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Kraftpaket |12.01.2020|16:00

Kickbox-Weltmeister und Kult-Schiedsrichter

Güney Artak: "Ich habe dann eine ordentliche Ansage gemacht und angedroht, dass wir Schiedsrichter das Spiel ja auch tauschen könnten. Das hat gewirkt."[Foto: Freiderike Jahnel/Referee Academy]

"Ich sehe aus wie 40 Jahre Gefängnis", beschreibt sich Güney Artak selbst, obwohl er doch gerade erst 31 Jahre alt geworden ist. Im Interview mit FUSSBALL.DE spricht der Kult-Schiri aus Hannover über klare Ansagen gegenüber Spielern, Vorschläge zur Gewaltprävention und wie ihm seine Erfahrungen als Kickboxer und ehemaliger Türsteher auf dem Platz helfen.

FUSSBALL.DE: Herr Artak, der Berliner Klub Friedenauer TSC bezahlt bei seinen Heimspielen Personenschützer für die Schiedsrichter. Kann das eine Lösung für die Gewaltvorfälle im Amateurfußball sein?

Güney Artak: Nein, das ist ganz schlimm. Spieler, die das entsprechende Aggressionspotenzial oder auch einen ähnlichen Freundeskreis haben, werden dadurch unnötig gereizt und in sechs Monaten entwickelt sich das dann dahin, dass die Leute zum Spiel gehen und sich mit den Ordnern schlagen wollen.

Die wenigsten von uns haben eine respekteinflößende körperliche Statur wie Sie. Wie kann sich ein Otto-Normalverbraucher, dem nicht der Ruf eines Kickbox-Weltmeisters vorauseilt, als Schiedsrichter dennoch aus eigenen Kräften gegen Übergriffe wehren?

"Ich finde es von Schiedsrichtern schwach, aus Angst mit Karten zu arbeiten"

Artak: Bei der Schiedsrichterschulung hier in Hannover könnte mit Jungschiedsrichtern situationsgerechtes und selbstbewusstes Verhalten trainiert werden. Es wäre zu reflektieren: Was strahle ich aus? Wie gehe ich mit Konfliktsituationen um? Wie nähere ich mich dem Ganzen? Wie artikuliere ich mich? Welche Körperhaltung nehme ich ein? Es müsste deeskalierendes Verhalten geübt und die Überlegung angestellt werden: Wen hole ich im Konfliktfall mit dazu, der mich in dem Moment unterstützen kann? Und natürlich sollte darüber nachgedacht werden: Wenn es ganz einfach richtig kocht, muss ich als Schiedsrichter dann überhaupt noch dazwischen gehen oder ziehe ich mich besser erst einmal mit Stift und Zettel zurück und beobachte die einzelnen Parteien. In diesem ganzen Ausbildungsbereich lässt sich konkret bestimmt sehr viel machen.

Wie gehen Sie persönlich vor?

Artak: Ich persönlich mache es anders. Ich habe in Vinnhorst schon mal ein von mir geleitetes Spiel unterbrochen, bin über drei Felder auf einen anderen Platz gesprintet, wo es fast zur Schlägerei kam. Da war ein junger Schiedsrichter eingesetzt, der mir wegen seiner Hilflosigkeit richtig leid tat. Ich habe dann eine ordentliche Ansage gemacht und angedroht, dass wir Schiedsrichter das Spiel ja auch tauschen könnten. Das hat gewirkt.

Laut Lagebild Amateurfußball des DFB kam es in der Saison 2018/19 zu 2.906 Angriffen auf Schiedsrichter. Warum ist es Ihrer Meinung nach ausgerechnet der Fußball, bei dem Schiedsrichter Pöbeleien und Anfeindungen von Zuschauern und Spielern gleichermaßen beklagen?

Artak: Fußball ist in Deutschland ein sehr einfacher Sport. Man wächst da rein, jeder Hans und Franz kann in der Kreisklasse Fußballspieler werden. Wir Deutschen neigen ja eher zum Fußballsport. Wie viele gehen denn wirklich zum Handball oder zum Schwimmen, zum Kontaktsport oder Basketball? Der Fußball ist weit verbreitet. Fußball ist einfach. Jeder hat in seiner Jugend auf der Straße gezockt und jeder schafft es, an einem Sonntag auch mal zu spielen. Und somit sind auch alle Charaktere auf den Plätzen vertreten.

Im Kreis Region Hannover gelten Sie als der Mann für die Problemspiele. Wie sorgen Sie für Ruhe auf dem Platz?

Artak: Ich finde es von Schiedsrichtern schwach, aus Angst mit Karten zu arbeiten. Da würde ich viel mehr auf Kommunikation setzen und am Anfang ganz klare Ansagen machen. Vor meinen Spielen nehme ich auch gleich den Kapitän in die Verantwortung. Hör zu, Kapitän, Du bist verantwortlich für Deine Mannschaft. Wenn Du merkst, dass einer deiner Spieler zu aggressiv wird, musst du ihn runterholen und nicht ich. Es gab zum Beispiel in Ahlem einen Spielabbruch. Dann hieß es acht Tage später: Güney, übernimm du die mal. Wir möchten gerne, dass Du die leitest. Ich bin der Schiedsrichter mit den wenigsten Karten. Ich musste dann nur zwei Gelbe Karten zeigen. Mein Spiel war easy, ganz locker. Alles war vollkommen entspannt. Sogar mit Linienrichtern musste ich arbeiten. Die habe ich im Spiel tatsächlich vergessen, weil ich das aus der Kreisklasse nicht kannte.

