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Serie "Heimathäfen der Kapitäne"|26.11.2014|10:00

Kohler: Zu Hause feierte ihn sogar der Rivale

Ein echter Lambsheimer Bub: Jürgen Kohler. [Foto: imago]

Aus ihren kleinen Heimatvereinen zogen sie einst aus, um die große Fußballwelt zu erobern und die Nationalmannschaft als Kapitäne aufs Feld zu führen. FUSSBALL.DE stellt die Heimathäfen der Kapitäne vor. Heute: Jürgen Kohler und Eintracht Lambsheim.

„Ich werde mal Nationalspieler." Das soll der gebürtige Lambsheimer Jürgen Kohler bereits während der Schulzeit gesagt haben. Er sollte Recht behalten. 105 Länderspiele bestritt er zwischen 1986 und 1998. Er wurde Weltmeister 1990 und Europameister 1996. „Jeder wollte früher in der Pause mit dem Jürgen in einer Mannschaft spielen. Er war immer der Beste und hatte diesen unbändigen Siegeswillen“, erinnert sich Kohlers Freund Wolfgang Goertz.

Goertz ist heute erster Vorstand bei Eintracht Lambsheim . Kohlers Heimatverein TB Jahn existiert schon seit zehn Jahren nicht mehr. Im Rhein-Pfalz-Kreis, knapp 18 Kilometer westlich von Mannheim gelegen, entschied man sich 2004 dazu, das Vereinsgelände des TB Jahn zu verkaufen und als Verein mit dem Ortsrivalen Viktoria Lambsheim zu fusionieren. An der Stelle des ehemaligen Sportgeländes befindet sich heute ein Supermarkt. Beim Abriss gingen leider alle Erinnerungsstücke an Kohlers Zeit im Verein verloren. Von 1975 bis 1982, bis zur B-Jugend, hatte der ehemalige Verteidiger für TB Jahn gekickt und gegrätscht.

Sein Talent und sein Wille trieben Kohler mit 16 Jahren zu Waldhof Mannheim. Der damalige Trainer Klaus Schlappner wurde zu seinem Mentor und verhalf ihm mit 18 zum Bundesligadebüt. Selbst beim Ortsrivalen Viktoria Lambsheim war man damals stolz auf Kohlers Entwicklung: „Man hat das schon honoriert, dass ein Lambsheimer Bub bei Waldhof Karriere macht“, erinnert sich Hans Wesuls. Der 78-Jährige ist ein Lambsheimer Urgestein. Von 1959 an war er Mitglied bei Viktoria, zwischenzeitlich als Vorstand und im Spielausschuss tätig und ist nun Vorsitzender des Ältestenrates bei der Eintracht.

„Jeder wollte früher in der Pause mit dem Jürgen in einer Mannschaft spielen“

Stolz auf den Lambsheimer Bub

In den späten Achtzigern und Anfang der Neunziger reifte der „Kokser“ - so Kohlers Spitzname – beim 1. FC Köln, Bayern München und in Italien bei Juventus Turin zum Weltklasse-Manndecker. Eine Deutsche Meisterschaft, eine italienische Meisterschaft und der Gewinn des UEFA-Cups fallen in diese Zeit. 1995 kehrte er in die Bundesliga zurück und unterschrieb bei Borussia Dortmund. Bis zu seinem Karriereende 2002 holte Kohler hier zwei weitere Meisterschaften, gewann die Champions League und den Weltpokal. Alle großen Titel des Weltfußballs hat der Lambsheimer Bub damit gewonnen. Besonders gerne denkt man in seiner Heimat an den WM-Titel 1990 zurück: „Da haben wir uns alle riesig mit ihm gefreut. Das war so, wie Bundespräsident Gauck es in diesem Jahr zur Nationalmannschaft gesagt hat: Wir haben uns alle als Weltmeister gefühlt“, erzählt Wolfgang Goertz.

Goertz war früher mit Kohlers älterem Bruder in einer Klasse. Seine Tante hatte direkt neben dem Elternhaus der Kohlers eine Gärtnerei. Die Freundschaft zu beiden Brüdern besteht bis heute - auch wenn man sich nicht mehr so oft sieht. „Ich will mir nichts darauf einbilden, aber ich denke schon, dass ich Jürgens Anlaufpunkt für den Fußball hier in Lambsheim bin“, sagt der 56-Jährige. Ungefähr fünf Mal pro Jahr schaue der Weltmeister, der die Nationalmannschaft in zehn seiner insgesamt 105 Spiele als Kapitän anführte, bei Heimspielen der Eintracht vorbei.

Während Kohlers aktiver Karriere hat Wolfgang Goertz auch einige Spiele live im Stadion erlebt. „Da hat mir der Jürgen geholfen, Karten zu besorgen.“ Darunter auch Highlights wie das WM-Finale in Rom. „Ich habe ihn dann am Teamhotel überrascht, da hat er große Augen gemacht“, erinnert sich der Sportvorstand der Eintracht gerne zurück.

Noch keine Eintracht

Neben der freundschaftlichen Verbindung wird Kohler von Wolfgang Goertz auch über das Fußballgeschehen in Lambsheim auf dem Laufenden gehalten. Von seinem Heimatverein TB Jahn gibt es nur noch wenige Mitglieder im neuen Verein. In den zehn Jahren, in denen Eintracht Lambsheim jetzt existiert, sind die Mitglieder der Altvereine noch nicht so zusammengewachsen, wie gewünscht: „Viele hier sprechen immer noch von TB Jahn oder Viktoria und es gibt immer noch Mitglieder, die sich die alten Zeiten zurückwünschen“, sagt der ehemalige Viktorianer Hans Wesuls. Er hat Verständnis dafür. Bei einer Fusion aus zwei Vereinen dauere es eben eine gewisse Zeit, bis man die neue Identität akzeptiere. „Das betrifft aber vor allem die älteren Mitglieder. In der Jugend sprechen die Spieler nur von der Eintracht. Die interessiert nicht, was vorher war.“

Aktuell hat die Eintracht knapp 600 Mitglieder. Die erste Mannschaft spielt in der B-Klasse Rhein-Pfalz Süd und belegt einen Platz im Mittelfeld der Tabelle. Nach der Gründung war man in der A-Klasse gestartet. Genau dorthin soll es künftig wieder gehen. „Bei den Trainingsmöglichkeiten, die wir haben, ist der Aufstieg mittelfristig unser Ziel. Auch wenn es in dieser Saison nicht ganz so gut läuft“, gibt Goertz zu. Immer wieder müsse man in die Erhaltung des 50.000 Quadratmeter großen Sportgeländes investieren statt in den Kader.

Vielleicht können sie ihr Ziel in Lambsheim ja verwirklichen. Zum Beispiel, wenn Kohler, der Titelsammler, ehemalige DFB-Trainer und aktuelle Übungsleiter beim Oberligisten EGC Wirges, bei seinen Besuchen vom unbändigen Siegeswillen erzählt. Das könnte dafür sorgen, dass die ehemaligen Jahn- und Viktoria-Mitglieder der Eintracht weiter zusammenwachsen.

Alle Folgen der Serie:

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