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VfL Westercelle |09.05.2016|12:00

Ex-Nationalspielerin Weiß coacht Bambini

Bild oben rechts: Birte Weiß inmitten ihrer Schützlinge beim VfL Westercelle; Bild oben links: Birte Weiß (links) mit Katrin Hecker, die sie zu Rotation Schlema holte; Bild unten: Birte Weiß (Reihe unten, 2. von links) im Bundesliga-Team von Wismut Aue. [Foto: Fotos privat; Collage FUSSBALL.DE]

Birte Weiß hat als erste ostdeutsche Spielerin im gesamtdeutschen Nationalteam des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) Fußballgeschichte geschrieben. Die Erzgebirglerin aus der kleinen Ortschaft Markersbach in der Nähe von Aue kam insgesamt auf zwei Länderspiele. Neben dem „Heimspiel“ gegen Polen heute vor 25 Jahren (2:1) gab es für die Stürmerin am 12. März 1993 einen zweiten Einsatz auf Zypern. Dort spielten die DFB-Frauen beim Sechs-Nationen-Turnier als Vorläufer des heutigen Cyprus-Cups. Beim 3:0-Sieg über Frankreich in Agia Napa wurde Birte Weiß eingewechselt. Am Turnierende belegte das DFB-Team den dritten Platz.

Die Karriere von Birte Weiß zeugt von hoher Vereinstreue. Beim SV Markersbach im Jungenteam hatte alles begonnen. Von dort ging es zu den Frauen von Rotation Schlema (später: Wismut, dann FC Erzgebirge Aue ), als den dortigen Trainer Dietmar Männel die Information erreichte, in Markersbach spiele ein richtig gutes Mädchen. „Die hackt locker bei den Jungen mit“, erinnert sich Männel an den Tipp eines Bekannten. „Im Nachhinein gehört Birte zu den wertvollsten Spielerinnen, die wir je hatten. Sie war absolut zuverlässig und immer da, ist zu jedem Training die rund zwanzig Kilometer zu uns mit dem Fahrrad gefahren“, ist Männel noch heute voll des Lobes.

1992 wechselte Birte Weiß zum WSV Wendschott, dem Vorläufer des heutigen Frauenteams beim VfL Wolfsburg. Bis 2001 stürmte die Sächsin dort in der Bundesliga. Seit jener Zeit lebt sie in Westercelle. Beim VfL Westercelle ist die demnächst 45-Jährige, die bei VW in Wolfsburg angestellt ist, als Jugendtrainerin tätig.

Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht Sie über ihre aktive Karriere, ihre Erinnerungen an die Nationalmannschaft und ihre Arbeit als Nachwuchstrainerin beim VfL Westercelle .

"Ich wollte wieder etwas mit Fußball tun. Nach dem Karriere-Ende in Wolfsburg war erst einmal auf Jahre Schluss"

FUSBALL.DE: Frau Weiß, als ehemalige Nationalspielerin sind Sie heute Jugendtrainerin der U 5 und U 6 des VfL Westercelle. Was reizt Sie an der Arbeit mit den kleinsten Kickern?

Weiß: Ich trainiere diese Altersgruppe seit vier Jahren. Viele Trainer gehen ja mit den Kindern als Begleitung mit, aber ich bleibe. In dem Alter gibt es keine Spiele. Dennoch kommen stets rund 20 Jungen und Mädchen. Wichtig ist mir, nachhaltige Freude am Sport zu entwickeln. Wenn die Kids dann ab der U 7 in einen Spielbetrieb kommen, wissen sie, wo der Ball hin muss, wohin nicht und können einfache Pässe mit der Innenseite spielen. Fußballerisch ausgebildet werden sie erst ab den G-Junioren. 

Was hat Sie zu dieser Aufgabe bewogen?

Weiß: Ganz eindeutig der Spaß, die Kids zum Sport zu begeistern. Und ich wollte wieder etwas mit Fußball tun. Nach dem Karriereende in Wolfsburg war erst einmal auf Jahre Schluss. Nach einer Hüft-OP habe ich mich danach auf den Langstreckenlauf verlegt. Vor der Arbeit bin ich oft 15 bis 20 Kilometer gelaufen und bin auch bei mehreren Marathonläufen gestartet. In Berlin etwa, in Hamburg, Frankfurt. Hobbymäßig, mit Zeiten knapp unter vier Stunden.

Ihr Sohn Ole ist 12 und kickt beim VfL Westercelle.

