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Familienbande|06.06.2018|12:00

Serra-Brüder: drei Kicker, drei Geschichten

Die älteren Serra-Brüder: Nikola und Janni (v.l.)[Foto: privat]

Drei talentierte Kicker und drei ungewöhnliche Vornamen: In der Familie Serra dreht sich seit Jahrzehnten (fast) alles um den Ball. Nikola (23), Janni (20) und Petja (17) halten auf dem Platz das Erbe ihres leider im vergangenen Jahr verstorbenen Vaters Ralf - früher unter anderem für den TuS Celle, den TSV Krähenwinkel-Kaltenweide und Borussia Empelde als Spieler aktiv sowie lange Zeit DFB-Stützpunkttrainer des Fußball-Verbandes Niedersachsen in der Sportschule Barsinghausen tätig - in Ehren. Die neueste Folge unserer Serie „Familienbande“.

Als Janni-Luca Serra mit Borussia Dortmund in den Jahren 2016 und 2017 zweimal in Folge Deutscher Meister wird, gilt er als kommendes Bundesliga-Juwel. Zuvor ist der 1,93-Meter-Stürmer mit der deutschen U-17-Nationalelf Vize-Europameister geworden, die Tür zum Profifußball steht ihm früh sehr weit offen. Doch wie so oft bei großen Nachwuchstalenten, kann die sportliche Entwicklung durch viele unwägbare Umstände plötzlich ins Stocken geraten. Statt mit dem BVB in der Bundesliga oder gar der Champions League aufzutrumpfen, muss Janni Serra nach einer Verletzung zunächst den Umweg über die U 23 der Schwarzgelben nehmen, um zur Rückrunde der vor kurzem beendeten Saison zum benachbarten Zweitligisten VfL Bochum ausgeliehen zu werden.

Ein Kicktipp-Spiel als Belohnung

Schon sein älterer Bruder Nikola ist zuvor auf dem besten Wege in den Profifußball. Mit sieben fängt er beim FC Bennigsen an – muss aber erst einmal überlistet werden. „Als kleines Kind wollte ich erst gar nicht Fußball spielen, aber dann hat mich meine Mutter doch irgendwann überredet. Die Bedingung war, dass ich ein Kicktipp-Spiel von Lego bekomme“, verrät Nikola Serra lachend. Mit 14 lockt Hannover 96 zum Probetraining, fast jeden Tag fährt der Schüler nach dem Unterricht mit dem Zug die etwa 25 Kilometer zum Trainingsgelände der 96er. Ein Nachwuchsleistungszentrum mit angeschlossenem Fußballinternat hat der Verein zu der Zeit noch nicht, daher wechselt Nikola Serra bald in die Sportförderschule in Hemmingen, um Fußball und Lernen besser unter einen Hut zu bekommen.

"Erst neulich bin ich beim Arzt mal wieder als Frau Serra aufgerufen worden..."

Für einen Heranwachsenden wie ihn bleibt der Alltag aber stressig – zum Beispiel im Winter 2012/13. „Meine schönste Auswärtsfahrt war im ersten A-Jugend-Jahr“, erinnert sich Nikola Serra und führt aus: „Es ging um 6 Uhr von Hannover los, dann standen wir zwei Stunden im Stau und als wir kurz vor Berlin waren, wurde das Spiel wegen Schneefalls abgesagt. Schließlich sind wir gegen 14 Uhr bei McDonalds am Wannsee eingetrudelt, um wie Profis zu essen und dann bei Schneetreiben die fünfstündige Heimreise anzutreten.“

Nach zwei Jahren in der U 23 der „Roten“ sucht Nikola Serra eine neue Herausforderung. Im zweiten Halbjahr 2015 absolviert der Innenverteidiger bei mehreren Vereinen Probetrainings – und findet seine neue Heimat beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel . „Das ist zwar über 200 Kilometer von Hannover entfernt, aber dennoch ein Glücksfall für mich, denn ich fühle mich im Verein und in der Gegend richtig wohl“, betont der 23-Jährige.

Natürlich ist es anfangs schwer, seine Familie und seine Freunde hinter sich zu lassen, aber ganz im Norden lernt er viele nette Menschen kennen, unter anderem seine Freundin. Nikola Serra absolviert in Drochtersen eine Ausbildung zum Sport- und Fitnesskaufmann und kickt auf höchstem Amateurfußball-Niveau – das Thema Profifußball hat er aber noch nicht komplett abgeschlossen. „Ich denke, dass ich das Zeug dazu habe, noch etwas höher zu spielen“, sagt er selbstbewusst und weiß: „Vitamin B hilft mehr, als man manchmal denkt.“

Die Mutter um den Verstand gebracht

So muss auch Janni Serra wohl inzwischen denken. Im Fußball geht alles sehr schnell, der gute Ruf aus der Jugend vergänglich. Noch weiß der sechsmalige U 21-Nationalspieler nicht, wo es für ihn weiter gehen wird, ob in Bochum oder in Dortmund, wo er noch bis 2019 unter Vertrag steht. In der Kindheit geht es für ihn schließlich nur nach oben – und zwar sowohl fußballerisch als auch körperlich. „Als kleiner Junge hat er meistens mit uns älteren Jungs auf dem Bolzplatz oder auf der Wiese mitgekickt“, erzählt Nikola Serra und fügt hinzu: „Er war früh relativ groß und konnte schnell gut mit den 'Großen' mithalten. Manchmal habe ich ihn aber auch weggeschickt und zu ihm gesagt, er soll sich eigene Mitspieler suchen (lacht) .“

Als beide schon im Verein spielen, machen sich die Brüder gerne mal einen Spaß – auf Kosten der Mutter. „Auf dem Weg zum Training haben wir manchmal unsere Sporttaschen vertauscht, da wir die gleiche hatten. Allerdings musste ich nach Hannover zum 96er-Training und Janni zu der Zeit nach Garbsen zum TSV Havelse “, berichtet Nikola Serra lachend. „Das hat unserer Mutter einige Nerven und auch Punkte in Flensburg gekostet, wenn sie dann mit Wechselklamotten nach Havelse gefahren ist und anschließend nach Hannover, um mir die richtige Tasche zu bringen.“

Der Jüngste kickt beim Mertesacker-Klub

Wie Nikola spielt auch Janni in der Jugend lange zunächst Verteidiger. Erst in Dortmund, wohin das große Talent mit 16 Jahren wechselt, wird er bei einem Spiel gegen Viktoria Köln aushilfsweise nach vorne geschickt. Da hat er innerhalb von zehn Minuten zwei Tore gemacht und ist seitdem vorne geblieben“, erinnert sich Nikola Serra. Inzwischen sind die beiden älteren Brüder räumlich über 300 Kilometer voneinander entfernt und können sich daher nicht häufig sehen. Über WhatsApp haben sie aber täglich Kontakt, natürlich auch zu ihrer Mutter und dem 17-jährigen Petja-Tom, der beim Per-Mertesacker-Klub TSV Pattensen kickt.

Da wäre zum Schluss noch die Frage nach den etwas außergewöhnlichen Vornamen zu klären. Papa Ralf und Mutter Sabine wollten ihren Kindern keine Allerweltsnamen mit auf den Weg ins Leben geben. „Unsere Eltern fanden das wohl gut, aber gerade mein Name führt manchmal zu Verwechslungen“, verrät Nikola Serra lachend: „Erst neulich bin ich beim Arzt mal wieder als Frau Serra aufgerufen worden...“

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