Türkei, Albanien, Brasilien, Russland, Polen, Kosovo, Afghanistan, Kasachstan, Deutschland – mehr geht kaum. Spieler aus neun verschiedenen Ländern bringt die Erste Mannschaft des SV Allner-Bödingen zusammen. In dieser buntgemischten Gemeinschaft geht es längst nicht nur um Fußball.
Verständigung ist ein großes Thema. Ein babylonisches Sprachgewirr soll bei dem Kreisliga-B-Klub aus dem Kreis Sieg nicht entstehen. Deswegen leitet das Trainer-Paar Markus und Bianca Adolphs ihre Spieler nicht nur auf dem Platz an. Auch außerhalb halten sie ihre Schützlinge zu Leistungssteigerungen an. „Wir ermuntern die Spieler, sich auf Deutsch zu verständigen. Jeder soll den anderen verstehen“, sagt Bianca Adolphs.
Es funktioniert in dem Verein aus Hennef. Der Austausch ist da. Es ist die Basis für weitere Eckpfeiler, die zum Gelingen des Projekts beitragen. So kommt es nämlich, dass auch Respekt und Toleranz beim SV Allner-Bödingen nicht nur Begriffe sind, die nur eingefordert werden. Und wer diese Werte im Umgang untereinander pflegt, der kann sie auch gegenüber Externen anwenden. „Unser Geheimrezept ist die Fairness, die wir dem Gegner zollen“, erklärt Bianca Adolphs. „Wir akzeptieren jeden einzelnen Spieler. Jeder hat andere Kulturen und Rituale, die hier zu 100 Prozent toleriert werden.“
Verantwortung übernommen
"Wir akzeptieren jeden einzelnen Spieler. Jeder hat andere Kulturen und Rituale, die hier zu 100 Prozent toleriert werden."
Im Alltag beginnt die Integration. Im wöchentlichen Training. Bei jeder kleinen Übung. Jeder trainiert mit jedem. Es gibt keine festen Gespanne. So wird der Austausch und die Gemeinschaft gefördert. Die dann wiederum durch ihre Individualität ihre Stärke erhält. „Jeder hat eine eigene Art zu spielen und eine differenzierte Auffassung vom Fußballspiel“, erläutert Bianca Adolphs.
Die Adolphs haben sich des Vereins angenommen. In einer Zeit, als es schlecht um sie stand. Im vergangenen Januar drohte das Team auseinander zu brechen. Der Abstieg drohte. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft war schlecht. „Einer unserer Söhne spielte mit. Der Trainer kam nach eigenen Aussagen nicht mehr ans Team ran und fragte meinen Mann, ob er die Mannschaft übernehmen könnte“, erzählt Bianca Adolphs.
Eine Herausforderung. Aus der die Idee des Projekts Nichtabstieg entstand. Das Trainerteam Markus und Bianca Adolphs übernahm die Verantwortung. Sie sind ein eingespieltes Gespann. Beide besitzen Trainerscheine. „Da wir schon seit mehreren Jahren, vorher im Jugendbereich, zusammen gearbeitet haben, kannten wir zum Glück sehr viele Spieler, die sich sofort bereit erklärt haben, den Kampf um den Klassenerhalt mit uns zusammen aufzunehmen“, berichtet die Trainerin.
Motivation durch Klassenerhalt
Gesagt, getan. Der Klassenerhalt wurde bereits vor dem letzten Spieltag realisiert. Es war ein Grund zu feiern. Im Garten der Familie Adolphs. Als Dank übergaben die Spieler ihren Trainern zwei personalisierte Deutschland-Trikots. „Da haben sich die Spieler wirklich viel Mühe gegeben“, freut sich die Trainerin.
Auch neben dem Platz ist die Erste Mannschaft des SV Allner-Bödingen ein klasse Team.
„Wir unternehmen viel, gehen häufig essen und versuchen viel Zeit zusammen zu verbringen.“ Aktuell steht die Mannschaft aus Hennef im Jahr nach dem Klassenerhalt auf Tabellenplatz vier, was zu zwei geteilten Meinungen führt. „Die Jungs wollen unbedingt aufsteigen. Mein Mann und ich bleiben nach dem vergangenen Jahr eher realistisch. Ein Platz im oberen Tabellendrittel ist unser persönliches Saisonziel“, erklärt die Trainerin. „Nächste Saison können wir dann den Aufstieg ins Visier nehmen.“