Weiß: Das war aber nicht der Antrieb, Trainerin zu werden. Vielmehr ist unsere ganze Familie fußballbegeistert, besonders für Borussia Dortmund. Ole hat die Fußballgene von Papa und Mama geerbt. Allerdings ist er mit Leib und Seele Torwart. Selbst ein gebrochener Arm konnte ihn nicht stoppen. Derzeit spielt Ole in unserem U 14-Team.

Das Westerceller Vereinscredo betont die Jugendförderung, Spaß am Spiel und Charakterförderung.

Weiß: Genau damit identifiziere ich mich in meiner persönlichen Philosophie vom Sport. Ich würde dazu als Tugenden ergänzen, immer an sich zu arbeiten, Vorbild zu sein, Regeln zu verinnerlichen und eine gewisse Identifikation mit dem Verein, sprich: Treue, zu entwickeln.

Welche Verbindung haben Sie heute noch zum Frauenfußball?

Weiß: Schöne Erinnerungen hauptsächlich. Aber eigentlich ist das Kapitel als ein wichtiger Lebensabschnitt im Fußball für mich abgeschlossen.

Sie sind mit 14 Jahren aus Markersbach zu Rotation Schlema gewechselt. Warum?

Birte Weiß: Altersbedingt wäre es für mich nicht mehr weiter gegangen. Ich war bereits beim Handball angemeldet, als Katrin Hecker von Rotation Schlema mich dann in der Schule besucht und überzeugt hat, doch mal nach Aue zum Training zu kommen. Sonst wäre aus mir wohl eine Handballerin geworden, so wie es meine Mutter war.

Was waren Ihre größten Erfolge mit Rotation?

Weiß: Auf jeden Fall der DDR-Titel 1988 und der Vizetitel im Jahr darauf. Gegen Potsdam hatten wir zuhause gut 5000 Zuschauer. Die erfolgreichen Pokalfinals 1987 und 1988 untermauern unsere gute Position in der damaligen DDR. Beim Pokalsieg 1991 waren wir gerade frisch beim Nachbarn Wismut Aue untergekommen.

Nach der Wende wechselte Rotation zum Nachbarn Wismut Aue, später umbenannt in FC Erzgebirge. Es gelang der Aufstieg aus der Regionalliga Nordost in die damals zweigeteilte Bundesliga. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Weiß: Unheimlich viele Auflagen für die Zulassung durch den DFB. Gottseidank haben wir in Aue ja das Stadion, kaum zu vergleichen mit den zum Teil ungewohnten Dorfplätzen in der Bundesliga Süd. Es gab allerdings auch sehr schöne Auswärtsreisen. Sportlich hatten wir eine sehr starke Mannschaft, die bei oft nur knappen Niederlagen mithalten konnte. Fast hätten wir auch den Klassenerhalt geschafft. Leider wurde der erst am Grünen Tisch zum Fakt, weil sich ein Konkurrent abgemeldet hatte. Da waren bei uns aber schon viele Leistungsträgerinnen fort. So wurde unser großes Potenzial leider ausgebremst. Wir haben dennoch durch die Bundesliga wichtige Erfahrungen auf allen Gebieten gemacht.

Was hat sich aus Ihrem Länderspieldebüt 1991 in Aue (2:1 gegen Polen) im Gedächtnis festgesetzt?

Weiß: Es war einfach nur cool. Mein Traum, irgendwann einmal eine EM oder WM zu spielen, war mit dieser für mich überraschenden Nominierung auf einmal greifbar nahe. Allerdings war es sehr schwierig für mich, als junges Mädchen unerfahren in ein eingespieltes Team zu kommen. Ich musste lernen, dass es weitere gute Fußballerinnen außer mir gibt, auch bessere. Das kannte ich aus dem Erzgebirge nicht. Das Erlebnis war sehr lehrreich, zum Beispiel in Sachen Professionalität.

1993 folgte dann das zweite Länderspiel auf Zypern.

Weiß: Meine erste fußballerische Auslandsreise war insofern enttäuschend, weil ich von drei Spielen nur eines bestritten habe, als Einwechselspielerin auch wieder ausgewechselt wurde. Dennoch habe ich viel aus dieser Turnierwoche gelernt.

Warum gab es 1992 den Wechsel nach Wolfsburg?

Weiß: Mein Arbeitsvertrag bei der Wismut AG lief aus. Ich wäre arbeitslos geworden. Die Wolfsburgerin Petra Damm, die ich seit der Nationalelf kannte, sprach mich an und ich habe zugesagt. Katrin Hecker ist mit mir mitgekommen. Das passte gut, weil mein damaliger Freund und heutiger Lebenspartner in Celle wohnte. Also bin ich dorthin gezogen, wohne dort noch immer und arbeite immer noch bei VW.

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