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Im Ballbesitz |31.03.2017|13:35

Der Kult-Kescherer: Geisler fischt alles raus

Wenn der Ball im Netz zappelt, hat Ulli Geisler wieder einen guten Fang gemacht: Unsere Kultfigur der Woche aus Ahlen. [Foto: Bieckmann]

Wenn der Fußball bei Rot Weiss Ahlen nicht mehr im Fluss ist, dann hat ein Mann im Ahlener Wersestadion seinen Job erfüllt. Er glänzt nicht als gegnerischer Spielzerstörer auf dem Rasen. Er steht als Fan auf der Tribüne. Sein Erkennungszeichen: ein Utensil der Marke Eigenbau. Am Ende der Fahnenstange befindet sich bei ihm ein grünes Fangnetz. Damit fischt er bei Rot Weiss Ahlen keine Bälle aus dem Winkel, sondern aus dem Wasser. Über regelmäßige Spiele zu null freut er sich trotzdem: Ulrich "Ulli" Geisler, unsere Kultfigur der Woche.

Die Geschehnisse im Ahlener Wersestadion können noch so spannend sein. Es kann um Aufstieg, Abstieg oder einfach nur um drei Punkte gehen. Für Ulrich Geisler spielt all das eine untergeordnete Rolle. Wenn sein Job ruft, nimmt er den Notausgang und verlässt das Stadion. Wie häufig, das bestimmen die Spieler auf dem Feld. Ulli Geisler ist Ordner und in dieser Funktion häufig als "Kescherer" eingeteilt. Seine Arbeit beginnt immer dann, wenn der Ball bei Klärungsaktionen über die Gegengerade geprescht wird. Wenige Meter dahinter befindet sich die Werse, ein Zufluss der Ems. Wenn der Fußball in Ahlen schließlich ins Wasser fällt, heißt es für den 57-Jährigen mit seiner leuchtend gelben Ordner-Jacke: An den Kescher, fertig, los.

Ulrich Geisler hält seinem Verein schon lange die Treue. „Ich habe damals schon bei TuS Ahlen Ordner gemacht“, sagt er im Gespräch mit FUSSBALL.DE. Im Jahr 1996 fusionierten die Klubs TuS und Blau-Weiß schließlich zu LR Ahlen. Damals floss neben der Werse in Ahlen auch noch das große Geld. Die Schatulle von Mäzen Helmut Spikker führte den Verein bis in die 2. Bundesliga. Ein Spiel schießt Ulli Geisler beim Gedanken an diese Zeit sofort in den Kopf: „Als wir damals gegen Mainz gespielt und zuhause 4:3 gewonnen haben. Wir lagen erst zurück und haben das Spiel dann noch gedreht.“

Nach dem Abstieg in die drittklassige Regionalliga zog sich Spikker 2006 aus dem Geschehen zurück und der Verein benannte sich in Rot Weiss Ahlen um. Der FSV Mainz 05 war auch zwei Jahre später nochmal zu Gast, nachdem Ahlen mit den Nachwuchsspielern Marco Reus und Kevin Großkreutz die Rückkehr in das Fußball-Unterhaus schaffte. „Gute Zeiten, als die noch hier gespielt haben“, erinnert sich Geisler.

"In die Suppe da gehe ich nicht rein. Stiefel habe ich auch keine hier"

Inzwischen ist das Geld in Ahlen rar gesät. Ende 2016 konnte der Verein nach knapp sechs Jahren die Insolvenz beenden. Geisler fischt die Bälle aktuell nur noch in der viertklassigen Regionalliga West . Die Stange seines Keschers ist heute länger als damals. Mit Klebeband wurde am Griff des Fangnetzes ein ausgedienter Fahnenstock angebracht. Dadurch kommt der Ordner heute in der Regel auch an die Bälle, für die er damals noch über die Brücke auf die andere Seite des Ufers laufen musste. „In die Suppe da gehe ich nicht rein. Stiefel habe ich auch keine hier“, erzählt Geisler, als er im Stadion die Tür Richtung Werse aufschließt, um seine Arbeitsstätte zu zeigen. Das Ufer ist weitestgehend vom Gestrüpp befreit. In der Vergangenheit war das nicht immer so. „Da findste den Ball nicht wieder, wenn das so hoch ist“, erzählt Geisler über die Probleme, mit denen er zu kämpfen hat. Grundsätzlich muss er schnell sein, wenn der Ball über die Tribüne fliegt. Denn die Strömung der Werse wartet nicht auf ihn.