Die ARD-Sportschau hat einen Beitrag über sie unter dem Titel "Der Problemlöser" gebracht, der bei YouTube schon über 550.000-mal aufgerufen wurde. Gefällt Ihnen der Titel?

Artak: Nicht so sehr. Damit werde ich zu hoch gepusht. Das ist too much. Als wenn ich der Messias wäre, der durch die Bundesliga rennt und alles rettet. Ich bin ganz einfach nur der etwas andere Schiedsrichter.

Spielt Ihre Kampfsporterfahrung für Ihre Akzeptanz auch eine Rolle?

Artak: Es ist traurig, dass es so ist, aber es ist der Background. Die Leute wissen, wer ich bin. Die wissen, ich kann mich hauen, wenn es drauf ankommt. Die wissen, welchen Status ich genieße. Die haben Respekt. Viele kennen mich noch aus meiner Türsteherzeit, die habe ich früher in die Discos reingelassen. Ich bin schon viele Jahre in Hannover präsent. Das ist mein Vorteil, den ich aber nicht ausspielen möchte. Das ist mein Bonus gegenüber den Schiedsrichterkollegen. Zeigen sie mir einen, der – ohne Arroganz - sich mit mir auf eine Ebene stellen kann. Glatze, Bart, Tattoo, einen, der 110 Kilo wiegt und wie 40 Jahre Gefängnis aussieht. Zeigen sie mir so einen.

Kommt es vor, dass Sie provoziert werden und Spieler austesten, wie weit sie bei Ihnen gehen können?

Artak: Ich habe mir inzwischen schon einen gewissen Namen gemacht. Mich provoziert keiner. Ich sage auch immer vorweg. Hört zu, Jungs. Es ist euer Spiel. Ich möchte mich so wenig wie möglich einschalten. Sei es Einwurf, sei es Eckball, seid fair zu euch. Ich schalte mich dann ein, wenn ihr unfair werdet. Ich möchte nicht dieses Spiel führen, ihr sollt euer eigens Spiel machen. Ich bin ein Schiedsrichter, der den Ball gerne laufen lässt. Fußball ist Kontaktsport, Männersport, da kann es schon mal zu der einen oder anderen Berührung kommen. So lange es fair angegangen wird, habe ich kein Problem damit.

Trotz gewalttätiger Vorfälle wie in Dieburg oder Altenessen: Warum lohnt es sich, das Schiedsrichteramt auszuüben?

Artak: Ich möchte einfach etwas zur Gesellschaft beitragen. Das hat auch etwas mit meinem Leben zu tun. Mein Wunsch ist einfach eine bessere Welt. Ich möchte den Sport ein Stück weit retten. Ich möchte Menschen erreichen und ihnen vermitteln, den Schiedsrichter mit Respekt zu behandeln, auch, wenn er nur 15 Jahre alt ist.

Welche Eigenschaften verbinden Schiedsrichter und Kickboxer?

Artak: Die Disziplin, von der ersten bis zur letzten Minute. Und aufmerksam sein zu können. Ich kann nicht bei dem einen schneller pfeifen und das gleiche Vergehen in der zweiten Halbzeit laufen lassen. Ich muss die Disziplin aufrechterhalten, sei es konditionell, sei es die Regeleinhaltung, die Technik der Spielführung. So ist das auch beim Kampfsport. Ich muss von der ersten bis zur letzten Runde im selben Tempo kämpfen können und dieselbe Disziplin in meiner Technik haben. Ob nun der Anpfiff oder der Gong kommt, das ist für mich das Signal: Ok, jetzt über 100 Prozent geben und das Gesamtbild sehen. Beim Boxen ist es so: Du liest deinen Gegner, in seinen Augen. Das ist Psychologie. Wie ist er drauf, ist er angeschlagen? Wie verhält er sich? Wie boxt er? So ist es auch bei den Spielern. Wo kocht die Aggression hoch? Was kommen für Kommentare rein, die man nicht ahnden muss, wo man aber schon merkt: Der ist jetzt richtig weit oben. Wenn ich merke, die fahren hoch, versuche ich sie gleich abzufangen. Wie an der Tür, als Türsteher. Das hat auch etwas mit Menschenkenntnis zu tun.

Sie haben in Ihrer Jugend in Barsinghausen für den TSV Kirchdorf und Basche United gekickt. Auf welcher Position?

Artak: Ich war überwiegend in der Abwehr. Ich war der "Specki", der es im Sturm nie geschafft hätte, mit dem Ball einmal durchzulaufen. Da haben wir unsere Spezialisten gehabt, die kleinen, wendigen Jungs. Ich stand hinten, war meist letzter Mann oder Torwart, aber auch rechter Außenverteidiger. Da ist keiner an mir vorbei gekommen. Gar keiner.

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