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Große Emotionen in der Kreisliga D|01.12.2014|14:05

Neues Leben: Wehners emotionales Comeback

Großer Moment: Andreas Wehner (links) wird nach 707 Tagen Fußball-Abstinenz eingewechselt und bekommt sofort die Kapitänsbinde überreicht. [Foto: Verein]

Kann ein Spiel in der Kreisliga D Darmstadt etwas Besonderes für einen Fußballer sein, der über 550 Spiele in der ersten Mannschaft seines Heimatvereins absolviert und dabei 265 Tore geschossen hat? Normalerweise nicht – für Andreas Wehner schon. Er feierte kürzlich nach 707 Tagen Fußball-Abstinenz ein vielbeachtetes Comeback im Trikot der KSG Brandau II gegen TuS Griesheim II.

Wehner kämpfte ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in Stollenschuhen und verschwitzten Trikots mit seinen Mannschaftskameraden um Punkte und Tore, sondern um sein Leben. Die heile Fußballwelt im 600 Mitglieder zählenden Verein war auf eine harte Probe gestellt. Niemand ließ das Schicksal des langjährigen Kapitäns und beliebten Führungsspielers kalt. Wehner ist fest in seiner südhessischen Heimat verwurzelt, ein Vereinsmensch.

"Jetzt bin ich halt ein Schönwetterspieler"

„Mit Rückenschmerzen im Januar 2013 fing es an“, erinnert er sich. Mehrere Klinikaufenthalte in Heidelberg folgten, mit einer Chemotherapie versuchten die Ärzte die aggressive Leukämie-Form in Griff zu bekommen. Parallel demonstrierte die Fußballgemeinde in der Region Solidarität und Hilfsbereitschaft. Eine Typisierungsaktion wurde gestartet, bei der rund 1000 Freiwillige in Brandau Blut spendeten, um ihre Stammzellen prüfen zu lassen. Bei Wehners tückischer Leukämie zählte jede Woche, ein Wettlauf gegen die Zeit begann.

„Auch umliegende Vereine sind mit allen Mann gekommen, unglaublich“, erinnert sich Stefan Roth. Der ehemalige Mitspieler von Wehner leierte im Februar 2013 mit Freunden und Verwandten des Erkrankten die Typisierungsaktion an und gründete die Webseite hilfe-fuer-andy.de. Schließlich kam eines der sieben Geschwister von Andreas Wehner für eine Stammzellenspende in Frage. Zur Transplantation kam es noch nicht, da sich die Krankheit bislang mit Chemotabletten kontrollieren lässt. Voraussichtlich bis zum Ende des nächsten Jahres muss er die Tabletten einnehmen. Regelmäßig muss Wehner zur Blutuntersuchung nach Heidelberg fahren, dort werden zudem alle zwei Monate zur Sicherheit seine Werte über das Knochenmark kontrolliert.

Der Rummel ist Wehner eher unangenehm

Wehners Leben ist ein anderes geworden, sein Hobby Fußball hat an Bedeutung verloren. „Früher war es für mich selbstverständlich, dienstags und donnerstags bei jedem Wetter auf dem Trainingsplatz zu stehen. Und am Sonntag war eben Spiel“, sagt er. Freilich fand er es „ziemlich cool“, endlich wieder mit seinen Fußballkameraden auf dem Platz stehen zu können. Das erste Spiel von Andy Wehner nach dessen langer Pause war auch für die Vereinsgemeinschaft der KSG Brandau kein gewöhnlicher Termin. Weitaus mehr Zuschauer als sonst standen am Rande der Bande. Als Wehner bei seiner Einwechslung die Kapitänsbinde überreicht bekam, standen einigen Anhängern und Freunden Tränen der Rührung in den Augen. Als sei er nie weg gewesen, schoss Wehner ein Tor und prompt ein weiteres hinterher. Gejubelt hat er zurückhaltend.

Das Comeback-Spiel gegen Griesheim dauerte für das Brandauer Fußball-Urgestein nur ein paar Minuten, da der heillos unterlegene Gast beim Stand von 14:0 bei Kapitän Wehner um Aufgabe bat. Eine Woche später verlor Brandau II knapp mit 2:3. Ein verwandelter Elfer hätte einen Punkt gerettet. Andy Wehner, früher ein sicherer Strafstoßschütze, wollte nicht antreten, ein Mitspieler verschoss.

Regelmäßige Einsätze sind nicht mehr möglich

Wehner mag auf dem Sportplatz nicht mehr im Mittelpunkt und in der Verantwortung stehen, der ganze Rummel um seine Person ist ihm irgendwie unangenehm. Regelmäßig spielen kann der 36-Jährige ohnehin nicht mehr - nur bei entsprechender Wetterlage, denn Wehners Immunsystem baut sich bedingt durch die Chemotabletten noch nicht richtig auf. Große Hitze oder Wind und Kälte in Verbindung mit körperlicher Belastung beinhalten für Andy Wehner gesundheitliche Risiken. „Jetzt bin ich halt ein Schönwetterspieler“, sagt der Vater einer vierjährigen Tochter mit einem Schmunzeln. Dass seine Mitspieler in der Kabine schon beim Umziehen mit ihm darüber frotzeln, amüsiert ihn.

Der langjährige Fußballer genießt es, wieder Teil einer Mannschaft zu sein - und sei es nur in der D-Liga. Daran war vor eineinhalb Jahren nicht zu denken. Die Brandauer Typisierungsaktion war übrigens ebenfalls ein Erfolg. Zwei potenzielle Stammzellenspender wurden bislang für andere Leukämiepatienten gefunden.