Wenn Ulli Geisler seine Arbeit erfolgreich erledigt hat und mit seinem Kescher samt Ball in den Block zurückkehrt, muss er den Ball so über den Stadionzaun befördern, dass er nicht direkt wieder auf dem Spielfeld landet. Ein Betreuer holt ihn dann von dort ab. In der Vergangenheit war das nicht immer so einfach. „Einmal waren die Aachener hier im Block. Die wollten mir unbedingt den Ball wegnehmen. Wenn die Polizei hier nicht dringestanden hätte – au weia – dann hätten sie mir den Ball aus der Hand gerissen“, sagt der Kescherer rückblickend.

Heute ist der Block M bei Heimspielen ausschließlich für Ulli Geisler und seinen Kescher geöffnet. Der 57-Jährige beansprucht den hintersten Wellenbrecher direkt vor dem Notausgang für sich. Sein Kescher lehnt hinter ihm an einem Pfeiler des Stadions. Ganz alleine im leeren Block zu stehen, ist für Geisler kein Problem. „Oh, wie soll es sein. Ich bin das gewohnt, dass ich alleine hier drinstehe.“ So kann er sich voll und ganz auf das Spiel seiner Mannschaft konzentrieren.

Viele Heimsiege hat er in dieser Saison noch nicht miterlebt. Rot Weiss Ahlen befindet sich im Tabellenkeller der Regionalliga West. Auswirkungen auf seinen Job haben Liga und Tabellenposition aber nicht. Für ihn ist ein Spiel so wie jedes andere. Das Verpassen von Toren gehört zu seinem Job dazu. „Ich muss ja den Ball wieder holen, sonst kriege ich Ärger mit dem Boss“, sagt Ulrich Geisler und lacht. Begegnungen, bei denen kein Ball über die Tribüne fliegt, sind dem 57-jährigen Fan am liebsten. „Dann brauch ich nicht so viel laufen. Manchmal bin ich auch froh, wenn er mal hier reinfliegt“, sagt Geisler und zeigt auf die leeren Ränge vor sich. Doch die Hoffnungen auf einen Spieltag ohne Kescher-Einsatz sind gering. „Ich kenn doch die Spieler. Da geht das meist weit drüber“, scherzt er.

Bei Auswärtsspielen kann Ulrich Geisler entspannt an seinem Platz bleiben. Das kommt heute aber nur noch selten vor. Seine letzte Auswärtstour liegt länger zurück. Im Juli 2016 fuhr er mit nach Oberhausen. Ahlen gewann mit 4:0. Sein einzigartiges Fanutensil vermisste er dabei nicht. „Da brauch ich ja nicht keschen, nä? Die haben das Stadion und das Wasser da ja anders“, sagt Geisler und lacht. Einen Kescherer-Job wie in Ahlen gibt es eben nicht überall. Geisler selbst bleibt bescheiden: „Ich mache meinen Job wie jeder andere auch.“

Auch in Zukunft will er weiter am Kescher bleiben. Ein möglicher Abstieg hält ihn davon nicht ab. „Ich bin der Mannschaft immer treu.“ Das beruht in Ahlen auf Gegenseitigkeit. Die Mannschaft bleibt schließlich auch ihm immer treu, indem sie ihn Spiel für Spiel mit Arbeit versorgt. Immer und immer wieder.

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