainer in Ägypten, im Iran, in Südafrika und in vielen weiteren Ländern auf der ganzen Welt. Jetzt hat der 69-Jährige, der als Profi mit dem FC Bayern dreimal die Champions League gewann, den Nord-Regionalligisten Lüneburger SK übernommen. Mit dem Wechsel zum LSK kehrte der gebürtige Niedersachse Zobel zu dem Verein zurück, für den er schon zum Ende seiner aktiven Laufbahn als Spieler und später als junger Trainer aktiv war.

Im aktuellen Interview mit FUSSBALL.DE spricht Rainer Zobel, der zuletzt den Braunschweiger Kreisligisten FC Wenden trainiert hatte, über die Gründe für seine Rückkehr nach Lüneburg, ungewöhnliche Geschichten aus der Zeit in Südafrika sowie seine schönste Station und er erklärt, warum er auch wegen seiner Frau Katharina „Weltenbummler“ wurde.

"Franz Beckenbauer ist bis heute der kompletteste Fußballer aller Zeiten"

FUSSBALL.DE: Nach unzähligen Trainerstationen auf der ganzen Welt betreuen Sie ab sofort den Lüneburger SK in der 4. Liga. Was waren Ihre Beweggründe, Herr Zobel?

Rainer Zobel: Das ist schnell und einfach zu erklären. Kurz vor Weihnachten bekam ich einen Anruf aus Lüneburg. Mir wurde gesagt, dass Cheftrainer Achim Otte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt mit sofortiger Wirkung niederlegt und deshalb dringend ein Nachfolger gesucht wird. Ich musste nicht lange überlegen, um meinem ehemaligen Verein in dieser Notlage zu helfen. Allerdings hätte ich nicht zugesagt, wenn die Trennung sportliche Gründe gehabt hätte. Dann hätte sich der LSK einen anderen Trainer suchen müssen.

FUSSBALL.DE: Warum?

Zobel: Ich wollte ursprünglich schon seit 2015 keinen Verein mehr trainieren. Die Station beim El Gouna FC in Ägypten sollte eigentlich meine letzte bleiben. Als ich dann im Juli 2016 aber die Chance bekam, beim Kreisligisten FC Wenden Trainer meines Sohnes Max zu werden, habe ich doch noch einmal einen Trainerjob angenommen. Auch deshalb, weil ich nach einem Jahr Pause noch einmal das Bedürfnis hatte, Verantwortung zu übernehmen und eine Aufgabe zu haben. In Wenden lief alles hervorragend, wir haben die Hinserie der laufenden Saison als Spitzenreiter beendet. Die Entscheidung, den Klub mitten in der Saison zu verlassen, ist mir sehr schwer gefallen. Ich konnte den LSK, der mir ans Herz gewachsen ist, aber nicht im Stich lassen.

FUSSBALL.DE: Wird nun Lüneburg Ihre letzte Trainerstation sein?

Zobel: (lacht) Ich könnte jetzt sagen, dass es so wäre. Aber Jupp Heynckes meinte das auch schon einmal und nun ist er mit 72 Jahren erneut beim FC Bayern im Amt. Fakt ist, dass ich jetzt erst einmal einen Vertrag bis Juni 2019 unterschrieben habe. Wie es danach weitergeht, wird man sehen.

FUSSBALL.DE: Sie trainierten Klubs in Ägypten, Iran, Südafrika, Georgien, Katar, Moldawien und Deutschland. Wie kam es dazu, dass Sie in so vielen unterschiedlichen Ländern tätig waren?

Zobel: Um ehrlich zu sein: Geplant hatte ich das nie, es kam eher zufällig. Man könnte sogar sagen, dass meine Frau Katharina schuld daran ist, dass ich ein solcher Weltenbummler geworden bin. (lacht)

FUSSBALL.DE: Jetzt sind wir aber gespannt!

