Zu Beginn des Jahres 2016 machten sich Vertreter des FVM auf den Weg nach Bonn, um im Rahmen des FVM-Masterplans mit Vertretern des VTA Bonn über viele interessante Themen zu diskutieren. Es war der erste Bonner Vereinsdialog im neuen Jahr.
Dass dieser Besuch besondere Voraussetzungen hatte, konnte schon am Veranstaltungsort abgelesen werden. Denn, nicht wie üblich, waren die FVM-Verantwortlichen in der Heimstätte des Vereins zu Besuch. Dieses Mal mussten die Führungsleute des Vereins auswärts ran. Der Grund: Der „Verein für türkische Arbeitnehmer Bonn“, kurz VTA Bonn, hat kein Vereinsheim.
1964 kam es zur Gründung des VTA Bonn. Damals galt der Gedanke der Vereinsgründung nicht dem Fußballsport, vielmehr sollten türkischen Arbeitnehmern in Deutschland bei der Integration geholfen und unterstützt werden. Eine von der Stadt zur Verfügung gestellte „Teestube“ im Bonner Zentrum war der Ort, an dem VTA-Mitglieder für jedermann offen waren und Hilfe leisteten. Im Laufe der Zeit begannen die Vereinsvertreter, Fußball im Verein anzubieten. „Dadurch wurde die soziale Arbeit in unserem Vereinsheim vernachlässigt und es verlagerte sich alles auf den Sportplatz, der mit dem Auto ungefähr 15 Minuten entfernt liegt“, erklärte der Vereinsvorsitzende. Bülent Bugdaci fuhr fort: „Der Wandel im Verein, die finanziellen Probleme sowie das immer geringer werdende Ehrenamt führten dazu, dass uns die Stadt das Vereinsheim entzog.“
Um ein neues Eigenheim sind die Bonner-Vertreter bemüht. Ein Bauantrag für eine Fläche unmittelbar neben dem Kunstrasenplatz wird gestellt. Weitere Planungen sind noch in Abstimmung.
"Es war genau richtig, sich über die aktuelle Situation beim VTA Bonn auszutauschen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch nach dem vor kurzem 50-jährigen Jubiläum weiter bergauf geht."
Ein zentrales Thema war auch die Situation auf und neben dem Sportplatz, wenn Spiele des VTA Bonn ausgetragen werden. Wie die Vergangenheit zeigt, galt es für gegnerische Mannschaften und Schiedsrichter immer als unangenehm, gegen VTA-Teams zu spielen oder Partien mit VTA-Beteiligung zu pfeifen. Es kam vermehrt zu Auseinandersetzungen auf dem Platz und vor allem die „aggressive“ Spielweise machte den Beteiligten zu schaffen. Das ist die Vergangenheit. Heute hat der Verein einen guten Ruf in Bonn, auch weil die Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Spielen des ältesten türkischen Vereins in Deutschland stark zurückgegangen sind. „Wir arbeiten seit vielen Jahren an unserem Vereinsimage und werden auch weiterhin dafür sorgen, dass faires Verhalten geahndet wird“, betont Serhun Hatziali, Vorstandsmitglieder des VTA Bonn.
Als Problem schildert die Vereinsführung, dass es leider Schiedsrichter und gegnerische Teams gibt, die schon mit Vorurteilen gegenüber Vereinen mit Migrationshintergrund in das Spiel hineingehen. Dadurch „herrsche schon von Anfang an eine Stimmung, die für den weiteren Verlauf nicht von Vorteil ist“.
Die Lösung für dieses extrem wichtige, aber auch schwierige Thema, kommt über die Kommunikation. Vereine untereinander, Vereine mit dem Schiedsrichter und aber vor allem mit dem jeweiligen Fußballkreis müssen sich über Geschehnisse informieren und austauschen. Nur so kann der Fußballsport fair bleiben und das Miteinander, egal welche Herkunft oder Religion die Beteiligten angehören, gestärkt werden.
Zum Abschluss der spannenden Diskussionen bleibt FVM-Vizepräsident Dr. Stephan Osnabrügge nur noch übrig, sich bei allen Beteiligten zu bedanken: „Es war genau richtig, sich über die aktuelle Situation beim VTA Bonn auszutauschen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch nach dem vor kurzem 50-jährigen Jubiläum weiter bergauf geht.“ Der gleichen Meinung ist auch Bülent Bugdaci: „Wir bedanken uns für die Möglichkeit, mit dem Kreis und dem Verband über brennende Themen zu sprechen!“
Foto v.l.n.r.: Christoph Döllerer, Jürgen Bachmann, Serhun Hatziali, Ekrem Kar, Bülent Budgaci, Gökhan Colak, Olcay Yildirim, Dr. Stephan Osnabrügge.