15.03.2013, 15:52 Uhr | FUSSBALL.DE
Mittlerweile erscheint "No Dice" zum sechsten Mal. (Quelle: Ian Stenhouse)
Von Alexandra Stober
Jede neue Ausgabe wird ordentlich in einer Bar gefeiert – dann bitten Ian Stenhouse, Jake Sweetman und Stephen Glennon zur Launch-Party. Aus einer verrückt klingenden Idee ist "No Dice" geworden, die sechste Ausgabe des vierteljährlichen Magazins über den Berliner Fußball jenseits von Profitum und großem Geld ist gerade herausgekommen.
Ein 52-jähriger Schotte, ein 34-jähriger Engländer und ein 29-jähriger Ire, verbunden durch die Leidenschaft für den Fußball und Berlin, berichten über alles, was ihnen bei ihren Ausflügen auf die Fußballplätze der Hauptstadt auffällt. "Wir machen das zu hundert Prozent aus Spaß – einfach nur das, was wir spannend finden", sagt Glennon.
Angefangen hat es im Mai 2011: Ian Stenhouse will zu einem Testspiel der zweiten Mannschaft von Union Berlin, um seinem großen Hobby, dem Fotografieren von Amateurspielen, nachzugehen. Doch er findet partout den Weg zum Stadion der gastgebenden Germania Schöneiche nicht. Dafür aber Jake Sweetman, ebenfalls auf dem Weg zu diesem Spiel – einen Bruder im Geiste. Der hat schon länger die Idee für ein Magazin über den Berliner Fußball im Kopf. Schreiben kann er – zu diesem Zeitpunkt jobbt er als Redakteur bei einem englischsprachigen Berlin-Magazin –, was ihm fehlt ist ein Fotograf, der das Ganze angemessen illustriert.
Die beiden verstehen sich auf Anhieb und beschließen, ein Magazin über den Berliner Fußball auf die Beine zu stellen – in Englisch, unabhängig, frei von Werbung. Auch der Titel steht schnell fest: "No Dice" ("Keine Würfel") bezieht sich auf den von Comedian Jan Böhmermann kreierten Spruch "Fußball ist wie Schach – nur ohne Würfel", die von einigen deutschen Medien fälschlicherweise Lukas Podolski zugeschrieben wurde. Dieses Zitat stehe für all das, was der Fußball sein könne: elegant, aber auch brutal, intelligent, aber eben auch dumm.
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Dritter Mann im Bunde wird Stephen Glennon, ein Freund Sweetmans, 2006 für die WM nach Berlin gekommen und dort geblieben. Auf Englisch erscheint "No Dice" aus zwei Gründen: Die drei Macher leben zwar alle schon seit einigen Jahren in Berlin, aber fürs Schreiben reichen ihre Deutschkenntnisse nicht. Und zum anderen haben sie bemerkt, dass es neben ihnen immer mehr englisch sprechende Fans auf den Fußballplätzen der Hauptstadt gibt.
Nie hätten sie damit gerechnet, dass auch viele Deutsche aus Berlin ihr Heft lesen. "Sie schätzen unseren etwas anderen Blickwinkel", meint Glennon. Den anderen Blickwinkel und sicherlich auch die Themen des Heftes selbst – Themen, über die man sonst kaum etwas erfährt. In der aktuellen Ausgabe geht es beispielsweise um TuS Makkabi, den einzigen jüdischen Fußballverein Berlins. Daneben gibt es eine Geschichte über BFC Viktoria 1889. Und man erhält in einer Fotoreportage einen Eindruck davon, wie sich Hertha-Profis nach einem Spiel in der VIP-Lounge verhalten.
Apropos Profis: Für die Bundesliga oder die Premier League interessieren sich die drei relativ wenig. Glennon sagt, dass ihm die Spieler gefühlsmäßig einfach zu weit weg von den Fans seien. "Wenn ich zu einem Kreisliga-Spiel gehe, habe ich direkt eine Beziehung zu den Jungs auf dem Platz. Die sind eben wie die Zuschauer: Der eine ist ein bisschen übergewichtig, der andere vielleicht verkatert, aber alle sind mit Leidenschaft bei der Sache."
Ohne Leidenschaft könnte "No Dice" nicht existieren. Neben den Gründern ist auch Sweetmans Frau Emily mit Herzblut dabei: Sie zeichnet die Titelbilder des Magazins. Außerdem kümmert sich seit einigen Monaten der Berliner Sebastian Schmelzer darum, dass das Heft bekannter wird, und er stellt Kontakte zu den Vereinen her. Und wie funktioniert das Projekt finanziell? Damit eine neue Ausgabe erscheinen kann, müsse die vorherige komplett verkauft sein, erklärt Glennon. 200 Exemplare lassen die drei jeweils drucken; daneben kann man auf der Homepage das Magazin gegen eine Spende als pdf downloaden.
Einen langfristigen Plan haben Glennon, Stenhouse und Sweetman nicht. "Wir denken von Spiel zu Spiel, also von Ausgabe zu Ausgabe. Etwas anderes würde nicht funktionieren", so Glennon. Im Moment sieht es gut dafür aus, dass noch viele Ausgaben folgen – und entsprechend viele Launch-Partys.
Quelle: FUSSBALL.DE
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