Zobel: Anfang der 90-er Jahre war ich als Trainer des 1. FC Kaiserslautern mit der Mannschaft auf einer Promotion-Tour in den USA, weil unser damaliger Kapitän Tom Dooley auch Spielführer der US-Nationalmannschaft war. Bei einem Bankett saßen meine Frau und ich an einem Tisch mit Bora Milutinovic ( früher unter anderem Nationaltrainer der USA, Jamaika, China und Irak, Anmerkung der Redaktion ), der in seiner Trainerlaufbahn schon in vielen Ländern gearbeitet hatte und deshalb viele interessante Geschichten erzählen konnte. Meine Frau war davon begeistert und sagte mir nach dem Bankett: ‚Wenn du auch einmal die Chance bekommst, eine Mannschaft im Ausland zu trainieren, musst du das sofort machen.‘

FUSSBALL.DE: 1997 erfüllten Sie Ihrer Gattin dann diesen Wunsch mit dem Wechsel zum ägyptischen Klub El Ahly Kairo.

Zobel: Genau. Als der Anruf aus Kairo kam, habe ich sofort zugesagt. Ohne mit dem Verein zu verhandeln, habe ich mich spontan dazu entschieden, das Angebot anzunehmen und dieses Abenteuer in Angriff zu nehmen.

FUSSBALL.DE: Haben Sie Ihre Frau mitgenommen?

Zobel: Nein, sie ist zuhause in Braunschweig bei unseren Kindern geblieben. Wir wollten nicht, dass unsere Söhne ihre Schule und damit auch ihre Freunde verlassen müssen. Auch bei allen anderen Stationen haben wir es so gehandhabt, dass meine Familie zuhause bleibt. Allerdings haben mich meine Frau und meine Kinder überall besucht und durften damit ebenfalls viele neue Länder und Kulturen kennenlernen.

FUSSBALL.DE: Mit El Ahly Kairo waren Sie sehr erfolgreich und wurden von 1997 bis 2000 dreimal in Folge Meister. War das deshalb auch Ihre schönste Zeit als Trainer?

Zobel: Das würde ich nicht sagen. Die schönste Zeit hatte ich definitiv beim El Gouna FC, den ich von 2013 bis 2015 in Ägypten betreut habe. Ich hatte das Privileg, in einer Stadt zu arbeiten, die direkt am Roten Meer gelegen ist und in der viele Menschen aus der ganzen Welt im Sommer Urlaub machen. An einem schöneren Ort werde ich sicher nicht mehr arbeiten. Die drei Jahre in Kairo waren aber trotzdem klasse. Durch die vielen Erfolge konnte ich mir einen Namen in der arabischen Welt machen. Ich habe damals sozusagen den Grundstein dafür gelegt, später in vielen anderen Ländern tätig sein zu können.

FUSSBALL.DE: In welchem Land hatten Sie die ungewöhnlichste Amtszeit als Cheftrainer?

Zobel: Das war in Südafrika. Was sich dort bei den Begegnungen teilweise abspielte, ging über meine Vorstellungskraft hinaus.

FUSSBALL.DE: Erzählen Sie uns mehr!

Zobel: Um nur ein Beispiel zu nennen: Vor dem Anpfiff einer Partie warfen einmal die Betreuer der gegnerischen Mannschaft Hähnchenbeine unter ihre Trainerbank. Mein Trainerteam verriet mir dann, dass das mit Aberglaube zu tun hat und mit dem Wurf einer Münze zu vergleichen ist. Je nachdem, wie die Hähnchenbeine fallen, geht das Spiel angeblich am Ende aus. Ich hätte nie gedacht, dass ich als Fußballtrainer einmal Augenzeuge von so etwas wie Voodoo-Zauber werden würde.

FUSSBALL.DE: Was passierte noch in Südafrika?

