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Kölner Kernsanierung dank Finke und Solbakken

16.07.2011, 17:42 Uhr

Erklärt seinen Spielern das neue Spielkonzept: Trainer Stale Solbakken. (Foto: imago)

Erklärt seinen Spielern das neue Spielkonzept: Trainer Stale Solbakken. (Foto: imago)

Von Marc L. Merten

Nichts in Köln ist mehr, wie es noch vor wenigen Monaten war. Der 1. FC Köln hat ein vollkommen neues Gesicht. Dafür verantwortlich: Sportdirektor Volker Finke. Seit einem halben Jahr im Amt, hat er die Geißböcke kernsaniert, das Personal rund um den Profikader fast vollständig ausgetauscht und den selbigen gehörig ausgedünnt. Neue Gesichter prägen das Bild am Geißbockheim, ob Co- oder Assistenztrainer, Physiotherapeuten, Scouts oder Jugendkoordinatoren. Im Blickpunkt des Interesses stehen jedoch zwei Königstransfers, wovon einer ein hochgewachsener Norweger ist, der im Frühjahr noch einer der meist umworbenen Übungsleiter Europas war. FUSSBALL.DE nimmt den 1. FC Köln unter Neu-Trainer Stale Solbakken unter die Lupe.

1. Personelle Situation

Neben dem Coach heißt der zweite Kölner Königstransfer Sascha Riether. Dass es dem FC überhaupt möglich war, einen aktuellen deutschen Nationalspieler an den Rhein zu locken, darf ohne Umschweife als Sensation gewertet werden. Finke und Solbakken wollten niemand anderen als Riether für die zentrale Position im Mittelfeld. Er soll die Defensive organisieren, das Offensivspiel ankurbeln und ein Team führen, in dem auch ohne weitere Neuzugänge (neben Riether kam bisher nur das albanische Talent Odise Roshi) beachtliches Potential schlummert.

Denn eines wird wegen der vielen Querelen der letzten Monate in Köln oft vergessen: Der FC holte in der vergangenen Rückrunde 29 Punkte. Da hatte es für Finke oberste Priorität, diesen Kader beisammen zu halten. Mato Jajalo wurde endgültig gekauft, die Verträge der wichtigen Wintertransfers (Michael Rensing, Christian Eichner und Slawomir Peszko) verlängert. Und weil wegen der maroden Finanzen (31 Millionen Euro Schulden) keine weiteren Sprünge möglich waren, konzentrierte sich Finke stattdessen auf die Verkleinerung des Kaders. Ziel: Kosten sparen und Talenten Spielpraxis ermöglichen. Mittlerweile wurden nicht weniger als neun Spieler verliehen und der vormals aufgeblähte Kader auf eine trainierbare Größe von 28 Spielern gestutzt.

2. Stärken und Schwächen

Auch dieses Jahr verfügt Köln wieder über eines der besten Sturm-Duos der Liga. Lukas Podolski und Milivoje Novakovic erzielten letzte Saison zusammen 30 Tore und werden auch in dieser Spielzeit wieder jede Abwehr in Verlegenheit bringen. Aus dem Mittelfeld kam in der Vorsaison jedoch zu wenig Torgefahr. Das soll sich unter Solbakken ändern. Gerade über die schnellen Außen (Chihi, Peszko, Clemens, Jajalo) muss mehr passieren.

Der neuralgische Punkt der Geißböcke in der zurückliegenden Saison war allerdings die Defensive. Mit 62 Gegentreffern stellte der FC die drittschlechteste Abwehr der Liga. Die Gründe sind vielschichtig. Youssef Mohamad spielte eine unterirdische Saison, mit Christian Eichner kam erst zur Rückrunde ein bundesligatauglicher Linksverteidiger, Miso Brecko lässt seit Jahren offen, warum seine Leistungen in Köln und in der slowenischen Nationalmannschaft derart divergieren. Und selbst Pedro Geromel leistete sich unerklärliche Böcke. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Organisator Riether und Trainer Solbakken.

3. Der Trainer

Der neue Star in Köln ist 43 Jahre alt, wegen seiner Statur und seiner Glatze überall sofort zu erkennen, hat 750.000 Euro Ablöse gekostet und hätte eigentlich norwegischer Nationaltrainer werden sollen. Stale Solbakken ist der Hoffnungsträger der Geißböcke und soll den Umbruch, den Sportdirektor Finke eingeleitet hat, mit der Profi-Mannschaft umsetzen. Und Solbakken nimmt sich diese Herausforderung zu Herzen.

Sein Training ist seit dem ersten Tag auf die neue taktische Grundordnung (4-4-2 mit Doppel-Sechs) ausgerichtet. Kondition wird in Spielformen gebolzt, die neuen Laufwege von Solbakken selbst vorgemacht und kommentiert. Lange hat es keinen so kommunikativen, lauten und aktiven Trainer mehr in Köln gegeben, der akribisch sein Erfolgskonzept auf die Spieler zu übertragen versucht. Das Konzept, mit dem er den FC Kopenhagen fünf Mal zur dänischen Meisterschaft geführt hat und letzte Saison die europäische Elite in der Champions League düpierte. Hoffnung keimt auf beim 1. FC Köln, und sie ist unverkennbar mit dem Mann mit der Glatze verbunden.

4. Die Prognose

Greift Solbakkens Konzept und können die Spieler die positive Grundstimmung, die für jeden im Umfeld des Vereins spürbar ist, auf das Spielfeld übertragen, steht dem FC tatsächlich erstmals seit Jahren eine Saison ohne Abstiegssorgen bevor. Die zentrale Achse (Rensing; Mohamad, Geromel; Riether; Podolski, Novakovic) ist aller Ehren wert, muss aber funktionieren. Klappt das, ist vieles möglich für die Geißböcke. Den zehnten Tabellenplatz der letzten Saison zu wiederholen – dieses Mal aber in Ruhe und mit Blick nach vorne – würde Finke und Solbakken schon gefallen. So, wie einer der jüngsten Spielzüge im Training. Riether zauberte einen Pass in die Tiefe auf Podolski, der legte quer zu Novakovic, Tor. Solbakkens Kommentar: „Like it!“

Quelle: FUSSBALL.DE

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