Zobel: Vor einem Spiel wollte ich kurz vor dem Anstoß nur testen, wie die Platzverhältnisse sind, und habe mit dem Daumen den Rasen berührt. Sofort kamen zwei Polizisten auf mich zu und begleiteten mich auf dem Weg zurück zur Trainerbank. Grund war, dass die Polizisten dachten, ich wolle den Platz mit einem Zauber belegen, um für einen Vorteil unserer Mannschaft zu sorgen.

FUSSBALL.DE: Beim Lüneburger SK wird Ihnen so etwas sicher nicht mehr passieren. Vor mehr als 30 Jahren hatten Sie schon einmal den LSK trainiert. Ist im Verein noch irgendetwas genauso wie früher?

Zobel: Nein, es hat sich alles verändert. Das ist aber auch ganz normal, nachdem der Klub Anfang des Jahrtausends mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und ein Insolvenzverfahren eröffnen musste. Der gesamte Jugendbereich wurde in den zurückliegenden Jahren neu aufgebaut, eine A-Jugend gibt es noch gar nicht. Ich bin aber positiv überrascht, wie seriös in Lüneburg aktuell gearbeitet wird und bin guter Dinge, dass wir in den anstehenden eineinhalb Jahren den Verein gemeinsam voranbringen werden.

FUSSBALL.DE: Beim LSK beendeten Sie auch Ihre erfolgreiche Laufbahn als Spieler, in der Sie unter anderem sechs Jahre für den deutschen Rekordmeister Bayern München gekickt hatten. Dabei gewannen Sie dreimal in Folge die Champions League und holten dreimal hintereinander die Deutsche Meisterschaft. Wie oft ist diese Zeit noch Thema in Ihrem Leben?

Zobel: Ich werde tatsächlich jeden Tag an meine Zeit beim FC Bayern München erinnert. Wenn ich einmal mal nicht selbst daran denke, spricht mich irgendwer darauf an. Es gibt auch immer wieder Fotowünsche, die ich gerne erfülle. Auch an meinen ersten Tagen in Lüneburg war das Interesse an meiner Person groß.

FUSSBALL.DE: Empfinden Sie das gelegentlich auch als nervig?

Zobel: Grundsätzlich finde ich es angenehm, wenn ich nicht in Vergessenheit gerate und die Leute auch heute noch wissen, wer ich bin und was ich als Spieler erreicht habe. Nervig finde ich das daher nicht. Allerdings gab es sicher einige anstrengende Momente. Wenn dir in Ägypten 30 Fans hinterherlaufen und deinen Namen schreien, bist du auch ein bisschen froh, wenn du zuhause ankommst und deine Ruhe hast.

FUSSBALL.DE: Zu Ihren Mitspielern gehörten unter anderem Franz Beckenbauer, Sepp Maier und Gerd Müller. Haben Sie zu einigen Ihrer ehemaligen Weggefährten noch Kontakt?

Zobel: Ab und zu. Franz Beckenbauer habe ich zum Beispiel zu meiner Zeit im Iran getroffen, als er dort als WM-Botschafter Werbung für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gemacht hat. Außerdem gibt es mit einigen damaligen Mitspielern jedes Jahr ein Wiedersehen, wenn wir mit der Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft beim Weihnachtsessen sind. Und da ich jetzt offiziell eine ‚FC Bayern Legende‘ bin und ich wieder in Deutschland lebe, sehe ich einige ehemalige Weggefährten sogar öfter als früher.

FUSSBALL.DE: Wer war der beste Spieler, mit dem Sie je zusammen gekickt haben?

Zobel: Ganz klar Franz Beckenbauer! Meiner Meinung nach ist er bis heute der kompletteste Fußballer aller Zeiten. Er übertrumpft selbst Spieler wie Cristiano Ronaldo, Maradona und Pele. All diese exzellenten Fußballer haben oder hatten spezielle Fähigkeiten, die sie zu besonders guten Sportlern machen. Franz dagegen konnte einfach alles. Er hat vom Linksaußen bis zum Libero alle Positionen gespielt und war immer der Beste. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so etwas noch einmal geben wird.

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